Ausgabe 
13.1.1847
 
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Intelligenz-Glatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

W 4.

1847.

DesIntelligenz Blatt für die Provinz Oberheſſen zweimal(Mittwochs und Samſtags) erſcheinen.

für ½ Jahr 40 kr. Durch

beziehen.

Die Einrückungsgebühren betragen, wie bisher, für die geſpaltene erſte Petitzeile 4 kr., für die Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet. Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis d Mittwochs erſcheinenden Blatte eine Aufnahme; alle Inſerate, welche ich von dem Montag Morgen an b das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen. Gemeinnützige Auff ätze werden ſtets mit D

Friedberg.

wird im Jahre 1847, ganz in derſelben Weiſe wie im Jahre 1846, wöchentlich Der Abonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten

i ſt, beträgt bei mir, wie bisher, für 1 Jahr 1 fl. 12 kr.,

alle Poſtverwaltungen des Großherzogthums Heſſen iſt das Intelligenz⸗Blatt, nach einer Verfügung des hochlöblichen Oberpoſtamts zu Darmſtadt, pr. Jah i i 5 l.

r für 1 fl. 24 kr. und pr. Semeſter für 48 kr. zu zweite 3 kr., für die dritte und jede folgende 2 kr. en Sonntag Abend bei mir eingehen, finden in dem is den Mittwoch Abend erhalte, werden in ank für mein Blatt angenommen.

C. Bindernagel.

Weiblicher Liebesmuth und Glaubensmuth. Cortſetzung und Schluß.)

Johanna war ein Mädcheu von ſiebzehn Jahren, kräf⸗ tiger Geſtalt, freundlichen Angeſichtes, aber was mehr war als dieß ſie war reinen Herzens und Wandels und von gottesfürchtiger, menſchenliebender Geſinnung.

Obwohl das Waſſer hoch geſtiegen war und ſchon über den Cleverham'ſchen Damm ſpülte, mochten die Bewohner des Hauſes doch die Größe der Gefahr nicht geahndet haben.

Plötzlich aber ſtieg die Fluth mächtiger und der Damm brach. Als die brüllende Fluth um das Haus ſchwoll, er griff Johanna ihre Mutter, eine alte Frau, welche der Schrecken vollends gelähmt und unfähig gemacht hatte, ſich ſelbſt zu retten, und trug ſie etwa zweihundert Schritte weit auf einen Hügel. Das Waſſer reichte ihr ſchon bis ans Knie und drohte ſie umzureißen.

Als das wackere Mädchen ihre liebe Mutter gerettet hatte, ſagte ſie zu dieſer:Nun will ich der Frau van Beek und ihren Kindern zu Hülfe eilen, und dann unſer Ziege holen, damit Ihr Milch bekommt, liebe Mutter! Vergebens flehte ihre Mutter, ſie ſolle doch bei ihr bleiben, da die ſteigende Fluth jeden Verſuch weiterer Rettung als eitel erſcheinen laſſe; umſonſt warnte der auf dem Rinder⸗ ſchen Damme ſtehende Th. Reiner vor dem Verſuche, weil ſie der Fluth unmöglich Widerſtand leiſten könne.Ich muß retten! rief das edle Mädchen aus und ſchritt muthig in die ſchäumenden Wogen, einem niederen Hügel zu, wohin ſich die Frau van Beek mit ihren Kindern ge⸗ rettet hatte. Glücklich erreichte Johanna den Hügel; aber das mit jeder Minute wachſende und wilder werdende Ge⸗ wäſſer zeigte, daß an keine Rückkehr zur Mutter, ja ſehr bald auch an keine Rettung mehr zu denken war. Die Frau van Beek gerieth in Verzweiflung, als ſie raſchen

Schrittes den entſetzlichen Tod nahen ſah. Sie wickelte ihr Haupt und die Häupter ihrer Kinder in ihre Kleider und ſtürzte ſich mit ihnen in das empörte Waſſer. Johanna ſtand ſtille mit gefalteten Handen da. Einen Blick ſandte ſie hinüber, wo die geliebte Mutter verzweifelnd die Hande rang, einen andern hinauf zum Himmel, zu dem ſie bald eingehen ſollte, und eine gewaltige Welle riß den Hügel weg, auf dem ſie ſtand, und begrub ſie im Schooße der Gewäſſer.

Als ſich die Gewäſſer verlaufen hatten, fand man den Leichnam des edlen Mädchens bei der Kirche des Dorfes Rindern, wo ſie auch beſtattet wurde.

Johanna Sebus war ein ſchlichtes, einfaches Bauer⸗ mädchen; ſie war unter ſechs Kindern das fünfte. Ihre Mutter wurde gerettet; aber der Kummer nagte an ihrem Herzen. An der Stelle, wo ſpäter der edeln Menſchenret⸗ terin ein Denkmal geſetzt wurde, baute man der alten Wittwe ein Haus; allein ſie ſtarb, ehe es vollendet wurde. Johanna zog ſie nach ſich und zu ſich.

Ich ſetze nichts hinzu. Die That redet mächtig für ſich ſelbſt zu jedem Herzen, und wir fühlens Alle tief, daß wer ſo ſtirbt, wie Johanna Sebus, in dem Herrn ſtirbt.

Aber noch von einer andern gottgetreuen, weiblichen Seele wollte ich Euch erzählen. Es iſt eine edle Englän⸗ derin geweſen und hat Eliſabeth Fry geheißen. Sie war die Tochter eines frommen Mannes, Namens John Gurnay, war im Jahre 1780 in dem Schloſſe Cartham⸗Hall, in der Grafſchaft Norfolk, in England, geboren, und in ihren rei feren Jahren an den in London wohnenden Kaufmann Jo ſeph Fry verheirathet. An ihr zeigt ſich der Segen häus licher Frömmigkeit und Andacht in ſeinem ganzen Reichthume. Ihr Vater bekannte mit Joſua:Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen! Da wurde kein Tages⸗ lauf mit dem Morgen begonnen ohne ein Morgengebet im