Ausgabe 
26.8.1846
 
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gen

Intelligenz- Glatt

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſaͤmmtl. Gr. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes.

Sie haben die nachfolgende Polizeiverfügung in Ihren Gemeinden bekannt machen zu laſſen und Beſcheinigung darüber aufzubewahren. j

Friedberg den 18. Auguſt 1846.

b a rer. Polizei Befehl.

Im Einverſtändniſſe mit Kurfürſtlicher Polizeikommiſſion zu Nauheim wird das Gehen, Reiten, Fahren und Treiben von Vieh auf dem Pflaſter der der daſigen Saline zuſtehen⸗ den neuen Soolleitung, in den dazu gehörigen Erdgräben

und auf deren Seitenbedachungen, ſowie dem an einigen

Stellen der Erdgräben befindlichen kleinen Damm, desgleichen das Reiten, Fahren und Treiben von Vieh auf der oberen Seite der dazu gehörigen Erdaufwürfe bei 1 5 Rrhlr. Geld⸗, beziehungsweiſe dreitägiger Gefaͤngnißſtrafe, nach rich⸗ terlichem Ermeſſen, hiermit unterſagt.

Hanau am 6. Auguſt 1846.

Der Landrath.

(gez. Wachs.)

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg

an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes.

Betreffend: In Denunciationsſachen gegen Heinrich Eichenauer, Schrei⸗ 5 ner, 12 Windhauſen und Conſorten wegen Holzfrevels; hier die Vernehmung des Heinrich Lang von Stumpertenrod

bei Gericht.

Sofern ſich Heinrich Lang von Stumpertenrod in Ihren resp. Gemeinden aufhält, haben Sie denſelben im Betretungsfall anzuweiſen, ſich bei Gr. Landgerichte Ulrich⸗ ſtein zur Vernehmung zu ſiſtiren, gegenfalls er gefänglich eingezogen werden würde.

Grünberg am 19. Auguſt 1846.

Ouvrier.

Der alte Vinck.

Um unſere Leſer mit dem Charakter des in Nr. 65 d. Bl. erwähnten verſtorbenen Oberpräſidenten von Vincke näher bekannt zu machen, theilen wir hier aus derSpin n⸗ ſtu be folgende Erzählung mit.

Die preußiſche Provinz Weſtphalen hat im Laufe des Jahres 1844 einen Mann verloren, an dem ſie mit voller Liebe hing, Preußens König einen ſeiner treueſten und tüchtigſten Diener, Deutſchland einen ſeiner Ehrenmän⸗ ner ich meine den Ober⸗Präſidenten Freiherrn von Vincke. Das war Einer vom ächten Schrot und Korn, der den Kopf und das Herz an der rechten Stelle hatte. Sein König hatte ihn hochgeſtellt, und, meiner Treue! er hatte es ver⸗ dient. Mild und leutſelig gegen Jedermann, zugänglich dem Aermſten im Volke, bereitwillig zu helfen, wo er konnte, geduldig im Anhören auch der langweiligſten Klagegeſchich⸗ ten(und dazu gehört etwas; denn manche Leute fangen, wenn ſie von heute erzählen wollen, allemal von Anno 1 an); bieder, kräftig, ſtreng für das Recht; thätig von Morgens früh bis Abends ſpaͤt; ſo war der Mann, der der großen Provinz vorſtand, deren Wohl er im Herzen trug. Dabei trat er ſo anſpruchslos und beſcheiden auf, daß Niemand in dem unſcheinbaren Männchen den Ober⸗Präſidenten ver⸗ muthete. Er liebte es, in ſeiner Provinz überall ſelber nach⸗ zuſehen. Dann machte er meiſt, wie man ſich in Weſtphalen erzählt, die Reiſen zu Fuß, trug ſeinen blauen Staubkittel und ſeinen Stock und rauchte ſein Pfeifchen, daß es eine Art hatte. Faule Beamte waren ihm ein Dorn im Auge. Denen rückte er unverſehens vor die Schmiede und rieb ihnen den Kümmel, daß es eine Pläſir war. Er fing manch⸗ mal den Vogel auf dem Neſte, wenn er ſo einen auf der Mucke hatte.

So kam einmal Vincke zur Kenntniß, daß ein adeliger Landrath nicht des Landes Rath war, ſondern des Landes Faulpelz und Langſchläfer, auch wohl des Landes Erzflegel, denn er hundzte die Bauern ab, als ſeien ſie ſeine Sklaven. Nun hatte der Landrath wohl ſchon dem Ober⸗Präſidenten