Ausgabe 
11.9.1847
 
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einmal ohne Orgelbegleitung geſungen hatte, verrichtete Herr Pfarrer Römheld von Büdesheim, der bisher auf hoͤchſt uneigennützige Weiſe den geiſtigen Bedürfniſſen der Evan geliſchen zu Heldenbergen abzuhelfen ſuchte, den Altardienſt, wobei nach paſſendem Gebete der Pſalm 100 zur Vorleſung kam und wobei mit wenigen Worten der Weihe die Orgel ihrem Gebrauche übergeben wurde. Herr Seminarlehrer Thurn von Friedberg, welcher der Bitte des engeren Ver waltungsrathes zu Darmſtadt, die Orgel einer Prüfung zu unterwerfen, mit vieler Bereitwilligkeit nachgekommen war, ſpielte hierauf ein Vorſpiel, nach welchem Herr Krebs das LiedLobet den Herrn, welches als Hauptlied geſungen wurde, mit ſeinem Spiele begleitete. Wie es überall, wo die Gemeinde noch nicht an die Orgel gewöhnt iſt, den Fall ſein würde, ſo ließ auch hier die Harmonie des Ge ſanges mit der Orgel gar Manches zu wünſchen übrig; wenn aber die Gemeinde ſich nur erſt gewöhnt hat, ſich in jedem einzelnen Tone nach der Orgel zu richten, dann werden ſehr bald alle Mißtöne, alle Unregelmäßigkeiten im Takte, und alles zu laute Singen von ſelbſt ein Ende nehmen. Die Predigt hielt Herr Pfarrer Römheld uber Pſalm 118, 24. und gewiß verfehlte ſie nicht, als Ausdruck eines freu digſt bewegten Herzens alle Anweſenden des Grundes zu eigener Freude bewußt zu machen und ſo in die des Tages würdige Stimmung zu verſetzen. Während nun der Ge ſangverein von Heldenbergen das bekannte Lied:danket dem Herrn vortrug, trat der Pfarrer Dr. Matthias von Fauerbach, der von dem engeren Verwaltungsrathe den Auftrag erhalten hatte, der Feier in ſeinem Namen bei zuwohnen, an den Altar und hielt, als die letzten Töne verklungen waren, eine kurze Anſprache an die Gemeinde, wie ſie ſein Verhältniß zu derſelben erforderte, worauf Herr Pfarrer Römheld in einem Schlußwort noch den Dank der Evangeliſchen zu Heldenbergen gegen Alle, welche ihr bei Erbauung ihrer Orgel in der einen oder in der anderen Weiſe geholfen, ausſprach, und war es beſonders wohlthuend, daß bei dieſem Danke auch die katholiſchen Mitbrüder eine namentliche Erwähnung finden konnten. Der Gottesdienſt ſchloß mit einem Nachſpiele des Herrn Thurn, mit dem Liede:nun danket alle Gott und dem Segen. Die Col lekte betrug 15 Gulden. Darauf vereinigten ſich ungefähr 16 Perſonen, meiſtens Fremde, zu einem ſchmackhaften Mit⸗ tagseſſen in dem Wirthshauſe des Herrn Zeh; nach dem Eſſen kamen der Kirchenvorſtand und ſonſtige kirchliche Be amte, um gegen den Bevollmächtigen der Guſtav-Adolf Stiftung noch einmal ihren beſonderen Dank für die Hülfe, die der Verein ihnen geleiſtet, auszuſprechen und in heiterer Gemüthlichkeit blieb man dann bis gegen Abend verſammelt, wo gewiß Jeder eine freundliche Erinnerung an das be gangene Feſt mit nach Hauſe nahm.

Zum Schluſſe muß jedoch noch eines beſonderen Um ſtandes ausdrücklich gedacht werden es iſt dieß die Theil nahme, welche Ihre Durchlaucht, die verwittwete Frau Gräfin von Rhode, geborne Prinzeſſin von Hohenlohe, dem in Heldenbergen begangenen Feſte ſchenkte. Nicht blos hat Hochdieſelbe ſogleich nach Empfang

des Einladungsſchreibens die weite Reiſe von Kirchberg in Württemberg nach Heldenbergen angetreten, ſondern Sie hat auch noch am Morgen des Feſttages der Kirche ein werthvolles Altartuch von rothem Tuche zum Geſchenk ge macht und dadurch die arme Gemeinde, deren Orgel Sie früher ſchon mit Goldverzierungen hatte ſchmuͤcken, deren Kirchenbibel Sie hatte herſtellen laſſen, zu neuem Danke verpflichtet, den Ihr gewiß auch jedes einzelne Glied der ſelben mit freudigem Herzen, wenn auch nur im Herzen, abſtattet.

Man nigfal tiges.

Salatſtauden. Da die Salatſtauden ſo gerne ſchießen und dadurch die ſchönſten Köpfe des Salats zum

Genuſſe unbrauchbar werden, ſo ſchneidet man mit einem

ſcharfen Meſſer den Strunk des Salatkopfes über der Erde, zweimal auf entgegengeſetzten Seiten bis etwa auf die Hälfte ein: wodurch ſodann der Zufluß des Saftes verhindert wird; die Staude erhält aber doch noch Kraft genug zum Fortleben, welches ſelbſt wochenlang geſchieht. So läßt ſich der heran⸗ gewachſene Salat nach Wunſch und Bequemlichkeit wirth⸗ ſchaftlich gebrauchen. *

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Wintererdäpfel. Solche laſſen ſich, den Erfah⸗ rungen eines franzöſſiſchen Landwirths zufolge, auf folgende Art gewinnen. Sind die Erdäpfel im Auguſt gepflanzt, ſo kommen die Stengel im Herbſte zur Bluͤthe. Man ſchneidet dann die Stengel und Blätter/ Fuß vom Boden ab und bedeckt ſie mit Erde und Dünger, ſo das keine Kälte durch⸗ dringen kann. Ohne ſich weiter um ſie zu kümmern, erntet man im März vollkommen ausgebildete, reife Erdäpfel, die im Falle eines vorher ſich ereignenden Mißwachſes ſehr gut zu Statten kommen.

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Abhärten der Füße des Rindviehes. Büuͤrger⸗ meiſter Vlöſer zu Hartmannshain macht die Mittheilung, daß man, um das Rindvieh weniger vollfüßig zu machen und damit es mehr hornartige Klauen bekommt, dem Kalbe alsbald nach ſeiner Geburt den in der vorderen Spitze ſeiner Klauen nach der Sohle zu ſitzenden fleiſchigen Knorpel aus⸗ breche. f

Kirchenbuchsauszug vom Juli 1847. Butzbach.

Getraute: Keine.

Getaufte:

4. Dem Gensdarmen zu Pferde und Ortsburger zu Lang⸗ göns Konrad Wenzel ein Sohn, Julius Karl, geb. den 10. Juni.