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+ der Burgfiche: ter Sell.
in der Burgkircht: Kittler.
rei ſe. — d. JUZ. Nod. 11 Nov.
1162 * 9035
Taxe erg und Bußbach Nov. 1847.
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er Stadtkirche:
er Stadtkirche. 18. 0
Zntelligenz-Glatt
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Die Theurung der Lebensmittel.
Daß die Theurung der nothwandigſten Lebensmittel ein Uebel für die meiſten iſt, bezweifelt Niemand; daß aber der Grund dieſes Uebels nicht blos im Wucher, ſondern vorzugsweiſe in anderen Urſachen zu ſuchen ſei, das wird häufig nicht allein bezweifelt, ſondern ſogar ohne eigent⸗ liche Begrundung widerſprochen. Wer aber zur klaren Er⸗ kenntniß des Uebels beiträgt, der tragt auch zur Heilung desſelben bei und wir müſſen deßhalb es Jedem Dank wiſſen, der das Uebel vernünftig beſpricht. In dieſer Beziehung freut es uns, abermals einen Artikel aus der „Deutſchen Zeitung,“ der wir in unſerer Wetterau eine recht große Verbreitung von Herzen wünſchen, unſern Leſern mittheilen zu können, welcher uns der höchſten Be⸗ achtung werth zu ſein ſcheint.
„Die Preiſe det nothwendigſten Lebensmittel, der Mehl⸗ früchte und der Kartoffeln, erhalten ſich fortwährend hoch. Waizen und andere Getraidearten koſten etwa um die Hälfte, Kartoffeln um das Doppelte mehr als um den gewöhnlichen Mittelpreis. Wie drückend die Vertheurung der Lebens⸗ mittel für die große Mehrzahl der Bevölkerung iſt, in wel⸗ chem Maße ihr Wohlſein dadurch gehindert, ihr Empor⸗ kommen zum Wohlſtande erſchwert wird, bedarf ebenſowenig eines Nachweiſes, als daß durch eine lange Dauer dieſer Zuſtände unſre ſozialen Verhältniſſe einer bedenklichen Kriſe entgegen geführt werden müßten. Unter den Mitteln, welche zur Abwendung des Uebels angerathen werden, können wir uns am wenigſten mit den Vorſchlägen befreunden, die von mehreren Seiten gegen den ſogenannten Getraide⸗ wucher gemacht werden und auf nichts Anders als Ver⸗ kehrsbeſchränkungen hinauslaufen. Das Eifern gegen Ge⸗ traidewucher in öffentlichen Blättern beſtärkt ein Volksvor⸗ urtheil, durch welches mancher ordentliche Kaufmann vom Getraidehandel abgehalten wird. Dieſer Handel iſt aber das Hauptmittel zur Vorbeugung eines wirklichen Mangels, in— dem er die Getraidevorräthe aus fernen Gegenden dahin führt, wo man deren am meiſten bedarf. Dies Letztere iſt am ſicherſten aus der erwarteten oder beſtehenden Höhe der Preiſe erſichtlich; folglich iſt ein zeitiges Steigen der Ge⸗ traidepreiſe nicht nur ein Mittel zur Verhütung künftigen Mangels, ſondern auch zur Verhütung der aus dem letz— tern entſtehenden übermäßigen Preiſe. Uebrigens ſtellt der in der Welt jährlich ſich erneuernde Vorrath von Getraide ein ſo großes Kapital dar, daß der Preis nie dauernd durch
Mittwoch, den 24. November
eine übermäßige Speculation(Wucher genannt) über die Höhe hinaus erhalten werden kann, welche durch das natür⸗ liche Verhältniß von Vorrath zum Bedarf bedingt wird. Wir ſchreiben daher die dermalige Höhe der Getraidepreiſe nicht dem Wucher zu, ſondern dem letztgenannten Verhält⸗ niſſe, verbunden mit der Rückwirkung der Aufhebung der engliſchen Kornzölle.
„War auch in Deutſchland und im weſtlichen Europa die Getraideernte im Ganzen gut, die Roggenernte ſogar vor⸗ züglich, ſo waren doch zur Erntezeit die alten Vorräthe ſo aufgezehrt, daß man ſofort auf den Ertrag der neuen Ernte, wenn nicht auf ruſſiſches und amerikaniſches Getraide, an— gewieſen war. Dies iſt ein Ausnahmezuſtand, denn bei mittleren und niedrigen Getraidepreiſen darf man annehmen, daß bei eintretender Ernte die alten Getraidevorräthe des Landes noch den Bedarf für mehrere Monate decken können. Daß dieſer Bedarf nicht vorhanden war, iſt ein beträchtlicher Ausfall an dem durch die neue Ernte geſchaffenen Getraide— vorrath. Zu dieſem Ausfall geſellt ſich der in der Kartoffel⸗ ernte, als Folge der in manchen Gegenden mehr oder weniger verderblich geweſenen Krankheit dieſer Pflanze. Die Kar— toffel iſt ſo allgemeines Nahrungsmittel geworden, daß ein geringer Ertrag derſelben nothwendig auf die Getraidepreiſe zurückwirken muß. Zu dieſen Urſachen der Vertheurung der nothwendigſten Lebensmittel tritt nun noch der Haupteffekt ein, den England mit dem jetzt von ihm gepredigten Frei— handelsſyſtem vorzüglich bezweckte: die Gleichſtellung der Preiſe der Lebensmittel in England mit denen auf dem Kon— tinent. Denn die zollfreie Einfuhr von Getraide iſt das größte und das am ſchwerſten zu erreichende Ziel geweſen, auf welches die Hauptbeſtrebungen der engliſchen Freihändler gerichtet waren, weil die natürliche Folge davon ſein mußte, daß das Getraide und andere Nahrungsmittel in England wohlfeiler, bei uns dagegen theurer wurden, indem kein anderer Preis— unterſchied mehr ſtattfindet, als der durch die Transport— koſten verurſachte.
„Die Grundurſachen der nachtheiligen Höhe des Preiſes der nothwendigſten Nahrungsmittel ſind daher theils vor— übergehend, theils dauernd; vorübergehend, inſofern wir hoffen dürfen, daß gute Mittelernten die Regel ſein, und in den nächſten Jahren die ſchädlichen Kartoffelkrankheiten wiederum aufhören werden; dauernd inſofern England an eine Wiedereinführung der Getraidezoͤlle ſchwerlich denkt. Die Wirkung ſolcher allgemeinen Urſachen ganz aufzuheben, liegt nicht in der Macht der Regierungen, ſie kann aber vermin⸗


