Ausgabe 
5.12.1886
 
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das lange, scharfe Messer des Fleischer-Vinz sein Leben endete. Solch ein Schlachttag ist ein Festtag im Hause und so schienen es auch Alle im weißen Roß aufzufassen, besonders aber die Rosel; sie sang und sprang bei der Arbeit, dabei flog ihr diese nur so von den Händen und ihre braunen Augen lachten, und ihre rothen Lippen plauderten unaufhörlich, ich aber möchte nicht entscheiden, ob es wirklich nur das Ableben ihres früheren Pfleglings war, was Rosels fröhliche Laune heute noch zu verdoppeln schien. Am Morgen, als sie aufstand und Alles für den wichtigen Akt des Tages zurichtete, da war es ihr ordentlich schwer auf's Herz gefallen, was sie am vergangenen Abende alles dem Fleischer⸗Vinz gesagt. Sie begriff ihre eigene Keckheit nicht mehr und schaute mit geheimen Bangen dem Augenblick entgegen, wo er wieder vor ihr stehen würde. Nun aber war der Vinz gekommen, hatte ihr die Hand geboten und ihr dabei so lieb und gut in die Augen geschaut; er lobte alle ihre Vorbereitungen und lachte so herzlich über jedes lustige Wort, das aus ihrem Munde kam, und die Rosel wurde immer vergnügter, immer übermüthiger, ihr war so leicht und froh zu Muthe, wie noch nie im Leben, meinte sie, sie wußte aber nicht, woher das kam.

Ihr habt da an dem Mädel einen Schatz im Hause, Pertes, sagte der Fleischer-Vinz und ließ die Hand mit dem großen Messer einen Augenblick ruhen, um der Rosel zuzuschauen, wie sie so flink und gewandt herumhantirte,aber, fügte er hinzu und es war, als ob eine Wolke über seine breite, offene Stirn hinflog,Ihr werdet sie nicht lange behalten.

Freilich werd' ich sie nicht behalten, schmunzelte der Wirth, die möcht' ein Jeder wollen und Anfragen habe ich wegen ihr, ich sage Euch, mehr wie genug, und darunter solche, wo man mit beiden Händen zugreifen sollt! Da sind gleich dem Lindenmichel und dem Brake ihre Buben und noch ein paar Andere, zu denen ich nichtnein sagen werde.

Ja ja, lachte der Fleischer-Vinz etwas gezwungen auf,ich glaub's schon, daß es ihrer Viele sind, aber Alle auf einmal kann sich das Mädel halt doch nicht nehmen und welcher wird's denn da auf die Letzt sein?

Das soll sich die Rosel selbst zurecht legen, entgegnete der Anton Pertes,dem Lindenmichel sein ältester Bub und dem Brake sein Fer'nand wären mir freilich am liebsten, wenn der Rosel aber ein Anderer besser gefällt

Seid ohne Sorge deshalb, unterbrach ihn der FleischerVinz, da wird's schon beim Fer'nand bleiben, hinter dem sind die Mädel ja alle her!

Der Auton zuckte mit den Achseln, ließ sich aber nicht weiter über diesen Punkt aus, da die Rosel wieder zu den beiden Männern trat.

Alles in der Welt nimmt einmal ein Ende, also auch der Schlachttag im Gasthaus zum weißen Roß, und als die Abend glocken läuteten, streifte der Fleischer-Vinz wieder die Hemdsärmel über die braunen, kräftigen Arme, trank auf einen Zug den Bitteren hinunter, den ihm der Wirth zum Abschiedstrunk gereicht und verließ mit einem freundlichen:Na, in Gottes Namen denn und schlaft's auch Alle gesund, das Haus..

Draußen vor der Thür aber blieb er noch einmal stehen, er schaute zum Himmel hinauf und fand, daß er sehr klar und hell aussähe und wohl neuer Frost zu erwarten stände, dann wickelte er seine Messer fester zusammen, gebrauchte mit vieler Umständlichkeit

sein Sacktuch, rief einen Mann an, der gerade vorüber kam und schaute schließlich gedankenvoll nach dem schwachen Lichtschimmer hin über, der aus dem Fenster seines Hauses drang. Und was die Rosel noch hinaus vor die Hausthür trieb, das wüßte ich nicht zu sagen; kurz und gut, auf einmal stand sie dort auf der Schwelle und wickelte ihre Arme in ihre blaue Schürze ein, denn es war kalt draußen.

Ihr seid noch da, Vinz? fragte sie erstaunt.

Ja, ja, entgegnete der Vinz,der Dittmer ist grad vorbei gegangen und da hab ich ein Wort mit ihm gesprochen.

Die Rosel schaute nach beiden Seiten die Straße hinunter, die der Mond hell beschien, sie war aber ganz leer, der Dittmer mußte wohl schon um die Ecke herum sein.

Mach', daß Du reinkommst, Mädel, sagte der Fleischer⸗Vinz, es ist kalt draußen; ich muß noch zum Bruder hinunter und mit

Hände unter der Schürze hervor und faltete sie wie zum Gebet.

ihm wegen der Kuh sprechen, die ich ihm morgen vom Petrowitzer Markt bringen soll. N Freilich ist es kalt, nickte die Rosel und blieb ruhig vor der Hausthür stehen, grade so, wie es auch der Vincenz machte, der den wichtigen Gang zum Bruder hatte! Höre, Rosel, begann der Fleischer-Vinz nach einer kleinen Pause und trat einen Schritt näher an das Mädchen heran,Du hast mir gestern gehörig die Wahrheit gesagt und ich hab die ganze Nacht daran denken müssen. J Die Rosel schaute mit etwas scheuem Blick in das Gesicht des vor ihm stehenden Mannes.Ja, ja, sagte sie,ich hab nachher, wie's gesagt war, noch Angst bekommen, daß Ihr mir meine dreisten Reden am Ende doch hättet verübeln können. 5 O nein, entgegnete der Fleischer-Vinz,davon ist gar keine Red', viel eher möcht' ich Dir danken für das, was Du mir gesagt hast! Schau Rosel, fuhr er mit unterdrückter Stimme fort, ich hab' sagen hören, das rechte Wort zur rechten Zeit, das thut oft Wunder, und ich meine fast, gestern Abend, da hast Du auch so ein rechtes Wort zur rechten Zeit gesprochen und vielleicht, vielleicht Rosel, thut's noch das Wunder, daß ich wieder ein anderer, besserer Mensch werde. Vincenz, sprecht Ihr im Ernst? fragte das Mädchen mit stockender Stimme und ihre Augen leuchteten hell auf. Der Fleischer-Vinz nickte mit dem Kopf.Thät's Dich denn freuen, Rosel? 1 O so sehr, so sehr! das Mädchen zog trotz der Kälte die

Schaut, Vinz, mir wär's dann fast, als ob mir ein großes Glück widerfahren möcht! Ich weiß noch gut, wie der Herr Pfarrer in einer von seinen Predigten gesagt hat, daß der Mensch, der doch ein Ebenbild Gottes ist, sich durch den Trunk bis zum Vieh herab⸗ würdigen thät; mir ist das damals grad' in's Herz gegangen und ich hab' zu Euch hinüberschauen müssen und hab' bei mir gedacht, daß es daß es manch' Einen gäb', um den es noch mehr schade ist, wie um die Anderen, wenn er sich so zu einem Stück Vieh macht. Aber was schwätz' ich da zusammen, unterbrach sie sich selbst,Ihr braucht nicht darauf zu hören, Vincenz. b O ja, ich hör' schon drauf, sagte der Vinz und dann schwiegen sie Beide eine Weile still.Schau, Rosel, begann der Fleischer-Vinz endlich wieder,ich hätt's gern, daß Du zu mir Du sagst, wie ich zu Dir, ich hab' mir das schon manches Mal gedacht, oder komm' ich Dir zu alt dazu vor? setzte er hinzu, als die Rosel statt aller Antwort nur mit dem Kopfe schüttelte. Nein, nein, sagte die Rosel,von Altsein da ist bei Euch noch keine Red', aber es möcht sich halt doch nicht schicken; Ihr seid ein Wittwer und ich nur noch ein lediges Mädel und kennen thun wir uns auch nicht gar so lang'. 1 Ja, entgegnete der Fleischer-Vinz nachdenklich,es ist schon wahr, Du bist noch ein lediges Mädel, aber sag' mir, Rosel, wie lang' wird's noch damit dauern? 1 Mit was denn? Nun, mit Deinem Ledigsein. Die Rosel zuckte mit den Achseln. darauf, Vincenz? fragte sie. Nu, nu, ich frag' halt so und man hört doch allerlei! 3 Was habt Ihr gehört? fuhr die Rosel heftig auf,und von wem habt Ihr's gehört, Vincenz? 3 Daß es mit Dir und dem Brake-Fer'nand etwas werden soll das ist's, was ich gehört hab, sagte der Fleischer-Vinz,und von wem? Nun, der Fer'nand rühmt sich ja selbst damit und heute erst hat Dein Bruder mir gesagt, daß er ihm schon recht wär und er sich keinen Abschlag bei ihm holen möcht'. 1 Der Fer'nand ist ein Narr, entgegnete die Rosel zornig, und nur die Unsicherheit des Mondeslichtes verhinderte den Vincenz die dunkle Gluth zu sehen, die in die Wangen des Mädchens gestiegen war,und mein Bruder, der sollt's mir auch nicht anthun, so zu Euch zu reden, er weiß gut, daß ich vom Fer nand nichts wiff will und daß in alle Ewigkeit nichts aus der Geschichte wird. Rosel, ist das wahr? fragte der Fleischer-Vinz hastig, fast athemlos und trat dicht an das Mädchen heran, um ihm fest i die Augen zu schauen.Und wenn auch, setzte er dann si besinnend hinzu,ist's nicht der Fer'nand, so ist's halt ein Anderer, vielleicht der Johann vom Lindemichel oder dem Nachbar sein Lois! 3

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