Ausgabe 
17.4.1847
 
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dauernden Widerſtand entgegenſetzen und zu allen Zeiten ſich des blauen Himmels, der funkelnden Sterne und der leuch⸗ tenden Sonne mit voller Seele freuen. Frohſinn bildet daher nicht blos die Würze deutſcher Turnerei, ſondern auch eins ihrer kräftigſten Beförderungsmittel. Dieſen Frohſinn thun die Turner kund durch die Lieder, welche ſie ſingen und durch den Geiſt der Bruderliebe, welcher ſie beſeelt. Der frohe Turner ſieht in ſeinem brüderlichen Turngenoſſen einen Freund, der ihm wohl will, von dem er daher niemals vorausſetzt, daß er ihm zu nahe treten, ihn beleidigen wolle. Der ächte Turnerfrohſinn verſcheucht daher alle widrigen Streitigkeiten und gehäſſigen Zänkereien, um ſo mehr, als ihm immer ein höherer geiſtiger Zweck vor Augen ſteht. Er will ſich tüchtig machen an Körper und Geiſt, um den Zweck ſeines Lebens zu erfüllen. Nicht in den Tag hinein, von Stunde zu Stunde, nicht im Strudel irdiſcher Genüſſe fort⸗ geriſſen, ſondern im Hinblick auf eine höhere Geiſterwelt, im Vollgefühl ſeiner unſterblichen Seele will er ſich zu dem Dienſte ſeiner Mitmenſchen und ſeines Vaterlandes zumal vorbereiten, und in dieſem Sinne iſt der Turner fromm.

Frei, friſch, froh, fromm, dieſes iſt daher der Wahlſpruch des Turners, dies ſind die geiſtigen Hebel, welche ihn auf den Turnplatz führen und ihn dort in Be⸗ wegung ſetzen. Harmloſer, als dieſe Gefühle, läßt ſich nichts denken und dennoch fördern ſie mächtig den Zweck der Tur⸗ nerei und bilden gewiſſermaßen ihren Schlußſtein. Alle poli⸗ tiſche Kannengießerei iſt dem deutſchen Turnweſen durchaus fremd; nicht, als liebte der deutſche Turner nicht ſein Vater⸗ land, nicht, als nähme er keinen Antheil an deſſen Geſchicke, nein! ſondern nur, weil jedes Ding ſeine beſondere Art und Weiſe hat und dieſe feſtgehalten werden muß, ſoll dieſes Ding gedeihen. Der Turner weiß, daß er als ſolcher nicht berufen iſt, unmittelbar in die Geſchicke ſeines Vaterlandes einzugreifen. Allein die Liebe zu ſeinem deutſchen Vater⸗ lande bildet dennoch den Grundton ſeines ganzen Charak⸗ ters. Der Gedanke, daß der Tag noch kommen konne, da das Vaterland von ihm verlangen werde, er ſolle Gut und Blut, Leib und Leben in ſeinem Dienſte opfern, iſt fuͤr ihn ein Hochgedanke, vor dem er nicht zurückſchaudert, ſondern den er mit begeiſterter Freudigkeit und feſter Zuverſicht hegt. Dieſer Hochgedanke gibt ſeinem ganzen Thun und Laſſen eine höhere Weihe, er erdrückt in ſeiner Bruſt die Stimme des lockenden Verſuchers, er hält ihn feſt auf der Bahn der Tugend, er verleiht auch den ſonſt als Kleinigkeiten betrach⸗ teten Erſcheinungen des Lebens einen höheren Ernſt und eine tiefere Bedeutung. Jede Unmäßigkeit iſt daher fůr den ächten Turner nicht bloß eine Uebertretung der Geſetze des äußeren Anſtandes und der Würde, ſondern auch eine Uebertretung der ewigen Geſetze der Natur, welche die körperliche und geiſtige Kraft des Menſchen vermindert und ihn weniger fähig macht, im Dienſte des Vaterlandes und der Menſchheit zu wirken. Reine Sittlichkeit, ſtrenge Nüch⸗ ternheit iſt das unverrückte Ziel, nach welchem der Turner ſtrebt, die Vorausſetzung, ohne welche ſein ganzes Streben in Nichts zerfällt.

Dieſes iſt der Geiſt des deutſchen Turnweſens, und durch dieſe Eigenthümlichkeiten unterſcheidet es ſich von den, unter der Leitung von Zuchtmeiſtern betriebenen körperlichen Uebungen. Körper und Geiſt ſind durch die Natur im Leben untrennbar verbunden. Sie ſollen durch Machtgebote des Menſchen nicht geſchieden werden. Körper und Geiſt müſſen in allen Dingen zuſammenwirken, ſoll etwas Tüchtiges ge⸗ leiſtet werden. Körper und Geiſt ſind nicht blos im Allge⸗ meinen verbunden, ſondern in allen ihren Theilen und in allen Beziehungen des Lebens. Wo dieſe Verbindung in irgend einem Theile und in irgend einer Beziehung aufhört, da ſtirbt unvermeidlich dieſer Theil oder dieſe Beziehung des

Lebens ab. Was zuruck bleibt, iſt nur dle Leiche eines Körper⸗ theils, iſt nur die todte Form einer Lebensbeziehung. Daher dürfen auch in der Turnerei Körper und Geiſt nicht ge⸗ trennt werden. Alle diejenigen Gedanken ſollen vielmehr ge⸗ ſtärkt, alle diejenigen Gefühle gehegt werden, welche erforder⸗ lich ſind, um den kühnen Springer, den ausdauernden und furchtloſen Ringer, den ſichern Streiter auf ſchmalem, glattem und ſchwankendem Boden zu bilden. Wer da vermeint, einen ſolchen Turner blos mit Hülfe eines Zuchtmeiſters bilden zu können, der kennt nicht die menſchliche Natur, und am wenigſten das tief innerſte Weſen des Deutſchen.

Mannigfaltiges.

Dirigirt muß ſein.

Darmſtadt am Charfreitag 1847. Der Vorſteher des GeſangvereinsMelomanen, unſer verdienſtvoller und humaner Kupferdruckereibeſitzer Felſing, welcher thätiges Mitglied faſt aller Vereine zur Abhülfe der öffentlichen Noth dahier iſt, harte die Abſicht, zum Beßten der Armen in der hieſigen Stadtkirche heute ein Vokal⸗Concert zu veranſtalten, in welchem ſämmtliche dahier beſtehende Geſangvereine mit⸗ wirken ſollten. Aber die Eiferſucht zwiſchen den verſchiedenen Vereinen bildete ein Hinderniß, das nicht ſo leicht zu be⸗ ſeitigen war. Es kam indeſſen auf einen Verſuch an. Fel⸗ ſing läßt die verſchiedenen Vorſtände zu einer Beſprechung einladen; ſetzt ihnen mit eindringlichen Worten das Wohl⸗ thätige der Abſicht auseinander und fordert ſie ernſtlich auf, dieſesmal die Streitigkeiten fahren zu laſſen. Und wahrlich es gelingt ihm, die Gemüther auf einen beſſeren Weg zu

führen. Nur handelt es ſich noch darum, welcher Vereins⸗

Vorſtand das Ganze dirigiren ſoll. Auch darüber verſtän⸗ digt man ſich und das Loos ſoll entſcheiden. In dieſem entſcheidenden Augenblicke tritt der Herr Stadt⸗Cantor in die Verſammlung und kaum vernimmt er, wovon die Rede iſt, als er auch gleich begreiflich zu machen ſucht, daß nur ihm, laut Deeret, das Recht zuſtehe, alle Geſangvorträge in der Stadtkirche zu dirigiren und daß er nicht geſonnen ſei, auch nur ein Haar breit von dieſem ſeinem Rechte abzuſtehen. Augenblicklich nehmen ſämmtliche Vorſtände ihre Hüte und empfehlen ſich ganz gehorſamſt. Und ſo gehen denn unſere armen Arme leer aus; aber der Herr Stadtcantor hat's durchgeſetzt, daß er

nun allein dirigirt. 4.

** Der Gyps als Mittel gegen die Erdflöhe.

Zwiſchen meinen vorjährigen Erbſen war viel Hedrich aufgegangen, der mich für das Gedeihen der Erbſen fürchten ließ. Bald wurde ich aber gewahr, daß die Erdflöhe dem Hedrich bedeutend nachſtellten und wenig Blüthen deſſelben aufkommen ließen, weshalb denn auch die Erbſen im Wuchſe dem Hedrich um Etwas voraus waren. Um ihnen aber noch mehr zur Hülfe zu kommen, ließ ich ſie gypſen, und darauf bemerkte ich am folgenden Tage, daß ſammtliche Erdflöhe von dem Erbſenſtück verſchwunden waren. Sie kehrten auch nicht wieder. Dieſe Bemerkung ſcheint mir beim Rapsbau von Wichtigkeit, da es nur zu bekannt iſt, in wie kurzer Zeit oft dies Ungeziefer die größten Flächen verwüſtet. Hier würde man mit der Anwendung des Gyp⸗ ſes einen doppelten Zweck erreichen, indem dadurch die Erd⸗ flöhe vertrieben und die Rapspflanzen in ihrem Wachsthum bedeutend gehoben würden.(Landw. Dorfz.)

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** Gebrauch von hydrauliſchem Kalk gegen den Haus ſchwamm. Als ganz vorzüglich wird empfohlen,