Ausgabe 
3.2.1847
 
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Intelligenz-BGBlatt

ſür die

Provinz Oherheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

10.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.

Betreffend: Die Verordnung, den Betrieb und die Beaufſichtigung des Gewerbes der Mäkler mtt Getraide, Hülſenfrüchten und Kartoffeln.

Indem ich Sie benachrichtige, daß 1) Eberhard Staämmler von Grünberg, 2) Heinrich Herzberger von Flenſungen, 3) Johannes Bock von Köddingen,

als Mäkler verpflichtet worden ſind, trage ich Ihnen auf,

Dieß, ſowie die nachſtehend regulirten Gebühren, welche

dieſe Mäkler zu beziehen haben, in Ihren Gemeinden zu ver

offentlichen. Grünberg den 27. Januar 1847. in o r.

Tarif für die Gebühren der Mäckler.

1 Malter Waizen in loco 2kr., auswärts 4 kr. 1 77 Korn 77 77 2 77 7 4 7 6 Gerſte 7 77 2 7 4 1 77 Hafer 5 5 2 4» 1 1 Erbſen 0 77. 5 4 1 17 Linſen 5 20 5 4 1 7 Kartoffeln 7 5 27 2

Die ſchlechte Zeit. Betrachtungen eines Menſchenfreundes.

Immer noch die alte Klage über die ſchlechten Zeiten, welche ich ſchon vor Jahren, oder Jahrzehnden vernommen habe. Sie ſcheint gerade in dem verfloſſenen Jahre neuen Nahrungsſtoff erhalten zu haben. Millionen ſeufzen in dieſer theuren Zeit. Sie können kaum das Nothwendigſte er ſchwingen zu ihrem Lebensunterhalte. Familien gehen zu rück, von welchen ich eher das Gegentheil vermuthet hätte, die Gerichtsdiener wandern mit Mahnzetteln und Pfandungs befehlen an manchen Orten von Haus zu Haus. Es ſtehen

Namen auf ihrer Liſte, über welche man erſtaunen wuͤrde. Die Geſchäftsleute beſchweren ſich über den Mangel an Verdienſt. Die Beſoldeten behaupten nicht auszureichen, ſo lange die Lebensmittel nicht wohlfeiler würden. Der Mißmuth iſt allgemein, nur bei Denen nicht, welche doppelten Preis für den Vorrath ihres Speichers erhalten. Doch ſollte es wirklich ſo ſchlimm ſtehen in der Gegenwart, als es den Anſchein hat? Die Geſtalt der Städte und Städt chen hat ſich, ſo weit meine Erinnerung reicht, bedeutend verändert. Die Häuſer ſind freundlicher geworden, die Straßen und die Umgebungen ſchöͤner; die Kramläden haben ſich nicht nur in großer Anzahl vermehret, ſie haben auch in ihrer äußeren Geſtaltung gewonnen. Im Innern der Häuſer ſind die altfraͤnkiſchen Möbel gewichen, Sopha's und gepolſterte Stühle, Bilder mit vergoldeten Rahmen haben den Groß vatersſeſſel vom Ofen verdrängt und die Holzbänke von der Wand. Die Tapeten ſind bis in die kleineren Hütten ge drungen. Das Reiſen iſt leichter und wohlfeiler geworden. Aber wie viel wird auch heute gereiſt gegen ehemals? und immer bleibt das Sprüchwort wahr:Reiſen koſtet Geld. Die Vergnügungsorte werden zahlreich beſucht. Nicht zu Fuß wollen Viele in der fröhlichen Mitte erſcheinen. Es muß gefahren ſein. Man konnte auch den koſtbaren An zug verderben. Sehet ihr nicht die Pracht in den Kleidern, welche bis zu den unterſten Ständen gedrungen iſt? Sind das die Wahrzeichen, woran man die ſchlechten Zeiten er kennen ſoll? Wären die Koſten nicht zu erſchwingen, ſollte da nicht mancher Familienvater Einhalt gebieten, damit es kein trauriges Ende nähme? Sind auch in jeglichem Ge ſchäfte die Nebenbuhler zahlreicher geworden, ſo iſt auch die Menſchenmenge gewachſen und die Bedürfniſſe haben ſich gemehrt. Die Großmutter hatte ihr halbes Leben an dem Sonntagsputze, die Enkelin kaum ein halbes Jahr; die Mode wechſelt in Kleidern und Möbeln; darum wird viel mehr gebraucht. Hierbei findet der Arbeiter und Han delsmann ſeinen Verdienſt. Das iſt die erfreuliche Seite bes herrſchenden Luxus; er vermehret die Nahrungsquellen für die Geſchäftsleute. Nur