A
*
— —
*
paſſende Anrede an die vor ihm ſich herangereihte Verſamm⸗ lung, indem er vorerſt ſeine Freude über das ſchöu voll⸗ brachte Werk ausdrückte und dann die Hoffnung ausſprach, daſſelbe werde eine Pflanzſtätte der Tugend, des Friedens und der wahren Gottes verehrung werden.
Unter erhebendem Geſange der Mitglieder des isr. Geſangvereins„zur Eintracht“ dahier, welche ſich vor der Synagoge aufgeſtellt hatten, fand hierauf der Einzug in die feſtlich erleuchtete, eben ſo durch ihre einfache ſchöne Bauart, wie durch ihre zweckmäßige innere Einrichtung ſich auszeichnende Synagoge ſtatt.
Hiernächſt eröffnete der Provinzial⸗-Rabiner Dr. Le vi f
die Andacht mit einem wahrhaft Geiſt und Herz erhebendem Gebete und hielt dann nach Sechsriah Kap. 2. 14— 17, unter gelungener Anwendung der Textesworte, auf die ge— gebenen Verhältniſſe, die Feſtpredigt. Als heilige Sendung des isr. Gotteshauſes folgendes Dreifache darlegend:
„Es ſolle zeugen vor Gott, davon, wie die „Israeliten Gott erkennen und verehren, es ſolle ver— „künden den Willen Gottes durch die Beleh⸗ „rung über alle unſere Lebensbeziehungen und ſolle „führen und erheben zu Gott, durch das Gebet.“ Der Gegenſtand dieſer Predigt, welche die unüber⸗
treffliche Erhabenheit der isr. Glaubens- und Sittenlehren, zum Vorwurf hatte, war höchſt ſachgemäß gewählt und ſprach in der Ausführung ſo ſehr den Verſtand und das Herz zugleich an, daß alle Anweſenden, worunter anerkannte geiſtliche Autoritäten, ſich einſtimmig lobend darüber aus⸗ ſprachen. Der Predigt reihte ſich das Schlußgebet an und das Gebet für unſern allgeliebten Landesvater, das Groß— herzogliche Haus, deſſen Räthe, Beamte, Stadt und Ge— meindevorſtände, ꝛc. ꝛc., woauf dann vom Geſangvereine wiederum unter Leitung des Herrn Seminarslehrers Wahl, welcher ſich um den Verein und die gute Sache ſehr ver⸗ dient gemacht hat, Geſänge in deutſcher und hebräiſcher Sprache vorgetragen wurden, die den Beweis lieferten, wie viel guter Wille, Fleiß und Intelligenz vermag, wenu man bedenkt, daß ein Verein, der ſeit kaum einem Jahr be⸗ ſteht, ſo viel leiſtet, daß er öffentlich zur Zufriedenheit ſich hören laſſen konnte und zur Verherrlichung dieſer Feier hauptſächlich beitrug,
Nach völlig beendigtem Gottesdienſte, trennte ſich die Verſammlung gewiß mit der Ueberzeugung, daß dies ein Gotteshaus im wahrſten Sinne des Worts ſei.
Hiermit war jedoch die Feier keineswegs geſchloſſen.
Die Mitglieder des isr. Geſang-Vereins fühlten ſich gedrungen, dem allverehrten Herrn Kreisrath Küchler, als Stellvertreter der hohen Staatsregierung, die Bezeugung ihrer beſondern Verehrung zu erkennen zu geben und brachten ihm gegen 8 Uhr Abends unter Beleuchtung der in vielen bunten Farben prangenden Laternen, eine ſolenne Abend— muſik mit Geſang. Bei dieſer Gelegenheit hielt ein Ehren mitglied des Vereins eine übliche Anrede an den Herrn Kreisrath, worin dieſem in ſehr angemeſſenen Worten für die humane väterliche Leitung der Angelegenheiten aller ihm Untergebenen ohne Ueterſchied des Glaubens, und ins— beſondere für die hohe Protection, die er ihrer, ſo vielen Hinderniſſen begegnenden guten Sache angedeihen laſſen, ein herzlicher Dank dargebracht wurde c. ꝛc.
Dieſer Anrede folgte die Antwort des Herrn Kreis— raths, welche nicht nur alle Glieder des Vereins, ſondern auch alle Anweſenden freudig bewegte, derſelbe äußerte nämlich,
„daß er von jeher keinen Unterſchied der Coufeſſionen
uin ſeinem Wirkungskreiſe gekannt, in dem Menſchen
„nur den Menſchen erſehe und was in ſeinen Kräften
velaͤge, ſtets dazu beitragen würde, dem Prinzipe der
1 8
„Humanität und einem vernuͤnftigen Fortſchrilte zu
„huldigen ꝛc. ꝛc.* l
Nach Abhaltung mehrerer ſehr ſchöner Geſänge, ſo— wohl vom hieſigen als vom Rödelheimer isr. Geſangvereine, welcher letztere ſich dieſer Huldigung anſchloß, trennte man ſich um dieſe Feier des andern Abends durch einen Feſtball im Trapp'ſchen Saale zu erneuern, welcher vom Geſang⸗ verein veranſtaltet wurde. 5
Dieſer Ball, zu welchem alle Stände unſerer Vater⸗ ſtadt geladen und zahlreich erſchienen waren, ging in glän⸗ zender Weiſe von ſtatten, ein einfacher Transparent, mit dem Sinnſpruch„Freut euch und erfreuet,“ woran eine Büchſe zu milden Gaben für die Landeswaiſen ange⸗ heftet, lieferte gleich wie die zu Ehren des Tages von der isr. Gemeinde bereits Tags vorher an die Stadtarmen ver⸗ theilte 200 Leib Brod, das ſo oft bewährte Zeugniß des Wohlthätigkeitsſinnes der Israeliten.
Zugleich hatte man Gelegenheit, ſo viele und ſo eigen⸗ thümliche Schönheiten daſelbſt zu bewundern, wie man ſie eben ſo gerne auf unſern ausſchließlich chriſtlichen Bällen ſehen möchte.
Friedberg im Dezember 1846.
Ein hieſiger Burger.
Brand in Vilbel. In der Mitternachtsſtunde des 23. Dezembers wurden die Bewohner Vilbels durch den Schreckensruf:„Feuer!“ aus dem Schlafe geſchreckt. Bis die Gefahr allgemein bekannt war, und noch ehe die Bewohner des Hauſes ſelbſt etwas ahneten, ſtand der An⸗ bau des Gaſthauſes„zum Landsberg“— eine Scheuer— und der obere Theil des Hauſes ſelbſt ganz in Flammen. Da der Wind von Südweſt heftig blies und ſo die Flam⸗ men über viele naheſtehenden Gebäude warf, ſo war die Gefahr groß, ſehr groß, und kaum konnte man hoffen, daß ohne große Verheerung dem furchtbaren Elemente ent⸗ gegengewirkt werden konne. Doch— Dank dem Himmel
und der guten Feuerordnung!— durch die kräftigen An⸗
griffe unſerer Feuermanuſchaft mittelſt dreier Spritzen und beſonders durch das muthige Einſchreiten einiger Bauhand⸗ werker, die, Waſſerſchlauch und Axt in der Hand, mit wahrhafter Todesverachtung in den Feuerſäulen umher⸗ ſchritten ihrem Feind dem Sieg abzuringen, gelang es der weiteren Verbreitung bald Einhalt zu thun. Mittlerweile erſchien auch noch nachbarliche Hilfe und in kurzer Zeit war Alles gelöſcht. So wurde ein großer Theil des genannten Hauſes gerettet und die geängſtigten und flüchtigen Nach⸗ barn konnten, wenn auch mit bedeutendem Verluſte, doch in gewohnter Weiſe das ſonſt ſo friedliche Cbriſtfeſt feiern. Ueber den Grund der Entſtehung des Feuers hat man noch keine Sicherheit; doch iſt man darin gewiß, daß es ſeinen Anfang in der Scheuer genommen hat, und man vermuthet, daß durch Fuhrleute, vielleicht bei der Fütte⸗ rung, ein Lichtfunke oder gar eine brennende Cigarre den Anfang gegeben habe. 5
Opfer des Branntweins. Am 14. Dezember, Abends gegen 9 Uhr, fanden einige Bewohner von Nieder- weiſel auf der friſch überſchütteten Chauſſe einen bewußtloſen Mann, den ſie in ein Haus brachten, in welchem er den folgenden Tag, ohne wieder zum Bewußtſeyn zu kommen, den Geiſt aufgab. Der Mann war von Obermörlen, hatte in Butzbach dem Branntweinglaſe ſtark zugeſprochen und ſcheint in Folge deſſen auf die Straße gefallen zu ſein. Er hinterläßt eine Wittwe mit 7 unerzogenen Kindern.—
. ̃— ⅛PÄ——..̃§— e...]§FAãꝗ³·. ̃] ̃.,., ̃]§ò̃§⅛Pf...
77 e N


