Ob die Staatsregierung von Hannover jährlich 200,000 Thaler in die Schanze ſchlagen wird, blos um Säufer zu beſſern, denn uͤber den mäßigen Genuß des Branntweins kann gar kein ungünſtiges Urtheil gefällt werden, dies muß wahrlich in den höchſten Zweifel gezogen werden, denn daß auch dort mit Umſicht regiert wird und die höchſte Verwal— tungsbehörde dieſe Summe zu würdigen weiß, dies wird wohl als entſchieden richtig angenommen werden konnen. Die jenſeitige Angabe, daß in Preußen über 1000 Brenne⸗ reien eingegangen ſeien, dieſes will ich als möglich zugeben; allein kein Mäßigkeitsverein wird es bewirkt haben, ſondern einzig und allein ein den kleineren Brennereien ungunſtiges Brenngeſetz. Ueberall wo die Maiſche verſteuert wird, und wenn auch in andern Staaten Preußen gegenüber mit Modi— ficationen, da mangelt häufig dem kleinen und ſelbſt manchem großen Branntweinbrenner die Vorlage, die in die Staats— ſteuerkaſſe zu leiſten iſt, und er muß aus dieſem Grund ſein Geſchäft aufgeben. Ich glaube ſeit dem Beſtand unſeres gegenwärtigen Brenngeſetzes, das einige Aehnlichkeit mit dem preußiſchen Geſetz hat, ſind in unſerem Land verhält nißmäßig mehr Brennereien als in Preußen eingegangen. (4-79 Ohnerachtet aber dieſe Brennereien eingegangen ſind, ſo wird ohne Zweifel doch nicht weniger Branntwein fabrieirt, denn der größere gewiſſermaßen fabrikmäßige Be— trieb, den man überall zu heben ſucht, liefert die größte Ausbeute und iſt deßhalb die Wirkung der eingegangenen Brennereien nur paſſiv zu nennen. Daß aber vornehmlich in Preußen die Steuer-Einnahme aus der Branntwein— fabrication in der dortigen Staatsverwaltung die höchſte Be— achtung verdient und daß dort eine ungeheure Quantität Brannt- wein fabricirt und getrunken wird, wird dadurch bewieſen, daß die Branntweinmaiſchſteuer ſchon vor 1830 nach dem Hand- buch von Fr. Förſter: Gewerbsbetrieb der Branntwein— brennerei von Berlin 1830 eine jährliche Einnahme von 5,024,000 Thaler abwarf, eine Summe, die man in dem preußiſchen Staate nicht zu entbehren Willens ſein wird, und daß zum Genuß im Durchſchnitte auf jeden Bewohner des preußiſchen Staates jährlich 8 Ouart und was noch ärger iſt— in Nordamerika vor 1828 alſo 25 Jahre nach der Bildung des erſten Mäßigkeitsvereins in Boſton 20 angenommen werden konnten.(Berghaus allgemeine Länder- und Völkerkunde 4. Band S. 580).
Der Herr Pfarrer Strack verfolgt nun das Branntwein— trinken weiter und zwar aus ſeiner Nähe. Iſt die Sache nicht übertrieben, ſo iſt das Dorf zu bedauern in dem der Branntwein ſoviel Unheil angerichtet hat und faͤnde wohl
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hier ein Mäßigkeitsapoſtel vollauf zu thun, wenn er ſich einbildete dieſe Sänfer bekehren zu konnen.(1-1
Von hier an geht nun Herr Pfarrer Strack ins medi— ciniſche über, obgleich er verſichert hat ſich von medieiniſchen Erörterungen fern zu halten. Ich übergehe Einzelnheiten als ganz unwichtig und beſchränke mich blos darauf, daß
Herr Strack dem Genuß des Branntweins nun auch ſelbſt dem mäßigen Genuß faſt alle Krankheiten, die wir kennen:
als Engbrüſtigkeit, kurzen Athem, Andrang des Bluts nach dem Kopfe, Herzklopfen, verdorbenen Magen, Appetitloſig⸗ keit, Aufſtoßen, Zehrung in verſchiedenen Geſtalten, alle Arten von Schlagfluß, Scropheln, goldene Ader ꝛc. ꝛc. zu⸗ ſchreibt, indem er ſagt, dieſe Zuſtände ſeien nicht naturge— mäß und lägen nicht urſprünglich in der Einrichtung Gottes, ſondern fänden ihre Urſachen in den Verirrungen der Menſchen, alſo in dem Branntweingenuß, da ſein Artikel von weiter nichts handelt. Wäre dieſes Wahrheit, dann ſollte von allen Staaten in der Welt die Branntweinfabrication bei Todes- ſtrafe verboten werden. Es würde denn, wenn keine Krank— heiten mehr exiſtirten, höchſt wahrſcheinlich auch der Tod nicht mehr ſein, das ewige Leben auf dieſer Welt ſchon be— ginnen und ſomit die Menſchheit von dem Urquell aller Thränen und aller Leiden erlöſt werden. Was würde es in dieſem glücklichen Zuſtande mit unſern Aerzten geben? Dieſe Sanitätsbeamten würden überflüſſig ſein und wuͤrde man ſie in die Urwälder von Texas befördern müſſen. Es wird zu dieſer Vollkommenheit nicht kommen und frage ich den Herrn Pfarrer Strack in welchen Ständen denn eigent⸗ lich die von ihm genannten Krankheiten am häufigſten angetroffen werden? Zuverläſſig wird er antworten müſſen, in den höheren Ständen, die keinen Branntwein, ſondern
Wein trinken! (Fortſetzung folgt.)
Concert.
Sonntag den 14. d. M. wird im Saale des Herrn Gaſthalters Trapp ein Concert veranſtaltet werden, das die Unterſtützung Hülfsbeduürftiger in hieſiger Stadt zum Zwecke hat. Billets à 18 kr. ſind bei Herrn Trapp zu haben; an der Kaſſe koſtet der Eintritt 24 kr. Der An⸗ fang iſt auf 6 ½ Uhr feſtgeſetzt. Das verehrliche Publikum wird um recht zahlreichen Beſuch gebeten.
Friedberg den 14. März 1847. f
F. Bingmann, cand. theol.
Bekanntmachungen von Be⸗
2) eine zweiſpännige deßgl., 3) eine gebrauchte deßgl.,
dem Fruchtvorrathe des vereinigten Armen⸗ fonds dahier 12—15 Malter Gerſte, zweimal⸗
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hoͤrden.
dec tc c eee ens; (288) In Auftrag der Frau Philipp Gerths Wittwe werden Dienſtag den 16. März, Mor⸗ gens um 10 Uhr, in hieſigem Rathhauſe ohn— gefähr 6½ Morgen Aecker, in den Gemar— kungen Friedberg, Fauerbach II. und Schwal⸗ heim liegend, oͤffentlich meiſtbietend verſtei— gert, wozu die Steigliebhaber einladet Friedberg am 1. März 1847. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Verſteigerung. (300) Mittwoch den 17. l. M., Morgens um 9 Uhr, werden in der Wohnung des Herrn Andreas Hanſtein auf dem Hauck nachſtehende en freiwillig meiſtbietend verſteigert, als: 1) eine neue einſpaͤnnige Chaiſe mit Glas— verdeck,
4) ein Kaſten von einem Familienwagen, 5) ein Handwägelchen, 6) mehrere Weinbäume, 7) ein Regenfaß, 8) ein Schmierbock u. dgl. Friedberg am 3. März 1847. Der Grßb. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Verſteigerung. (301) Dienſtag den 16. J. M., Morgens um 10% Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe der zur Verlaſſenſchaft der Konrad Stork's Wittwe gehörende, an der Hockenmühle lie— gende, einen halben Morgen haltende Obſt— baumgarten, erbvertheilungshalber öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg am 3. März 1847. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bie n dier Frucht ⸗Verſteigerung.
(806) Dienſtag den 16. l. M., Nachmittags um 2 uhr, werden in hieſigem Rathhauſe von
terweiſe, ſowie mehrere Centner Roggenkleien öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg am 3. März 1847. 5 Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Bekanntmachung.
(313) Dienſtag den 16. l. M., Morgens um 11 Ubr, läßt Frau Anton Eich's Wittwe dahier, ihre in der Ackergaſſe ſtehende, ſich in gutem Zuſtande befindliche und zum Wieder— aufbauen zu verwendende Scheune zum Ab⸗ bruch öffentlich meiſtbietend verſteigern, wozu Steigliebbaber einladet Friedberg am 3. März 1847. Der Grßh Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. Lieferung von Erdkarren.
(838) Montag den 15. d. Mts., Vormit⸗ tags um 9 Uhr, ſoll in dem Gaſthaus zum Prinzen Carl dahier die Lieferung von 100
Ell Ter gun in


