Ausgabe 
6.11.1847
 
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zum Zeichen ihrer Liebe und Verehrung eine ſchöne Stand⸗ uhr und ein Schreiben, worin ſie ihre Gefühle gegen ihn ausſprachen.

Wir können ſeinem neuen Bezirke nur Glück wünſchen zur Erwerbung eines ſo tüchtigen Beamten und wünſchen dieſem ſelbſt beim Scheiden von ganzem Herzen alles Gute in ſeinem nunmehrigen Wirkungskreiſe!

Pädagogiſche Bilder oder die moderne Erziehung in der Familie und Kleinkinderſchule, in der Rähe und Ferne betrachtet von J. Fölſing und C. F. Lauckhard, 1847. i

Eltern und Erziehern, denen das Wohl der ihnen anvertrauten Kinder wahrhaft am Herzen liegt, machen wir auf vorſtehendes Büchlein aufmerkſam. Es enthält vie les Gute. DieBilder ſind ſo treu nach dem Leben ge ſchildert, daß manche Eltern, wenn ſie gegen ſich aufrichtig ſind, ihr eignes Bild darin finden und einſehen werden, wie ſie in vielerlei Hinſicht in der Erziehung ihrer Lieblinge fehlen und Manches anders angreifen oder mehr auf ſich ſelbſt acht haben müſſen, denn das Beiſpiel gilt mehr, als Worte. Zu bedauern iſt nur, daß der verhältnißmaßig etwas hohe Preis(54 kr.) viele unbemittelte Eltern abhal⸗ ten wird, das Büchlein zu kaufen, waͤhrend unter dieſen im Allgemeinen mehr zu finden ſind, welchen die Erziehung ihrer Kinder am Herzen liegt als unter den Wohlhaben⸗ deren. Das Büchlein ſollte höchſtens 30 kr. koſten. Eins der Bilder wollen wir hier zur Probe mittheilen, hoffend, daß es für Manchen Veranlaſſung werde, ſich daſſelbe an⸗ zukaufen.

Vater, Mutter, Kind.

Wer es geſehen hätte, wie das arme achtjährige Bau⸗ ernkind in ſeinem verwaſchenen Kleidchen, mit dem Bündel⸗ chen unter dem Arme, aus der großen geräuſchvollen Stadt, für immer ſeinem ſtillen Dorfe wieder zuwanderte; der hätte ein tiefes Mitleid mit dem Kinde gefühlt. Die Sonne ſtand ſchon tief, und die Heimath lag noch vier gute Stunden entfernt. Aber es war doch ein Glück für die arme Lisbeth, daß ſie wieder nach Hauſe kam. Das mochte ſie ſelbſt fühlen; denn ſie hatte ihre Thränen, ſobald ihr die Stadt hinter dem Hügel verſchwunden war, ge⸗ trocknet; ihre Blicke wurden heller, ihr Geſicht heiterer, ihr Gang raſcher und freudiger. Sie haben mich doch nicht lieb gehabt, dachte ſie, die reichen fremden Stadtleute, wenn ſie auch ſagten, ich ſolle ihr Kind ſein. Daheim iſt es beſ ſer. Dort habe ich einen Vater, eine Mutter und einen lieben Bruder. Dort heiße ich auch wieder Lisbeth, und nicht Eliſabeth, wie ſie mich umgetauft hatten. Die Leute haben keinen Frieden im Hauſe; daheim iſt's doch viel ſchöner.

Die erwähnten Stadtleute hatten keine Kinder und nahmen die Lisbeth als Kind ins Haus. Sie zogen ihr ſchöne Kleider an und ſchickten ſie in eine gute Schule. Das Kind aber blieb immer ſcheu und blöd. Bald wurde es vom Pflegevater, bald von der Pflegemutter abwechſelnd gehätſchelt oder geſcholten. Bald ſagte der Vater: Eliſabeth, nicht wahr, Du wirſt einmal, wenn ich alt und krank bin, meine Pflegerin? Bald ſagte die Mutter nicht wahr, Du haſt mich lieber, als ihn? Das Kind aber gab auf ſolche Fragen keine Antwort, oder es blieb, wie die Pflegeeltern ſich ausdrückten, ſo ſtumm und fühllos, wie ein Stock. In ſtiller Nacht indeß hätte man oft hören können, wie das Kind in ſeinem Bettchen weinte und leiſe klagte, daß es weder Vater noch Mutter mehr habe und daß ſie es nicht mehr aushalten könnte bei dieſen Leuten, welche ewig in Zank und Streit mit einander lebten. Wo der Mann ſeine

Frau ärgern und kränken konnte, da unterließ er's gewiß

nicht, und wo ſie ihm einen Tort anzuthun vermochte, da verſäumte ſie keine Gelegenheit. Eines Tages hatte der Mann es gar zu arg gemacht und war ſcheltend und dro hend aus dem Hauſe gegangen. Die Frau ließ ſofort ihren Zorn an dem armen Pflegkinde aus. Sie nahm ihm alle ſchönen Kleider und Geſchenke, zog ihm die ländlichen Klei der an, packte die paar Fetzen und Lappen, welche das

Kind mitgebracht hatte, in einen Bündel zuſammen und trieb es aus dem Hauſe. Ich hab' Deiner Eliſabeth, ſagte

ſie zum heimkehrenden Gatten, erlaubt, nach Hauſe auf die Kirmes zu gehen.

Und dieſes that die ſchöne, blaſſe Frau? mit welcher die Nachbarn ſo viel Mitleid haben, weil ſie ſo unglücklich mit ihrem Manne lebt? fragſt Du. Ja, dieſelbe, böſe, herzloſe Frau, lieber Leſer. Sie hat keine Kinder, und kennt die Mutterliebe nicht; ihr Mann kennt das Glück des Familienlebens nicht.

Ein anderes Bild. Siehſt du den Gefchäftsmann, der, wenn er kaum ſein Tagewerk gethan, in's Wirthshaus eilt und erſt ſpät in der Nacht nach Hauſe kommt? Du glaubſt vielleicht, ſeine arme Frau ſitzt unterdeſſen zu Hauſe bei den Kindern in ſtillem Schmerze, wie dieß wohl hundert mal in andern Häuſern vorkommt. Nein ſie hält ſich ſchad los für die Selbſtſucht ihres Mannes. Die Kinder ſind bei der Magd, welche ſie zu Bette bringt. Die Mutter ſitzt in der Nachbarſchaft, bei andern Frauen, oder hält ſelbſt Viſite im Beſuchzimmer, wohin kein Laut der Kinder drin- gen darf; bei ſchwerer Strafe! Das iſt ein erbauliches Familienleben! Aber die Kinder? Nun, die gedeihen, außer den zwei geſtorbenen ganz leidlich. Wie es in ihren Herzen ausſehen mag, daß kann ich nicht ſagen; wohl nicht beſſer als in dem Vater- und Mutterherzen.

Verdienen aber ſolche Eltern das Glück, Kinder zu haben?

Welch ein ſchönes Bild iſt eine chriſtliche Familie! Ein fleißiger, liebevoller Vater, ſtreng, ruhig, feſt und be⸗ ſonnen eine ſanfte, fromme, kluge Mutter; wohl geartete Kinder, feurige Buben, liebliche Mädchen welch ein Bild!

Die Familie iſt der Heerd der Erziehung. Denn die Kleinen arten ſich nicht nach den Worten und Lehren, ſon⸗ dern nach dem Bilde und Beiſpiele, das ſie täglich an Vater und Mutter vor Augen haben. Wenn die Eltern nachläſſig, unordentlich, zankſüͤchtig, leidenſchaftlich, rückſichtslos und abſprechend ſind; muͤſſen die Kinder nicht ebenſo werden? Iſt man aber zu Hauſe ſtreng, ordentlich, gewiſſenhaft, red lich; urtheilt man ſchonend und liebevoll uͤber fremde Fehler; ſo kann es nicht ausbleiben, daß die Kinder ſich unbewußt dem Muſter der Eltern nachbilden werden. Man hört oft: dieſes Kind ſchlägt ganz ſeinem Vater, ſeiner Mutter nach. Dieß mag im Böſen, wie im Guten mehr auf Rechnung des täglichen Beiſpiels, als auf die angeborene Naturan⸗ lage kommen.(Schluß folgt.)

Markt- Be ich Friedberg, am 3. November 1847.

Aufgefahrenſ Verkauft. 8

Gattung. würden wurden Wittelpreiſe

5(ltr.) G l. k. Walzen 116 116 2 Rota 12589 27 27 7 9 13 Geiſte ol 16 2 7 7 Hafen a 74 60 5 9 Roggenmehl. Kartoffeln 63 517 1 47

NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190 Gerſte 170, Hafer 120 und Kartoffeln 240 Pfund gerechnet.

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¹ Bug Ghlel Verdie Regel.