Ausgabe 
31.7.1847
 
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Sache, und bei ausharrendem Feſthalten der Vereinsmitglie⸗ der, eine Zukunft und größere nützliche Wirkſamkeit auch in unſerem Lande gewiß beſchieden ſein müſſe. Sofort üͤbergehend auf die bisherige Thätigkeit und Wirkſamkeit des Vereins, nahm der Präſident zunächſt Bezug auf die bereits im Drucke erſchienenen beiden erſten Hefte der Ver⸗ einsſchrift, welche außer dem geſchichtlichen Ueberblick der Entſtehung und der Veranlaſſung des Vereines, die ſchönen Statuten, ſowie die mit Umſicht verfaßte, von der höchſten Staatsbehörde nun genehmigte Geſchäftsordnung enthält, die nicht nur Grenze und Umfang der Geſchäftsthätigkeit des Vereins näher bezeichnet, ſondern auch die Art und Weiſe der Thätigkeit der durch das ganze Land vertheilten Vor ſtandsmitglieder näher regelt, und in den mitgetheilten Pro⸗ tocollen und Verhandlungen das Bild einer beginnenden wohlgeordneten Thätigkeit unverkennbar zeigt. Auch die Gegenſtände, welche der Centralverein in ſeinen Monats ſitzungen bisher verhandelte, zeugen von Umſicht und tiefe rem Eingehen in die Bedürfniſſe des Volkes, indem er nicht allein der Noth des Landes und den Mitteln der Abhüuͤlfe ſeine frühe und ernſte Aufmerkſamkeit gewidmet hat und hierbei nichts weniger als unthätig blieb, wenn gleich ſein wohlthätiges Wirken vorerſt nur mehr rathgebend und an⸗ regend durch ſeine in dem ganzen Lande vertheilten Vor⸗ ſtands- und Vereins-Mitglieder ſeyn konnte, ſondern auch ſonſt durch ſeine äußerſt gründliche Erörterung des Bedürf⸗ niſſes der Rettungsanſtalten für ſittlich verwahrloſte Kinder und der Kleinkinder-Bewahranſtalten auf dem Lande, ſowie die nun an der Tagesordnung ſtehenden Arbeits- und In⸗ duſtrieſchulen für die Volksjugend wohl zeigt, daß es ihm klar iſt, wo die helfende Hand zuerſt angelegt werden muß, wenn es mit unſeren unteren Volksſtänden leiblich wie geiſtig wirklich beſſer werden ſoll. Als nähere Mittel der weiteren Förderung und nächſten Beſtrebung des Ver eines wurden ſofort namentlich zwei Gegenſtände bezeichnet und einſtimmig anerkannt: 1) die nunmehrige Bildung der Kreis- und Bezirks-Vereine, welche die höchſte Staatsregierung nicht allein genehmigt, ſondern auch hier⸗ bei die Betheiligung der Gemeinden als nützlich und för⸗ dernd anerkannt hat, und welche nach F. 19 bis 21 der Geſchäftsordnung vorzugsweiſe beſtimmt ſind, die Zwecke des Vereins in den einzelnen Kreiſen und Landrathsbezir⸗ ken uberhaupt zu fördern; namentlich aber den Centralver⸗ ein mit den in den einzelnen Gegenden und Gemeinden be ſtehenden Orts-Wohlthatigkeits⸗Anſtalten, ſo wie mit dem Bedürfniß der Gegenden näher bekannt zu machen, wo ſolche Anſtalten noch nicht beſtehen, und gleichzeitig die Urſachen und Quellen der Armuth, ſowie die Mittel und Wege der Abhülfe näher zu eeforſchen und aufzuſuchen; zu welchem Ende die Verſammlung beſchloſſen hat: durch Ausſchreiben an die Vorſtandsmitglieder, ſowie die HH. Kreis⸗ und Landräthe dazu aufzufordern und darum zu erſuchen. 2) Die nähere Bethätigung der Herren Volksſchul⸗ lehrer bei den Beſtrebungen des Vereins, von denen viele, ungeachtet ihrer oft nur geringen Dotirung, im Allgemei nen ſich ſchon dem Vereine angeſchloſſen haben; indem man einſtimmig von der Anſicht ausging, daß gerade die von dem Vereine zunächſt ins Auge gefaßten und in Ausſicht genommenen Beſtrebungen für die Volksjugend in den Ar⸗ beitsanſtalten ꝛc. ohne ernſtliche Mitwirkung und thaͤtige Unterſtützung von Seiten der Hrn. Volksſchullehrer nur ſchwer und unvollkommen zu verwirklichen ſeyn würden; weßhalb beſchloſſen wurde: an die hohe Staatsregierung das Erſuchen zu richten, daß denjenigen Volksſchullehrern, welche den Verein in ſeinen Beſtrebungen für die Volks⸗ jugend thätig unterſtützen und die Ueberwachung derſelben in den Arbeitsanſtalten ꝛc. übernehmen würden, aus Ge⸗

meindemitteln eine angemeſſene Entſchadigung bewilligt; im Falle aber die Gemeinde ſelbſt zu ſolcher Entſchädigung außer Stand ſeyn ſollte, dieſelbe aus Staatsmitteln gnä⸗ digſt verwilligt werden möge. Ueberdieß wurde die Er⸗ ſatzwahl des durchs Loos ausgetretenen ½ des Vorſtandes, ſowie eines inzwiſchen verſtorbenen Vorſtandsmitgliedes S 9 vorgenommen; und die ausgetretenen Mitglieder, in ſo weit ſie nicht durch amtliche Berufe gehindert waren, an den Vorſtandsſitzungen Antheil zu nehmen, größtentheils wieder gewählt oder durch die bisherigen Stellvertreter er⸗ ſetzt, welche letztere berufen ſind, die Vorſtandsmitglieder überhaupt ſo oft zu vertreten, als dieſelben am Beſuche der Vorſtandsſitzungen ſelbſt verhindert ſind. Indem wir uns vorerſt auf dieſe kurze Skizze der beginnenden Thätigkeit des Vereins beſchränken und auf die raſch vorwärts ſchrei⸗ tende Vereinsſchrift ſelbſt verweiſen, behalten wir uns vor, auf die weitere Wirkſamkeit des Vereins von Zeit zu Zeit zurückzukommen, ſowie die wichtigeren Gegenſtände der Monatsſitzungen und ſo auch den Inhalt der weiter erſchei⸗ nenden Hefte der Vereinsſchrift näher anzuzeigen. Wie wohlthätig könnte dieſer, jetzt erſt 300 Mitglieder zählende Verein werden, wenn ihm die Theilnahme der wohlwollen⸗ den und gemeinſinnigen Bewohner unſeres Landes noch im⸗ mer mehr zu Theil würde, und er ſich einer gleichen oder ähnlichen Nachhülfe und Unterſtützung des Staates zu er⸗ freuen hätte, wie der landwirthſchaftliche und Gewerbverein, denen er an Nützlichkeit und Zeitgemäßheit gewiß nicht nach⸗ ſteht; wahrend bis jetzt noch die Mittel des Vereins auf die mäßigen Beiträge der Vereinsmitglieder, wozu ſchon ein Beitrag von jährlich 30 Kreuzer berechtigt, ſowie eine mäßige Unterſtützung der hohen Staatsregierung von 300 fl. beſchränkt ſind.(Gr. Heſſ. Ztg.)

Concert.

Herr F. Hentzſchell aus Dresden, Zögling des dor⸗ tigen Blindeninſtitutes, beabſichtigt Montag den 2. Auguſt, Abends, im Trappiſchen Saale dahier unter Mit⸗ wirkung mehrerer Dilettanten ein Concert zu geben. Er⸗ regt ſchon ſein trüͤbes Schickſal unſere Theilnahme, ſo ſtei⸗ gert ſich dieſelbe, wenn man die vielen guten Empfehlungen der competenteſten Kunſtrichter ließt, welche alle beſagen, daß Herr Hentzſchell die Clarinette mit Virtuoſität ſpielt. Man ſieht einem zahlreichen Beſuch dieſes Concerts mit Zuverſicht entgegen. Billets, à 24 kr., ſind in dem Gaſthauſe zu den drei Schwerdtern und in der C. Bin der⸗ nagel'ſchen Buchhandlung zu haben. An der Kaſſe, welche um 6 Uhr geöffnet wird, koſtet das Billet 30 kr.

Markt Bericht. Friedberg, am 28. Juli 1847.

Aufgefahren Verkauft g

Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe

(Mltr.)(ltr.) un Waizen 484 327 16 50 ee,. ge Hafer g 112 25 6 31 Vorſchuß 13 13 18 46 Waizenmehl 18 Roggenmehl. 16 Kefer wu Erbſen 255 2 9

NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170, Vorſchuß 144, Hafer 120 und Erbſen 200 Pfund gerechnet.