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von Teufeln und Hexen und allerlei guten und böſen Gei⸗ ſtern die Rede iſt, nicht wieder eingeführt werden, während da⸗ gegen aus denſelben manche Belehrung und Erheiterung zu ſchöpfen iſt; und der Herausgeber dieſer Sagen hat wohl Recht, wenn er in der vorhin genannten Schrift in Bezug auf die Benutzung der Mährchen und Sagen in der Schule ſagt:„Der Aberglaube iſt in unſerer Zeit weniger zu be⸗ ſorgen als der Unglaube. Wir können in unſern Schulen von all den ſchönen, anmuthigen, kräftigen und abentheuer⸗ lichen Figuren ohne Scheu reden und unſere Kinder zum Ueberfluß fragen: ihr glaubt doch nicht daran? Sie werden gewiß lachend mit Nein antworten. Ein großer Vorzug der deutſchen Sagen und Mährchen liegt, außer ihrer poe⸗ tiſchen Schoͤnheit, auch darin, daß ſie gewiſſe Charaktere, Erfahrungen und Lehren ſo wahr, eindringlich und behalt⸗ bar, ergötzlich oder grauenhaft darſtellen, wie es auf eine beſſere Weiſe kaum denkbar iſt. Man gebe nur ſelber da⸗ rauf acht, und man wird unſerm Sagen⸗ und Mährchen⸗ 1 immer mehr Bedeutung für die Jugend zugeſtehen müſſen.
In dieſen Worten hat der Verfaſſer angedeutet, daß die Sagen darum nicht zum Aberglauben verleiten und da⸗ rin beſtärken werden, weil ihr Inhalt nicht als wahr aner⸗ kannt wird; und doch können ſie jene Bedeutung fuͤr die Jugend und für die Belebung des poetiſchen Elementes in der Schule nur haben durch die Wahrheit, die in ihnen liegt. Inwiefern nun dieſelben zugleich wahr und nicht wahr ſind, das deutet folgendes Gleichniß an, welches wir zum Schluß aus der Vorrede noch mittheilen wollen:
„Ein Maler hat ein ſchönes Bild gemalt, das eine Walblandſchaft vorſtellt. Du ſtehſt davor und haſt deine Freude daran. Fragſt du nun, ob dieß Bild gerade ſo in der Natur vorhanden ſei, und ob man's irgendwo abgemalt; ſo wird die Antwort:„nein heißen. Wirſt du dann dem ſchönen Bilde den Rücken kehren und den Maler einen Be⸗ trüger ſchelten, weil er etwas malte, das nicht wirklich exi⸗ ſtirt? Willſt du, Undankbarer, vergeſſen, wie die kühne und kräftige Geſtalt der Bäume und der kühle Schatten ihrer Blätter und Zweige deinem Auge wohl that, wie die Stille und Ruhe in der grünen Einſamkeit dein Herz bewegte, wie der heiter blaue Himmel in der Ferne dich erhob, und wie die blauen Berge, mit denen er zuſammen zu gehen ſcheint, die Sehnſucht in dir erweckte, oder die Wanderluſt? Das alles willſt du vergeſſen, weil das Bild nicht wahr iſt? Sind denn dieſe rauhen Stämme und knorrigen derben Aeſte keine Wahrheit? Siehe die herrliche Himmelsbläue, die ſich in's Unendliche verliert; ſiehe und empfinde dieſen friſchen Waldes duft, der von dem mit Nadeln und dürren Blättern
überſäten Boden, über das bethaute Gras und die naſſen Büſche ſich erhebt und alles durchdringt; iſt dieſes nicht Wahrheit?— Wie natürlich! rufſt du aus; man meint, man wäre mitten im Wald!— So iſt denn das Bild jenes Meiſters wahr und nicht wahr, wie man's nimmt. Aber ſchön und erquicklich, herz⸗ und geiſterhebend iſt es immer, wenn der Maler kein Pfuſcher war.
Nicht anders verhält es ſich mit den deutſchen Sagen. Das deutſche Volk hat ſie ſelbſt gebildet, ſelbſt gedichtet, darum ſprechen ſie uns ſo an und klingen uns ſo vertraut. Auch die Sagen ſind eine Reihe von ſchönen Bildern, welche Ereigniſſe und Begebenheiten abſpiegeln, bei denen es nicht gerade darauf ankommt, ob ſie genau ſo vorgefallen ſind, ſondern es kommt auf die Art und Weiſe an, wie die vor⸗ kommenden Perſonen denken, reden und handeln. Vielen Sagen, z. B. denen von Helden und Heiligen, liegt meiſt eine wirkliche Begebenheit zu Grund. Aber da ſie in eine alte Zeit zurückreichen, ſo liegt, wie auf weit ſichtbaren Ber⸗ gen, der Duft der Ferne auf ihnen, den die Sonnenſtrahlen am Morgen und Abend mit den lieblichſten Farben ſchmücken.
. B.
Markt ⸗ Bericht. Butzbach, am 20. Juli 1847. Aufgefahren] Verkauft 5 5
Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe
(Mtr.)](Mtr.) n Walzen 56 16 17 43 . 10⁵ 52 13 51 Geiſee 52 5 11 10 Hafer———— Roggenmehl 20 18 13 J 35 Erbſenn—
NB. In Butzbach wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 160 und Roggenmehl 144 Pfund gerechnet.
Friedberg, am 21. Juli 1847.
Wai zen 504 504 18 22 rn 380 346/ 10 21 Gerſte a 69¼½ 69% 10 21 Daf NR 95 28 6 51 Vorſchuß 27— 19 46 Waizenmehl 45 19 17 40 Roggenmehl 10 26 13 4 eien. 2——— Erbſen. 4 4 8 15 Linen:———— Wilen———— Kartoffeln.————
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
S Hofraithe-Verſteigerung. (1148) Montag den 26. Juli, Morgens um 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe, in Auftrag der Erben der verlebten Konrad Reuß chen I. Ebeleute dahier, deren Hof raithe, beſtehend in Wohnhaus, Scheuer und Gärtchen, an Dominikus pendling gelegen, (gibt in die Präſenz 9 kr.) öffentlich meiſt⸗
bietend verſteigert. 5 Friedberg den 15. Juli 1847. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Edictalla dung.
(1157) Nachdem Großh. Hofgericht über das Vermögen des abweſenden Kaufmanns Konrad Matern III. zu Laubach und den
Nachlaß deſſen Ehefrau den Concursproceß erkannt hat, ſo werden Alle, welche Anſprüche aus irgend einem Rechtsgrund an das frag⸗ liche Vermögen bilden, aufgefordert, ſte im Termin Montag den 9. Auguſt d. J., 7 Morgens 10 Übr, 5 dahier bei Vermeidung des ſtillſchweigend er⸗ folgten Ausſchluſſes von der Maſſe an und auszuführen, auch über Beſtellung eines Gläu⸗ bigerausſchuſſes und Maſſeverwalters, ſowie uber Vergleichs⸗Vorſchläge ſich zu erklären, widrigenfalls hierüber nach den Anträgen der Mehrheit der übrigen Liquidanten verfügt werden wird. Laubach den 2. Juli 1847. Gr. Heſſ. Gräfl. Solmſ. Landgericht Brumhard.
Ulfaer Jahrmarkt.
(1158) Da der Gemeinde ulfa von höchſter Staatsbehörde die Erlaubniß zur Abhaltung
zweier Jahrmärkte ertheilt wurde, ſo verfehle
ich nicht zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß der zweite Jahrmarkt Montag den 2. und Dienſtag den 3. Auguſt und zwar an erſterem Tage der Vieh⸗ und an letzterem der Kramer⸗ Markt ſtattfindet, wozu Verkaͤufer und Käu⸗ fer hiermit 1 125 Ulfa den 15. Juli- 8 5 lf Deu ih S ergermeifer 9.
PTO c Ia m a.
Johannes Neunobel, lediger Sohn . Canzleidieners Ambros Konrad Neunobel,(geſt. 1759) iſt ſchon ſeit vielen Jahren abweſend, ohne Nachricht von ſich ge⸗ geben zu haben. 1
Derſelbe hatte zwei Geſchwiſter mit Namen Georg Martin—(geb. 1751) und Magda⸗ lena Katharina,(geb. 1757) über deren Leben und Aufenthalt wir gleich ſalls ſeit einer Reihe von Jahren ohne Nachricht ſind.
Auf deßfallſigen Antrag werden daher Jo⸗
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