Ausgabe 
22.12.1847
 
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VIII. Namens veränderungen: Es wurde geſtattet: am 1. October der Adoptivtochter des k. großbrit. Capitäns a. D. v. Richter, dermalen dahier, Clara Eliſe Braun von Dieburg, künftig den Fami⸗ liennamenvon Richter; 29. October dem Oberfinanzkammer-Secr. Acceſſ Levi aus Mainz, künftig die VornamenJoſeph Stephan und den FamiliennamenLindeck und am 12. Nov. der Chriſtiane Philippine Herold, Tochter der verſt. Friederike Herold von Friedberg, den FamiliennamenSpecht zu führen.

IX. Ertheilung von Patenten: am 8. October dem Feuer⸗ baumeiſter M. Krudewig zu Coblenz für das Großherzogthum auf die nächſten 5 Jahre das ausſchließliche Recht, die von ihm erfundene Malz dorre allein verfertigen; 30. desgl. dem Thomas Gibſon zu London, die von ihm erfundene Verbeſſerung von Cooks Oefen allein in Anwen dung bringen zu dürfen.

Der Oſternſtein bei Gambach.

Ungefähr eine ſtarke Viertelſtunde ſüdlich von Gam bach erhebt ſich links von der Wetter und rechts von dem nach Rockenberg führenden Fußpfade neben andern Aus läufern der ſich zwiſchen beiden Orten hinziehenden Anhöhe ein mäßiger Hügelkopf. Er heißt auch der Mundart des Volkes gemäß der Oſternſtein.) Sein Gipfel war bis zum Jahre 1845 mit großen Felsſtücken aus ſehr feſtem weißlichem Sandſtein, wie ihn die nahen einzelen Sandſteinblöcke und Sandſteinlager Rockenbergs darbieten, bedeckt; im Laufe des Sommers 1845 aber bis gegenwärtig wurden ſie zum größten Theile aus einander geſprengt und verarbeitet. Ueber ihre Lage und Geſtaltung, wie ſie ſich vor jenem Jahre zeigten, hat Profeſſor Ph. Dieffenbach in der dritten Abtheilung ſeines Auszuges aus dem Tage buche einer in Auftrag des hiſtoriſchen Vereius unternom menen Reiſe, S. 102. Bericht gegeben und ſo das Ausſehen des ſehr intereſſanten Geſteines aufbewahrt. Erregte aber ſchon die Geſtaltung des Ganzen Beachtung, ſo waren es beſonders drei Bildungen des Geſtein's, welche die Aufmerk ſamkeit des Volkes vor Allem auf ſich zogen und darum bei dieſem ihre eigenen Namen hatten. Die horizontale Seiten- ſpalte, welche nach ihrer Form den Namen der Backofen führte, war die erſte in's Augen fallende beſondere Bildung. Sie iſt ſchon von Dieffenbach erwähnt. Bedeutſamer aber ſcheint mir die zweite, eine flache Vertiefung, welche ſich auf der obern Fläche eines Felsſtücks,(irre ich nicht) mehr in Mitten des Geſteines, befand und von ihrer Ge ſtalt die Bratpfanne(vom Volke in ſeiner Mundart die Brôtpann' dusgeſprochen) hieß. Sollte wirklich auf dem Oſternſteine in der Heidenzeit unſeres deutſchen Volkes ge opfert worden ſein, was Dieffenbach aus den kleinen Rinnen, welche über die obere Fläche mehrerer abgeplatteten Felsſtücke niederliefen, vermuthen möchte, ſo dürfte die Bratpfanne die eigentliche Stelle zum blutigen Opfer ge weſen ſein. Die dritte beſondere Bildung endlich hatte von ihrer Aehnlichkeit mit einem Kutſchenſitze den Namen die Kutſch'.

) Dieſer Name würde altdeutſch östrünstein(eigentlich östarünstein) lauten, ſo gebildet, wie die Ortsnamen östrünbere, östrünwanc, ostründorf, ôstrünhofen(S. Graffs althochdeutſcher Sprachſchatz

1. Thl. Sp. 502). Auf der Karte des Generalſtabs ſteht Osterstein.

* 428.

Zu Oſtern gieng es auf dem Oſternſteine lebhaft zu. Schon in der Frühe des Oſtermontages eilten einzelne Burſche von Gambach auf den Oſternſtein, um von demſelben eher Beſitz zu nehmen, als die Burſche des Nachbardorfes Grie del, und dieſe durch Steinwürfe abzuhalten, wenn ſie auf den Hügel wollten. Nachmittags, ſobald der Gottesdienſt vorüber war, zogen dann die Burſche von Gambach insge ſammt auf den Oſternſtein und verweilten dort luſtigen Muthes. Fanden ſich nun erſt die Griedeler Burſche ein, um ſich des Hügels zu bemächtigen, ſo kam es zu Angriff und Vertheidigung. Hatten aber die Griedeler Burſche den Oſternſtein eher beſetzt, als die Gambacher, ſo ſchritten dieſe zum Angriff, um die Höhe für den Nachmittag zu erobern, und jene ſuchten ſich zu vertheidigen. Die Sieger jubelten dann und verweilten luſtig bei einander. So war es bis vor etwa 25 Jahren, wo dieſe Züge der Gambacher und der Griedeler Burſche zu Oſtern auf den Oſternſtein, ver boten wurden, weil der Streit daſelbſt mitunter übel abge laufen war. Prof. Dieffenbach, der dieß nach anderer Mittheilung S. 103. erzählt, fügt hinzu, daß ſeit jener Zeit des Verbots nur noch die Kinder(aus Gambach) alljähr⸗ lich ihren Zug auf den Oſternſtein unternähmen, worin ſich alſo einigermaßen der alte Gebrauch erhalten hat.

Mit Recht bemerkt Dieffenbach, daß der Name Oſternſtein auf Verehrung der altdeutſchen Göttin östarà deute, welche von unſern Vorfahren, ehe ſie Chriſten waren,

als Göttin des neuen Frühlingslichtes, des zum neuen

Leben auferſtehenden Jahres verehrt wurde, und deren Name in unſerm FeſtnamenOſtern fortdauert.) Jene Anſicht wird ſchon beſtätigt durch das WortOſternſtein, welches altdeutſch östarünstein, ôstrünstein, d. i. Stein(Fels) der östarä, nämlich Stein ihrer Verehrung wäre. In jenen Zügen dann und dem luſtigen Beieinanderſein auf dem Hügel zu Oſtern ſcheint ſich eine alterthuͤmliche, zum Theil erloſchene Frühlingsfeier auszudrücken; das ehemalige Aus ſehen der nun zerſchlagenen Felsſtücke läßt hier eine Opfer ſtätte aus der Heidenzeit vermuthen; und bei dem Kampf um den Beſitz des Oſternſteines möchte man faſt an ein Bild des noch in Volksgebräuchen anderer Gegenden dargeſtellten Streites zwiſchen Winter und Sommer denken.*)

Daß man im Sande unter einem der geſprengten und zerſchlagenen Felsſtücke Kohlenerde gefunden, welche Feuer in alter Zeit vorausſetzen läßt, hat bereits Dieffenbach mitgetheilt. Eine Nachfrage auf dem Hügel ergab, dieſe Kohlenerde ſei unbedeutend geweſen und habe ſich wenn ich recht gehört, am Rande befunden. Daß ein Oſterfeuer hier Brauch geweſen ſei, ließ ſich nicht ermitteln; wenigſtens ſoll ſeit Menſchengedenken auf dem Oſternſteine keins vor gekommen ſein. 4

*) Ueber die Göttin Oſtara ſiehe J. Grimms deutſche Mythologie, 2. Ausg., S. 267 f. 740. N ) Vgl. J. Grimms deutſche Mythologie S. 729.

Muſterblätter des Gewerbvereins.

Die bisher bei mir von Seiten des Gewerbvereins niedergelegten Mufterblätter für Gewerbtreibende ſind nun an Herrn Werner, Lehrer

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