Ausgabe 
19.5.1847
 
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8.

kend iſt die Melodie der menſchlichen Stimme. Wie durch den Geſang ſich die Gefühle des menſchlichen Geiſtes ge⸗ wiſſermaßen verkörpern; ſo kann es auf keine andere Weiſe geſchehen; ja es iſt ſogar nicht ſchwer, an der Geſangs⸗ weiſe die Beſchaffenheit des Gemüths einzelner Menſchen ſowohl, als auch die Eigenthümlichkeit und den Charakter ganzer Völker zu erkennen.

Keine Art, ſeine Empfindungen in melodiſchen Tönen darzuſtellen, iſt aber auch ſo allgemein und ſo alt, als der Geſang. Faſt alle Menſchen ſingen. Unſere Kinder ſingen ſchon, wenn ſie kaum ein Jahr alt ſind, und wollten wir die Frage ſtellen: wer denn zuerſt geſungen habe, ſo müßten wir unbeſtreitbar in der Geſchichte des menſchlichen Geſchlechts bis zu Adam hinauf gehen. David erhob ſein Herz zu Gott meiſtens in Geſängen, und der große Luther hat geſagt: Wer nicht liebet den Geſang, der bleibt ein Narr ſein Leben⸗ lang. Und ſo iſt es auch. Ein ſchöner Geſang erweitert und erfreuet die Seele und derjenige entbehrt einen der herrlichſten Genüſſe, der nicht ſingen kann und nicht gern ſingen hört.

Dürften wir aber dem Geſang eine Lobrede halten, ohne zugleich der Tochter deſſelben zu erwähnen, der edlen Dichtkunſt nämlich, die mit jenem Jahrtauſende ſchon Hand in Hand, wie ein Engel, durch alle Geſchlechter der Erde gewandelt iſt und des Guten ſo viel geſtiftet hat, daß es

nicht all ausgeſprochen werden kann? Der Dichtkunſt ver⸗

danken wir Lieder, und Lieder ſind die Schwingen des menſch⸗ lichen Geiſtes, auf denen er ſich über die Moräſte der ge⸗ meinen Welt zu den wonnigen Höhen des idealen Lebens, der Religioſität, der Sittlichkeit und der Weltverbrüderung erhebt. Beklagenswerth iſt ein Volk, das keine Lieder hat; es entbehrt eines der herrlichſten Nationalguͤter, ohne welches das Bewußtſein eigener Kraft und Selbſtſtändigkeit entweder gar nicht vorhanden iſt oder nur ſchwache Stützen hat. Wohl uns, meine Freunde! unſer deutſches Vaterland be⸗ ſitzt dieſes Gut in reichem Maße. Es gibt ſchwerlich ein Volk, das einen ſo reichen Schatz von Liedern aufzuweiſen hat, als wir. Auch in unſerem lieben Heſſenlande leben und blühen Lieder und Geſang in ſchönem Vereine. Und werfen wir gar einen Blick auf unſere nächſte Umgebung, ſo finden wir nicht leicht ein Dorf, in welchem in der gegen⸗ wärtigen Zeit nicht ein Singverein beſtunde. Auch Beyen⸗ heim wollte hierin nicht hinter der Zeit zurückbleiben. Unſer Verein hat unter der hieſigen Einwohnerſchaft Mitglieder gefunden von den Männern der öffentlichen Wirkſamkeit herab bis zu den Jünglingen, die kaum die Schule verlaſſen haben. Und daß unſer Verein nicht von kurzer Dauer ſein werde, dafuͤr bürgt der Eifer und die Liebe zur Sache, welche nun ſchon ſeit einem halben Jahre ſämmtliche Mitglieder an den Tag gelegt haben; dafür bürgt mir aber auch ganz beſonders die Wahrnehmung, die ich namentlich in der letzten Zeit zu meiner großen Freude gemacht habe, daß Ihr es in Euch fühlt, wie Ihr zuſammen eine Einheit ausmacht, die nur durch gegenſeitige Liebe ſtark ſein kann.

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Um nun aber auch ein äußeres Zeichen Euerer Kör perſchaft zu beſitzen, um außer dem erkannten Zweck Eures gemeinſamen Strebens einen ſinnbildlichen Mittelpunkt zu haben, um den Ihr Euch gerne ſchaart, und der in einem jeden Einzelnen das Bewußtſein belebt und erhält, daß er ein thätiges und förderndes Glied des Ganzen iſt und ſein ſoll, habt Ihr Euch eine Fahne machen laſſen. Hier iſt ſie. (Sie wird enthüllt.) Sie trägt die Inſchrift: Eintracht und Liebe. Möge ſie Euch denn auch Eintracht und Liebe in Eure Herzen wehen! Möge ſie immer freundlich und freudig über Euern Häuptern flattern ob Euerer Eintracht und Liebe! Möge ſie nie traurig nach der Erde ſich neigen ob der Zwietracht und des Haſſes, der vielleicht unter Cuch entſtehen könnte! Möge die Göttin Hymnia uns ſchützend und helfend zur Seite ſtehen, damit durch unſern Verein all die ſchönen Früchte erzielt werden, die er zum Zwecke hat! Dann werden durch ihn gefördert werden: ächte Reli⸗ gioſität und Gottesfurcht, herzliche Liebe zu allen Men⸗ ſchen, als zu unſern Brüdern, Sinn für alles Schöne, Er⸗ habene und Edle, Liebe zu Fürſt und Vaterland und Freund⸗ ſchaft, Geſelligkeit und Heiterkeit in der edelſten Bedeutung.

Und ſo übergebe ich Euch denn nun die Fahne zum ferneren Gebrauche, und ſpreche nur noch den Einen Wunſch aus: daß Eintracht und Liebe Euer Wahlſpruch ſein und bleiben möge.

Anfrage.

In Vilbel nehmen die Bäcker für den Laib Brod (4 Pfd.) zwei Heller mehr, als in Friedberg und den ubrigen Orten des Kreiſes und es iſt ihnen dieß, ſo viel uns be kannt iſt, auf eine frühere Beſchwerde von der Polizeibehörde geſtattet worden. Wenn wir nun hier ſehen, daß ein großer Theil der wetterauer Bäcker, wie die hieſigen ihr Backholz vom Main beziehen, alſo einen weiteren Weg haben, und der Preis des Mehls auf einige Stunden weit unmerklich verſchieden iſt, ſo erlaube man uns die beſcheidene Anfrage: welches ſind denn eigentlich die Umſtände, die die vilbeler Bäcker zu einer ſolchen Anforderung berechtigen? Mehrere vilbeler Bürger.

Einladung.

Mittwoch den 26. Mai, Nachmittags um 4 Uhr, wird auf hieſigem Rathhauſe die Jahres verſammlung des Frauenvereins gehalten und mit derſelben eine Ausſtellung weiblicher Handarbeiten verbunden werden, welche in der Schule deſſelben gefertigt worden ſind. Man ladet ſämmtliche Mitglieder, wie auch ſonſtige Freundinen dieſer Sache ergebenſt ein, die Verſammlung mit ihrer Gegenwart zu beehren.

Friedberg den 17. Mai 1847.

In Auftrag: Dr. Sell.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

rr Edictalladung.

(726) Ueber das Vermögen des Conrad Hochſtein, Wittwer, zu Utphe, hat Grßh. Hof⸗ gericht zu Gieſſen den förmlichen Concurs erkannt und werden daher bekannte und un⸗ bekannte Gläubiger jeder Art aufgefordert Dienſtag den 15. Juni d. J.,

a Vormittags 9 Uhr,

ibre Anſprüche, unter dem Rechtsnachtheil des ſonſt ſtillſchweigend eintretenden Ausſchluſſes

von der Maſſe, dahier anzuzeigen und zu begründen. Laubach den 15. April 1847. Gr. Heſſ. Gräfl. Solmſ. Landgericht Brumhard.

Edictal ladung.

(727) Johannes Schmidts Kinder und deren Vormunder von Harrbach haben das den Erſteren gehörige Grundvermögen in der Ge⸗ markung Harrbach verkauft und die Kinder der Johann Georg Buchners Wittwe von da ihr daſelbſt gelegenes Gut unter ſich vertheilt und um Ausfertigung der Kaufbriefe und Theilzettel gebeten.

Auf dieſem veräußerten Vermögen baften indeſſen Verpfändungen, welche erloſchen ſein ſollen, jedoch in den gerichtlichen Pfandbüchern noch offen ſtehen, weil die quittirten Schuld⸗ urkunden nicht vorgelegt werden können; ins⸗ beſondere haften 5

1) auf den Grrundſtucken der Johs. Schmidts

Kinder,

a) auf 269% neu 888/2, 33 Ruthen 14 Schub Acker am Riedweg ein von Mel⸗ chior Schäfers Eheleuten in Harrbach bei Philipp Reitz daſelbſt laut Obligation vom 9. Januar 1808 aufgenommenes Capital von 50 fl.,

b) auf 69/41. 42 neu 1119/45 und 1120%6

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