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FleischerVinz, das Mädchen fest an sich pressend.
Der Fleischer-Vinz hustete und schluckte ein paarmal, dann riß er ein paar Knöpfe von seiner Weste auf und zog und zerrte an seinem Halstuch, als ob es ihm überall zu eng würde.
„Ich glaub's ja eben nicht,“ sagte er mit stockender Stimme, „und es wird nichts damit sein, soviel sag' ich mir schon selbst. Aber weißt, Rosel, wenn Du halt im Grunde doch nichts nach mir fragst, so thät's Du schon besser, Du schautest Dich gar nicht mehr nach mir um, damit mir nicht so dumme Gedanken kommen, die mich in der einen Stund so froh machen,— so froh, wie ich's gar nicht sagen kann, und in der anderen so zum Sterben traurig; das taugt nichts, Rosel, und Du solltest mich nur laufen lassen, — wenn Du Dir auch nichts dabei denkst, so schafft's mir doch Kreuz und Leiden und geht mir Tag und Nacht im Kopf herum, denn, Rosel, daß ich Dir's nur grad' heraus sag'— Du sitzest mir schon gar so tief im Herzen!“
Dem Fleischer⸗Vinz war diese lange Rede blutsauer geworden, und als er sie geendet, wagte er gar nicht das Mädchen anzuschauen. Die Rosel aber hob jetzt den Kopf empor, der ihr bei Vinzen's Worten tief auf die Brust gesunken war; sie sah in das hübsche, offene Gesicht des Mannes, auf dessen Wangen jetzt die Röthe der Scham und Verlegenheit glühte und während sie ihn anschaute, füllten ihre Augen sich langsam mit Thränen.
„Was schwätzt Ihr denn da von nichts nach Euch fragen und nicht nach Euch schauen, Vincenz,“ sagte sie,„das könnt ja nimmer sein,— ich hab' Euch ja zum,— zum—“ sie stockte, ließ den Kopf wieder sinken und holte tief Athem,—„ich hab' Euch ja zum Sterben gern,“ vollendete sie dann rasch und muthig.
Der Fleischer-Vinz fuhr zusammen, als habe er soeben einen Peitschenhieb und nicht von zwei frischen, rothen Lippen die Ver— sicherung erhalten, daß man ihm zum Sterben gern habe, dann aber, als er noch einmal in das glühende, lächelnde Gesicht des Mädchens sah, leuchteten seine Augen hell auf.
„Also doch, Rosel,— doch,“ sagte er leise.„Schau, ich hab's nimmer glauben wollen und mich den größten Narren geheißen, daß solche Gedanken mir nur überhaupt haben kommen können und jetzt soll's doch die Wahrheit sein! Du sagst, Du hast mich gern, — so gern,“ fuhr er stockend fort, als ob er dem, was er eben gehört, immer noch nicht recht trauen könne,—„so gern, Rosel, daß Du mich zu Deinem Manne nehmen möchtest?“
Die Rosel nickte.„Keinen Anderen wie Euch,“ sagte sie,„das steht fest bei mir, Vincenz,— so fest, wie ich an einen guten Gott im Himmel und an ein ewiges Leben glaube! Euch und keinen Anderen nehm' ich zum Manne— das heißt,“ fuhr sie mit einem frohen Lächeln fort, das dem Fleischer-Vinz den Muth gab, den Arm um sie zu legen und sie ganz dicht an sich heran zu ziehen,„das heißt, wenn Ihr selbst es nur auch werden wollt!“
„Ob ich es will,— heilige Mutter Gottes!“ flüsterte der „Hör' mich an, Rosel: daß Du mir gefällst, wie keine Andere, das weiß ich lang', ich denk', seit ich Dich zum ersten Mal geschaut hab', daß ich Dir zu Lieb' durch's Feuer laufen könnt', das weiß ich auch schon seit geraumer Zeit,— aber daß ich zu Grund geh' ohne Dich und wieder ein braver, ordentlicher Mensch werde mit Dir, Rosel, das spür' ich doch erst so recht in diesem Augenblick! Ich weiß, Dein Bruder wird's nicht dulden wollen, der möcht' viel höher mit Dir hinaus, aber jetzt, wo Du mir einmal gesagt hast, daß Du mich gern hast, jetzt lasse ich nicht mehr von Dir, ich gebe Dich nicht mehr her und heirathe Dich dem Bruder, der Schwägerin und der ganzen Welt zum Trotz!“
(Schluß folgt.)
Lose Blätter.
König Wilhelm III. und die Daumenschrauben. Der Kaplan Carstairs war ein Liebling Wilhelm's III. von Großbritannien, und mit Recht schenkte der König ihm sein Vertrauen, hatte doch der Geistliche Proben seimer Treue gegeben. Unter Karl II. war er der Theilnahme an einer Ver⸗ schwörung angeklagt und gefoltert worden, ohne das Geringste zu gestehen, Als nun Wilhelm den Thron bestieg, machte. der Edinburgber Magistrat dem Kaplan mit den Daumenschrauben ein Geschenk, die man gegen ihn angewandt hatte. Der König hörte dies und wollte die Folterwerkzeuge sehen. Carstairs brachte sie herbei und erklärte, wie man sie gegen ihn gehandhabt habe.„Gut, versuchen wir sie,“ rief der König und legte seine Hand hinein:„Zieht die Schrauben an!“ Carstairs that dies mit großer
Vorsicht. Beim ersten Umwenden der Schrauben meinte Wilhelm:„Es preßt; aber es ist zu ertragen.“ Carstairs fuhr fort den Knebel leise zu wenden. Da stieß der König einen Schmerzensschrei aus. Sogleich drehte der Kaplan zurück und der Monarch betrachtete mit ernster Miene seine zusammengepreßt gewesenen Glieder.„Beim Himmel!“ rief er:„das ist kein Spiel. Wahrhaftig, ich hätte Alles bekannt, Wahres und Falsches, um nur der Höllenqual zu entgehen.“ W. G
Ludwig XIV. erschien im Jahre 1672 mit einer ansehnlichen Macht vor den Thoren Amsterdams, welches nicht den nöthigen Widerstand zu leisten im Stande war Bei der Bevölkerung herrschte die größte Be— stürzung und der Magistrat berathschlagte, was unter diesen Umständen zu thun sei. Man kam darin überein, dem Könige die Schlüssel der Stadt zu überreichen. In diesem Augenblicke bemerkte man, daß ein alter Bürger⸗ meister eingeschlafen war und seine Stimme noch nicht abgegeben hatte Man weckte ihn; er erkundigte sich nach dem Resultate der Berathung.—„Wir wollen“— hieß es—„dem Könige die Schlüssel der Stadt übergeben.“ „Hat er sie schon verlangt?“ fragte der ehrwürdlge Vater der Stadt.— „Noch nicht,“ war die Antwort.„Dann, meine Herren,“ erwiderte er, „wollen wir wenigstens so lange warten, bis er sie fordert.“— Dieser Einfall rettete die Republik, denn schon am nächsten Tage sah Ludwig sich, eingetretener Umstände wegen, veranlaßt, der Stadt den Rücken zu wenden.
M.
Das portugiesische Linienschiff. Dieses wunderbare Insekt, welches man das portugiesische Linienschiff(the portuguese man of even) nennt, ist eins der seltsamsten Phänomene, die das Naturreich darbietet. Doktor Tilesius, welcher Krusenstern auf seiner Erdumsegelung begleitete, hat darüber nähere Untersuchungen angestellt, deren Resultat wir mittheilen wollen. Dieses Thier, merkwürdig durch seine Schönheit und die Eigenthümlichkeit seiner Organisation, ist schon oft gezeichnet, beschrieben und verschiedenartig benannt worden. Eiaige Gelehrte gaben es für einen Polyp, andere für ein Schleim⸗ oder Pflanzenthier aus. Die Naturforscher, welche Linnees System befolgen, haben es Physilis genannt. Es ist bis 9 Zoll lang, man findet es nur unter gewissen Breitegraden, und es hat das Ansehen eines kleinen Schiffes. Seine Bewegungen sind nach den Winden verschieden; es erhebt oder neigt willkürlich seinen Hintertheil, ist dieser mit Luft angefüllt, so ist das Thier so leicht, daß es selbst auf Weingeist schwimmt. Jedoch ist es so organisirt, daß es in sich selbst den Ballast findet, dessen es bedarf; ist der Wind so stark, daß sein Dasein dadurch bedroht werden könnte, so versenlt es sich in des Meeres Tiefe und erscheint nicht eher auf der Oberfläche, bis sie wieder ruhig ist. Von der untern Seite seines Körpers gehen Röhren aus, die bis auf 20 Fuß reichen, und die so elastisch und zart sind, daß sie sich spiralförmig winden, und eine Art Schraube bilden, die zugleich als Anker, als offensive und defensive Waffen, als Luftröhren und als Fühlhörner dienen. Das Insekt selbst hat die Farbe des Regenbogens. Sein Kamm, der ihm als Segel dient, ist mit blauen und rothen Adern bedeckt, hat einen rosa⸗ farbenen Saum, und schwillt vom Luftzuge oder nach des Thieres Willkür an. In seinen Fibern hat es eine ätzende Materie, die den Schmerz einer Brennessel und die Bildung kleiner Blasen verursacht. Diese Materie ist so stark, daß man die Gefäße, in denen solche Thiere aufbewahrt werden, häufig auswaschen muß, bevor man sie in Gebrauch nehmen darf. Man kann dem Thiere diese Fibern abschneiden, ohne ihnen, so wie dem Ueber⸗ reste des Thieres das Leben zu rauben. Sie lösen sich oft von selbst ab, wenn sie gegen harte Gegenstände stoßen. Dieses Insekt hat in den kleinen Delphinen und in den Medusen gefährliche Feinde, gegen die sowohl seine nautische Wissenschaft, als auch sein Gift ohne Wirkung bleiben. M.
Ein ungebetener Gast und sein Herr. In der Umgegend von Boulogne sur mer wurde ein Landmann mit seiner Familie auf das Höchste erschreckt, als das Sonntagsgericht, ein Hammelbraten, aufgetragen wurde, die Thür aufging und sich ein Bär zeigte, der brummend auf den Tisch zuging. Alles floh, und Petz machte sich dabei, den Braten mit aller Seelenruhe zu ver⸗ speisen. Indessen bewehrt sich der Landmann, und auch die Nachbarn kommen mit Gewehren herbei. Da erscheint ein Engländer und verhindert den Tod des Bären, der ihm gehörte; Petz habe sich nur ohne Erlaubniß und Maul⸗ korb entfernt.„Gut,“ rufen nun die Bauern,„wir wollen das glauben, auch die Angst nicht anrechnen, ersuchen aber um Vergütigung des Hammel⸗ bratens.“—„Wie?“ versetzte Albion's Sohn,„ich Geld zahlen?! Habe ich den Braten bestellt?“— Man geht zum Maire. Dieser zuckt die Achseln und spricht vom Civilgericht.„Ach, was!“ ruft da ein Landmann,„ich kenne ein besseres Gericht; ich schieße jeden Räuber über den Haufen.“ Er legt auf den Bären an, und jetzt findet der Bärenbesitzer sich doch zur Zahlung verpflichtet. W. 6.
Der gefeierte Sänger Rubini hatte bei seinem Aufenthalte in London einen Marineoffizier durch ein Wortspiel verletzt, so daß dieser Satisfaktion forderte. Als der Kartellträger bei dem Maestro erschien, erklärte Rubini, er werde Alles thun, den Gegner völlig zufrieden zu stellen. Am folgenden Morgen war er auf dem Orke der Zusammenkunft.„Sie ziehen also Ihre Forderung zurück, wenn ich Sie befriedige?“—„Allerdings.“—„So hören Sie“— und Rubini begann die große Arie aus Rossini's Tell. Als er beendet, klatschten der Offizier und seine Zeugen.„Ich sehe, Sie sind zufrieden,“ bemerkte der große Sänger,„und kann nach Hause gehen. Good morning!“ W. G.
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