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kunft auf Montag den 11. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf das Rathhaus dahier ein. Friedberg am 2. Januar 1847. Küchler.
Friedberg Ende Dezember 1846.
Der 26. Dezember, allen Heſſen ſo theuer als Ge⸗ burtstag ihres hochgeliebten Fürſten, wurde diesmal im Kreiſe Friedberg für viele Arme und Unbemittelte ein hoher Freudentag. Es fand nemlich die nach den Statuten unſerer Sparkaſſe, des Mathilden⸗Stifts, beſtimmte Ga⸗ ben⸗Vertheilung zur Erinnerung an die Vermählungsfeier unſeres allgeliebten Erbgroßherzogs königl. Hoheit an die— ſem Tage ſtatt. Im Ganzen kamen 800 fl. zur Vertheilung, davon 500 fl. an 60 alte, über 80 Jahre alte, würdige Arme, und 300 fl. an 29 brave Dienſtboten, welche wäh⸗ rend 15 Jahren klaglos in einem und demſelben Dienſte geſtanden haben. Wie troſtreich und erfreulich mag den⸗ ſelben dieſe reichliche Spende in dem Nothſtande dieſes Winters geweſen ſeyn!
Wetterauer Ortsnamen. (Vgl. Intelligenzbl. Nr. 84.)
Ober- und Niedermörle. Der Name Mörle iſt ſchwierig zu erklären Vor Alters lautete er Morula, Morila“), gekürzt und am häufigſten Morle, und ſcheint zuſammengezogen aus Morwila, was„Dorf des Mohr, bedeutet..) Mohr, jetzt ein öfters vorkommender Fa⸗ milienzuname, lautet ehedem bei den Deutſchen Mor und war Mannsname. Altdeutſch wila aber das lateiniſche villa, bedeutete ſo viel als„Dorf“(Vgl. Intelligenzblatt 1846 Nr. 11.)
Bockenheim war ein Ort bei Gambach, der nach ſeinem Ausgehen ſich noch lange in dem Bockenheimer Hof im Andenken erhielt, bis dieſer endlich auch aufhörte zu ſein. Um das Jahr 1150 ſchrieb man Buckenheim. Der Name bedeutet:„Heimat(Wohnſitz) des Buck.“ Bucko, Bukko, Buggo, war ein altdeutſcher Manus— name, unſer jetziger Familienzuname Buck und Bugge, und iſt eine Abkürzung des Namens Burkhart. Der
Genitiv lautet Buckin Buggin) Bucken.
Birklar lautete vor Alters Birchinläre, Birkenläre, und bedeutet:„Wohnſitz des Birk. Man hatte früher ei—⸗ nen Mannsnamen Bär(altdeutſch Béro), und von die- ſen machte man wieder einen Mannsnamen Biricho, Bircho was etwa ſo viel wie Bärchen wäre und jetzt Birch oder Birck lauten würde.*) Damit iſt der Ortsname zu⸗ ſammengeſetzt; denn der Genitiv von Biricho lautet Biri- chin, Birken. An dem Baum, der Birke heißt, iſt hierbei nicht zu denken.
Bellersheim, wofür man auch zuweilen Belters— heim geſchrieben findet. Beides richtig! Der Name lau— tete vor Alters: Balträdisheim, Baldratesheim und bedeutet:„Heimat(Wohnſitz) des Baldrath.“ Balträt nämlich, von altdeutſch balt muthig, ſchnell und rat Rath, iſt ein altdeutſcher Mannsname, der„muthig oder ſchnell
*) Dieſe beiden Formen ſchließe ich aus Moruller marca und Mo-
rellere marca im Codex Lauresham II. 638. III. 263. (Schmidt's Geſch. d. Großherz. Heſſen II. 157).
) W. in Morwila fiele aus und z bliebe haften und würde kurze oder ſetzte ſich in u um, wozu das vorhergehende ausfallend, W verhilft. Vgl. Wöllſtadt im Intelligenzblatt Nr. 84.
arge) Vgl. Birx ſtatt Birchisheim im Intelligenzbl. 1845. Nr. 100.
von Rath“ bedeutet, wie Konrad(ſonſt Chuonrät) kuhn von Rath.“ f
Muſchenheim hieß vor Alters Muscenheim, Mu- schenheim, Moskenheim, auch durch Lautverwechſelung Muscanheim, und bedeutet ohne Zweifel:„Heimat(Wohn⸗ ſitz) des Muſch.“ Muſch iſt noch Familienzunamen bei uns Wetterauern und muß vor Alters Musco gelautet haben, wovon der Genitiv Muscin, Muscen hieß.
Gepulverter Gips, ein zuverläſſiges Mittel gegen die Schaffäule.
Der Gutsbeſitzer Klör auf Bruck bei Märkiſch Fried⸗ land, berichtet in den„Marienwerderſchen Landwirthſchaft⸗ lichen Mittheilungen“ Folgendes: Die Schaffäule, eine Folge der naſſen Witterung und des Verhütens, hat auch bei mir eine Reihe von Jahren große Sterblichkeit unter meiner Heerde verurſacht. Alle gegen dieſe Krankheit em⸗ pfohleuen, wie bekannt gewordenen Mittel, zum Theil nicht ohne Schwierigkeiten anwendbar, habe ich erfolglos verſucht. Das Salz fruchtete noch am meiſten, war aber allein nicht hinreichend, die faulen Krankheitsſtoffe hinwegzunehmen. Eine Verſtärkung des Mittels hielt ich für nothwendig, und dazu ſchien mir der gepulverte Gips vorzüglich geeignet, weil er die Feuchtigkeit begierig verſchluckt. Ich ließ alſo Salz mit Gips vermengen und den Schafen vorſetzen. Sie leckten begierig dieſes Gemenge auf, und ſeit dieſer Zeit hat die Faule, der naſſen Jahre ungeachtet, aufgehört. Ich
laſſe im Jahre zwei Mal, kurz vor der Wollſchur und um
Martini, dieſes Mittel reichen. Zwei Theilen Salz füge ich ein Theil Gips hinzu. Das Mittel iſt ſo einfach, daß es von Jedermann ohne alle Umſtände verſucht werden kann.
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Kirchenbuchsauszuͤge vom October 1846.
I. Butzbach. Getraute:
4. Johannes Berner, Bürger und Schuhmacher, des hie— ſigen Bürgers und Schuhmachermeiſters Chriſtian Berner ehelicher unverheiratheter Sohn und Eliſabetha Schäfer, des verlebten Ortsbürgers und Ackermanns zu Groß⸗ erda, königl. Preuß. Kreiſes Wetzlar, Karl Schäfer, hinterlaſſene eheliche unverheirathete Tochter. a
22. Johann Philipp Heller, Conducteur an der Taunus— Eiſenbahn und Ortsbürger zu Breitenbach, Landge— richts Kaſſel in Kurheſſen, des verlebten daſigen Orts— bürgers und Schuhmachers Georg Heller, hinterlaſſener ehelicher, lediger Sohn und Eliſabetha Herling, des hie⸗ ſigen Bürgers und Schuhmachermeiſters Georg Heinrich Herling eheliche ledige Tochter.
25. Johannes Bepler, Bürger und Bäckermeiſter in Wetz⸗ lar, des daſigen Bürgers und Rendanten am evange— liſchen Bürgerhospital Friedrich Gottlieb Bepler ehe— licher lediger Sohn und Katharina Eliſabetha Orth, des verlebten Bürgers und Sattlermeiſters dahier Ger— nand Orth hinterlaſſene eheliche ledige Tochter.
25.(Zu Bauernheim, Kreiſes Friedberg) Bernhard Küͤ⸗ chel III. hieſiger Bürger und Lohgerbermeiſter, des verlebten hieſigen Bürgers und Lohgerbermeiſters Jo⸗ hannes Küchel II. hinterlaſſener ehelicher lediger Sohn und Katharina Louiſe Keller, des Ortsbürgers und Ackermanns zu Bauernheim, Schultheiß Johannes Keller eheliche ledige Tochter.
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