Ausgabe 
3.1.1886
 
Einzelbild herunterladen

.

N

7

ee,

Ernst sinnend verließ ich die Wohnung des alten Blumenmachers. Ja, er war glücklich, seine Arbeit stimmte mit seinem ganzen Wesen überein. Mir fiel Goethe's Spruch ein:

Wem wohl das Glück die schönste Palme beut? Wer freudig thut, sich des Gethanen freut.

Ja, mein lieber Alter verstand die Kunst, sich glücklich zu fühlen; denn er hatte die Kunst gelernt, sich zu bescheiden. Ach, wie viele Menschen verstehen denn diese Kunst des Sichbescheidens? Sie muß doch für das heutige Geschlecht recht schwer zu erlangen sein, da

es jetzt so wenige wirklich glückliche Menschen giebt.

Ich blieb fortan mit dem Alten in regem, freundschaftlichem Verkehr. Besonders ging ich zu ihm an Tagen, wo der Lauf der Geschäfte mich mißmuthig und verdrießlich gestimmt hatte. Dann brauchte ich nur in sein lächelndes, zufriedenes Gesicht zu schauen, um mich wieder frei und wohl zu fühlen. Diese bescheidene, fast ärmliche Wohnung ließ mich beinahe an ein neu erstandenes Märchen land glauben: hier weilte Ruhe, Friede, Glück, während rings umher in dem Treiben der Großstadt die Menschen in leidenschaftlicher Hast und sorgenden Mühen einem Glücke nachjagten, das sie auf solchem Wege gewiß nimmer finden konnten.

Die Jahre vergingen. Flora wuchs zu einer stattlichen Jung frau heran. Sie scheint die glückliche Unglücksfolge ihres Vaters geerbt zu haben. An einem Wintertage glitt sie auf der Eisbahn aus, verletzte sich unbedeutend am Fuß, machte jedoch dadurch die Be kanntschaft eines jungen Mannes, der sie später als seine Gattin heimführte..

Mein lieber Alter lebte nun die letzten Jahre seines Lebens bei seinem Schwiegersohn, mit welchem er sich vortrefflich stand, aufs neue beglückt durch das Glück seiner Kinder und Enkel. Als er einst vom Schlage getroffen wurde, sagte er mit bedeutungsvollem Lächeln zu seiner Tochter:Wenn ich so auf einmal aus der Welt ginge, wäre es gewiß ein Glück für mich und Euch.

Und das Schicksal blieb ihm getreu, auch dies Glück sollte ihm zu Theil werden, er starb plötzlich schnell und sanft. Die Liebe und Verehrung seiner Angehörigen wie Aller, die ihn im Leben ge kannt hatten, folgte ihm nach. Ich geleitete unter stillen Be trachtungen, wie wenig doch unter Umständen zu einem rechten Leben gehört, den Sarg des Mannes, der sich selbst immer einen Glückspilz zu nennen pflegte.

Lose slätter.

Ein Wintervergnügen Jung⸗Amerikas.(Siehe Illustration.) Der Stoßschlitten hat sich sehr rasch in den Nordstaaten Amerikas eingebürgert und dem Auscheine nach ist dies der deutschen Einwanderung zu danken. In Deutschland ist der kleine Schlitten, welchen Knaben am Leitseil nach⸗ zuschleppen oder über den Rücken zu hängen vermögen, am häufigsten in Gebirgsgegenden zu finden. Hier bereitet der Stoßschlitten den Knaben ein Wintervergnügen, mit dem sich kaum ein anderes messen kann. Auf dem kleinen Sitzbrett von der Höhe eines Berges über die beschneite Bahn da⸗ hinzufliegen, daß der kalte Wind unsere Backen umsaust und der Schnee vor den Schlittenkufen aufwirbelt gewährt eine wonnige Empfindung. Der Schlitten bewegt sich in dem Maße rascher zu Thal als die Senkung der Schneefläche stärker wird. Oftmals ist die Bewegung eine so rapide, daß der kleine Schlittenlenker mit den Stiefelabsätzen das kleine Fahrzeug nicht mehr zu regieren vermag. Dann überschlägt sich der Schlitten und seine Passagiere rollen in den Schnee. Aber was will ein solcher Umsturz sagen gegenüber der köstlichen Bewegung auf beschneiter Bahn! In Deutsch⸗ land fahren oft drei Knaben auf einem kurzen Stoßschlitten, der nur einen Sitzplatz hat. Der stärkste und kühnste Knabe nimmt dann die beiden Mit⸗ fahrenden auf den Schoß und muß all seine Kraft und Kühnheit aufbieten, um bei Schnellfahrten die Balance zu halten und Hindernissen auszuweichen.

In Amerika sind längere Stoßschlitten im Gebrauch, auf denen sich eine

ganze Kinder⸗Kolonie niederläßt. Der gewandteste Knabe regiert dies Fahr⸗ zeug mit Hülfe eines kleinen Steuers. Am häufigsten begegnet man den kleinen Schlittenfahrern in den Straßen von solchen amerikanischen Städten, die eine starke deutsche Bevölkerung besitzen, wie Milwaukee, Detroit und Buffalo. In Milwaukee hört man auf der Schlittenbahn weit mehr deutsche Laute als englische und wenn die Schlitten die breiten Avenuen herabfliegen, schreien die kleinen Lenker:Platz da, der Schlitte kummt! R. E.

Der Tabaksladen à la mode. In der Nähe des Palais roxal zu Paris befand sich bis zu den letzten Zeiten der Haußmann⸗Periode ein Tabaksladen, der weithin berühmt war, und dessen Casanova in seinen Memoiren gedenkt.

0 Dieser geistvolle Abenteurer war über die vielen Kunden des Geschäfts er

staunt und fragte seinen Begleiter nach der Ursache.Die Leute, lautete

die Antwort,kaufen sich Tabak.Ist dies der einzige Tabaksladen in Paris? fragte Casanova weiter.Gokt behüte, man verkauft an tausend

Stellen Tabak.Dann ist derselbe besser als wo anders.Auch das nicht. Die Herzogin von Chartres ist Schuld daran.Wie das? Als sie vom Palais royal spazieren fuhr, hat sie ihren Wagen vielleicht dreimal vor dem Laden halten und dort ihre Dose fülleu lassen, während sie laut behauptete, hier sei der beste Tabak zu haben.Und man glaubte ihr?Sie sehen es. Die Händlerin verkäuft durchschnittlich während des Tages für hundert Thaler.Die Herzogin hat wahrscheinlich keine Ahnung von dem Glücke, dessen Ursache sie ist.Im Gegentheil, sie hat mit Bewußtsein gehandelt und einen sinnreichen Gedanken zur Aus⸗ führung gebracht. Die Händlerin hatte sich eben verheirathet, die Herzogin fand Wohlgefallen an dem jungen Paare, doch sollte ihr gutes Werk nicht als eine Wohlthat erscheinen. Ist das Mittel, das sie erdachte und anwandte, nicht köstlich? Casanova stimmte dem bei Der Tabaksladen blieb übrigens 110 Jahre in Mode, dann mußte er nach der andern Seite der Straße verlegt werden, da das Haus, in dem er sich sonst befand, den Verschönerungs arbeiten zum Opfer fiel. W. G.

Die Schnupftücher stammen aus Italien und waren schon zur Zeit der Hohenstaufen in Gebrauch; denn Friedrich der Zweite befahl seinem Inten⸗ danten in Sicilien, den Mägden und Kindern zwei Fazzoli aus Linnen zu geben, also leinene Taschentücher. Bis zum sechszehnten Jahrhundert hielt sich in Deutschland die Bezeichnung Fatzelu, Fatzenlein, ja in einigen Gegenden Oberbayerns und Oestreichs hat sich dieselbe erhalten. Daß der Gebrauch der Schnupftücher nicht allgemein war, beweist Erasmus von Rotterdam: Auleitung zur Wohlanständigkeit. Dieselbe ist in Fragen getheilt und die zehnte lautet:Wie soll die Nase mit ihrem Zubehör gehalten werden?Reinlich, nie wie ein unsauber geschirr. Elfte Frage: Ist es auch höflich, mit dem parret oder schauben die Nasen zu schneuzen! Antwort:Nein; denn solches gehört sich zu thun mit einem Facettlein. So aber leute vorhanden, soll sich der knabe fein umkehren. Im sechszehnten Jahrhundert kommt das Wort Schnaubtuch auf, aus dem sich Schnupftuch entwickelte. W. G.

Graf Seckendorf. Den ansbachischen Minister, früher kaiserlich öst⸗ reichischen General und Reichshofrath Grafen von Seckendorf ließ Friedrich II. in der Mitte des siebenjährigen Krieges plötzlich zu Meuselwitz bei Alten⸗ burg durch streifende Husaren aufheben und nach Magdeburg bringen. Man hat diese That als den Ausdruck des Hasses angesehen, den der König gegen den früheren östreichischen Gesandten am Hofe von Berlin von seiner Jugend her empfand. Diese Annahme ist jedoch nicht richtig, vielmehr hatte Friedrich vernommen, daß die alte Excellenz hinter seinem Rücken und in einer sicheren Sellung konspirirte In der That ließen Seckendorf's Schriften es mehr als gewiß erscheinen, daß er den Oestreichern Winke und Rath⸗ schläge gegeben hatte, um sich des Königs Person zu bemächtigen. Es kostete den Grafen zehntausend Thaler, um Magdeburg wieder verlassen 1

Auflösungen der Räthsel.

Auflösung des Silben-Räthsels in voriger Nummer: l. Nollendorf. 2. Isel. 3. Centifolie. 4. Holtei 5. Tunis. 6. Griseldis. 7. Elemi.

8. Neuenburg. 9. Iduna 10. Rellstab. 11. Echo. 12. Nashorn. 13. Italien. 14. Medici. 15. Marmor. 16. Eingeweide. 17. Rubin. Nicht geniren, immer fleißig abonniren; der dreisilbigen Charade:

Augenblick; des Räthsels: die Waage; des Sprichwörter-Räthsels: Eude gut, Alles gut; des Rösselsprungs: n Das Jahr, mit jetzt noch dunklem Haupte, Entsendet wie der Tag zum Thal Zur Hoffnung, die der Sturm entlaubte, Der Sonne frühlingsmilden Strahl, Und reicht der Blick, wie kühn er suche, Nicht bis zum nächsten Meilenstein Wir grüßen mit geschwung'nem Tuche: Nur frisch hinein! des Kreuzräthsels:

PU S 0 R B N O N KT PIP STR UR ATS I LIE N II A N I L EA 1 UA N 7 I. FAN A H A I R A