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von 7 bis 11 Uhr, ſich einfinden und dem dienſtthuenden Landgerichtsdiener den Zweck ihres Erſcheinens anzeigen. Dringende Fälle ſind ausgenommen.
Das Contractenweſen wird wie bisher am Freitage erledigt werden.
Zur Nach a h meg; 8 Je mehr ſich Viele der jetzt lebenden Menſchen daran gewöhnt haben, ihr ganzes Streben auf das Aeußere, auf den Erwerb von Geld und Gut u. ſ. f. zu richten, um ſo wohlthuender iſt es, auch auf Andere zu treffen, die ihr ganzes Leben einſetzen, um bei denen, die ſie umgeben, den Sinn für das Höhere, für geiſtigen und ſittlichen Fort— ſchritt hervorzurufen, zu erhalten und zu ſtärken; je häu— ſiger es iſt, daß man Menſchen begegnet, die in den Sor— gen dieſer Welt unterzugehen drohen, um ſo freudiger muß man die begrüßen, die trotz jener Sorgen auch der Ausbildung ihres inwendigen Menſchen gerne gedenken und dieſelbe in guten Werken zu beweiſen ſich beſtreben, und wenn man die betreffenden Wahrnehmungen und Beobach- tungen nicht blos bei einem Einzelnen, ſondern bei einer ganzen Geſammtheit, bei einer ganzen Gemeinde macht, ſo muß das natürlicherweiſe ihren Werth und ihre Wich— tigkeit noch vielmal erhöhen. g Will ich nun zwar nach dem Geſagten keiner Ge— meinde der Kreiſe, in welchen unſer Intelligenzblatt ver— breitet iſt, zu nahe treten, ſo habe ich doch noch von keiner Dorfgemeinde gehört, in welcher ſich in der letzteren Zeit nach verſchiedenen Richtungen hin ein regeres geiſtiges Streben gezeigt hätte, als in Södel, dem ich eben da⸗ rum auch vor ſeinen Namen einen Stern gemacht habe. Ob ich damit recht gethan, möͤge der Leſer ſelbſt entſcheiden, wenn ich ihm mittheile, was ich zwar zufällig nur gehört habe, was ich aber glaube veröffentlichen zu müſſen, weil von Seiten der beſcheidenen Männer, die an der Spitze der fraglichen Einrichtungen in Söodel ſtehen, eine oͤffentliche Mittheilung nicht zu erwarten ſtand, dieſelbe aber doch aus dem in der Ueberſchrift angegebenen Grunde ſehr zu wünſchen war. Abgeſehen davon, was den Leſern d. Bl. ſchon bekannt iſt, daß die Guſtav⸗Adolf⸗Stiftung in* Södel 106 Mitglieder zählt, die jährlich einen Beitrag von mehr als 10 Gulden entrichten, ſo blüht daſelbſt ſchon ſeit mehreren Jahren unter der Leitung des Herrn Schulvikars Loos ein aus 60 Mitgliedern beſtehender Sing verein, der, wie mich ſchon mehrere Sachverſtändige verſichert haben, ſehr Erfreuliches leiſtet und ſchon bei manchen Gelegenheiten ebenſowohl zur Erweckung andächtiger Gefühle, als zur Vermehrung geſelligen Vergnügens beigetragen hat. Zu dieſem Verein iſt ſeit Kurzem ein neuer, ein Leſeverein, hinzugekommen, der gewiß nicht verfehlen wird, das Sei— nige zur Förderung des Bürgerſtandes in allem Guten beizutragen. Auch iſt in Södel ſeit dem Anfange dieſes Jahres, hauptſächlich durch die eifrigen und unermüdlichen Bemühungen des dortigen würdigen Geiſtlichen, das Wohl ſeiner Gemeinde zu ſchaffen, ein Schiedsgericht, das
erſte im Kreiſe Friedberg, in's Leben getreten und alle Ortsbürger mit zwei oder drei Ausnahmen, haben ſich dem Spruche deſſelben unterworfen. Es wäre ſehr inter— eſſant, wenn Herr Pfarrer Breidenſtein die Statuten dieſes Schiedsgerichts, die, ſoviel ich weiß, bei dem Ver— leger d. Bl. gedruckt worden ſind, auch in dieſem Blatte mittheilen wollte.“).— Ueber all dieſem haben aber die Södler die Noth nicht überſehen, in welcher ſich ein großer Theil ihrer Mitbürger gerade in dieſem Jahre befindet und Bürgermeiſter und Gemeinderath haben Einrich— tungen getroffen, daß den Orts armen jeder Leib Brod 6 Kreuzer wohlfeiler, als die Taxe iſt, verabreicht werden
kann. Dieſe Unterſtützung hört auf, wenn Einer Schenken
beſucht, trinkt und ſpielt, ſchließt aber keineswegs beſondere monatliche Unterſtützungen aus, welche den Armen, je nach ihrem Bedürfniſſe, verabreicht werden.
Hat nun» Södel den Stern verdient? Gewiß! Und jede Gemeinde ſoll ihn haben, die uns Veranlaſſung gibt, Aehnliches von ihr zu berichten, wie wir es jetzt von
*Södel berichtet haben. Ehre den Männern, unter deren
Leitung alle jene Einrichtungen hervorgerufen worden ſind! Ehre der Gemeinde, die dem wohlgemeinten Rathe ihrer geiſtlichen und weltlichen Vorgeſetzten ein offenes Ohr ge— liehen hat und willig gefolgt iſt!— Ach, daß doch ſolches Beiſpiel recht bald eine zahlreiche Nachahmung fände!“*)—
4) Es ſind dieſelben, welche das Schiedsgericht in Wetterfeld ſchon vor fünf Jahren zu Grunde gelegt hat und welche in Nr. 85 des Int. Bl. von 1845 abgedruckt ſind.
Die Redaktion.
n) Wir beabſichtigen eine Zuſammenſtellung der Sängervereine, Leſe⸗ vereine, Schiedsgerichte, Turnvereine und wohlthätiger Vereine der Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen in unſerm Blatte zu geben und richten deßhalb an die Herrn Geiſtlichen oder Lehrer ſolcher Gemeinden, in welchen einer oder mehrere der genannten Vereine beſteht, die ergebene Bitte, uns bald möglichſt eine kurze Mittheilung zu dieſem Zwecke gefälligſt(wenn fich keine andere Gelegenheit darbietet, pr. Poſt) zugehen zu laſſen.
t Vorzugsweiſe bitten wir anzugeben: Zelt der Gründung; Namen der Gründer; ob der Verein ununterbrochen bis jetzt beſtanden hat; welchen Einfluß der eine oder andere Verein auf Sittlichkeit und Wohlſtand hatte u. ſ. w.
Die Redaktion.
Der Schreib- und Leſeſchüler in der Elementar-Klaſſe der Volksſchule. Dritte, verbeſſerte und vermehrte Auflage. Friedberg in der Wetterau. Druck und Verlag von Carl Bindernagel. 1346. 36 S. in 8.(Preis für das gebundene Exemplar 3 kr.)
Ueber dieſes Büchelchen bringt die Allg. Schulzeitung von Zimmerman(Nr. 154 von 1846) folgende Beurtheilung.
Unter den ſogenannten ABCbüchern, welche mit dem Leſelernen zugleich die Anfangsgründe des Schreibens und des Sprachunterrichts verbinden, nimmt das vorliegende Büchlein eine ehrenvolle Stelle ein und darf angelegentlich empfehlen werden. Für günſtige Aufnahme, die ſich gleich bei ſeinem erſten Erſcheinen(1841) erwarten ließ, zeugt die gegenwärtige nöthig gewordene dritte Auflage, welche mit Recht eine verbeſſerte und vermehrte heißt. Der Verf., ein Schullehrer in der Wetterau, hat es ſich angelegen ſein laſſen, nach reicherer Erfahrung Manches in dem Büch⸗ lein beſſer zu ordnen und auszuſtatten und bei der erſten Stufe auf einer beſonderen Seite die kleine, bei der fünf⸗
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