Ausgabe 
5.9.1886
 
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Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.

Ur. 36.

Gießen, den 5. September.

Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. (Fortsetzung.)

XII.

Am nächsten Vormittag wollte Heddenheim zu so früher Stunde, als es ihm irgend schicklich dünkte, nach Ornshagen hinausfahren und dann Frau von Hartwitz offen den ganzen Sachverhalt darlegen. Doch schon, während er noch bei seinem Morgenkaffee saß, brachte ihm der Diener einen Brief, der mit einem Boten aus Ornshagen gekommen war; man begann dort früh den Tag, das wußte er. Er fühlte, während er die Hand danach ausstreckte, alles Blut zum Herzen dringen; hatte Martina ihm geschrieben, den ersten süßen Liebesgruß, war es möglich!? doch ein Blick auf den Brief stimmte seine Gefühle herab: es war die männlich feste und große Schrift von Frau von Hartwitz. Er enthielt nur wenige Zeilen.

Ich habe Sie in wichtiger Sache zu sprechen, und werde Sie deshalb heute um 10 Uhr in Ihrer Wohnung aufsuchen. Ich bin pünktlich und bitte, daß Sie mich erwarten. Katharine v. Hartwitz.

So kurz die Mittheilung gefaßt war, so wenig sie verrieth, so konnte sich doch Heddenheim einer gewissen Aufregung nicht erwehren, er fühlte sich niedergeschlagen, verstimmt und erwartungsvoll. Was konnte sie von ihm wollen? Wenn es Martina und seiner Werbung galt, so hätte sie jedenfalls sein Kommen erwartet; es mußte sich um irgend eine Geschäftssache handeln, die ihm wahrscheinlich ganz gleichgiltig war, versuchte er sich zu beruhigen. das, so war ihm doch heute ihr Kommen unangenehm, es durch kreuzte seine Absichten und Wünsche; sollte er hier, in seinem Hause, um Martina's Hand werben, es war kaum möglich, und doch, er konnte nicht schweigen, er fühlte sich kaum in der Stimmung, irgend welche trockene Geldangelegenheit, oder etwas dergleichen, aufmerksam mit ihr zu verhandeln.

Er ging unruhig in dem Zimmer auf und ab, wartend und aufgeregt. Da ertönte drüben von dem Rathhausthurm das Glocken spiel, das die zehnte Stunde verkündete. Die kurze Melodie war noch nicht zu Ende, als er einen Wagen vor der Thür halten hörte, er trat an's Fenster: es war Frau von Hartwitz. Wenige Minuten später öffnete der Diener die Thür und sie trat ein.

Seien Sie willkommen, gnädige Frau, begrüßte er sie.

Sie neigte den Kopf, entledigte sich rasch des altmodischen Shawltuches und großen Hutes und ging dann ohne Weiteres auf das Sopha zu.

Er nahm ihr gegenüber Platz, das Blut klopfte ihm in den Schläfen, und er sagte mit einer nicht ganz natürlichen Ruhe: So sehr mich zu jeder anderen Zeit Ihr Besuch geehrt und er freut hätte, gnädige Frau, heute bedaure ich, daß Sie mir zuvor⸗ gekommen, es war meine Absicht, eben in dieser Stunde zu Ihnen hinauszukommen.

Ich erwartete das, und eben deshalb kam ich zu Ihnen,

Wenn auch nur

lautete die Antwort.Martina theilte mir gestern mit, daß sie mit Ihnen an der See zusammengetroffen sei; sagte sie mir auch nichts weiter, so gehörte eben nicht viel Divinationsgabe dazu, um aus ihren strahlenden Zügen zu errathen, daß es leider zu irgend welchen Erklärungen zwischen ihr und Ihnen gekommen war. Sie sprach auch davon, daß Sie heute nach Ornshagen kommen wollten, und deshalb kam ich her.

Gestatten Sie mir, Sie zu unterbrechen, gnädige Frau, ent gegnete Heddenheim, der bis in die Lippen erbleicht war.Aller⸗ dings hat mir gestern das unerwartete Wiedersehen Fräulein Martina's das Geheimniß meiner Liebe entrissen, das strenge zu hüten, mein fester Wille war. Deshalb war es meine Absicht, Sie heute aufzusuchen, und, bevor ich das Glück meines Lebens in Fräulein Martina's Hand von Ihnen erbäte, Ihnen eine Mittheilung zu machen, die

Frau von Hartwitz machte eine abwehrende Handbewegung. Lassen Sie mich zu Ende reden. Es war mein fester Wille, daß kein Mann um Martina werben sollte, deshalb habe ich sie von Allem fern gehalten, was man so Freuden der Welt zu nennen pflegt, und habe ihr durch eine Reise, durch Kunst- und Natur- genüsse Ersatz dafür zu geben gesucht. Es war das nicht eine Schrulle, wie Sie vielleicht mit den Leuten, die leichthin über das, was sie nicht verstehen, abzuurtheilen lieben, gemeint haben, sondern eine wohlüberlegte Sache. Deshalb war mir auch Ihr Besuch in meinem Hause nicht recht, doch Sie waren nun einmal gekommen, Martina fand ersichtlich Gefallen an dem Umgang mit Ihnen, und so mochte ich durch ein energisches Verhindern nicht dasselbe noch verstärken, oder eine Erklärung herbeiführen, die ich nur im Noth falle geben mochte. Ich wollte die Augen offen behalten und meinte, mir würde der richtige Moment, wenn er eintreffen sollte, nicht entgehen. Da hatte ich mich nun einmal geirrt, wir alten Leute verstehen uns nicht mehr auf jugendliche Herzen, ich bildete mir so lange ein, daß Sie sich nur gut miteinander unterhielten, bis das Unglück geschehen war. Ich begriff das erst vor drei Wochen, als Ihre Besuche aufhörten. Martina's blasse Wangen und ihre plötzlich verlorene Heiterkeit belehrten mich über meine Blindheit. Das war nun nicht mehr zu ändern, so war mir wenigstens Ihr Fortbleiben recht, ich fragte nicht nach dem Grunde desselben der war mir gleichgiltig, die Sache hatte ein Ende, und ich konnte darauf rechnen, daß Martina's gesunde Natur den Schmerz über winden würde. So schien mir Alles in Ordnung. Da müssen Sie gestern den unglücklichen Gedanken haben, denselben Weg ein zuschlagen wie mein armes Kind, und damit alle meine Hoffnung zu Schanden machen. Wie gesagt: Martina's Aussehen und Stimmung erklärten so deutlich, als ob sie es mir gesagt hätte, was