% 400. ſchwinden und eine ſittlich bildende Unterhaltung ihre Stelle
rum?— Weil er gerufen hat:„Laßt den Bauer leſen!/ und weil wir Bauern ſind,— und weil wir 'n Leſeverein haben,— und weil der mehr wirkt, als ſo'n Mäßigkeits verein.— Da leſen wir denn in Zſchokke's Haus— kreuz,— in der Brantweinpeſt,— in dem Pfarrer Strack ſeinem Mäßigkeitsbüchelchen,— daß unſer einem die Haut ſchaudert, und ſo'ne Geſchichte mehr frucht't, als all' die Reden der Mäßigkeitsvereinler.— Uud wenn wir Bauern dann auf unſerm Dorf im Winter alle 14 Tage zuſammen auf die Rathhausſtub' gehen, wo uns unſer Herr Pfarrer, oder unſer Herr Lehrer ſo'ne Geſchichte erzählt, oder vorlieſt, und dann mit uns ſpricht wie'n guter Freund mit'm andern, wie ſo'n gemeiner Mann auch, und wir uns dann unterhalten über Verbeſſerungen in unſerm Dorf, in unſerer Gemarkung, oder in unſerm Haus, in unſerer Familie, ſo lacht unſer einem das Herz im Leibe, und wir glauben die Bewohner jenes glücklichen Dorfes zu ſein, in welchem Peter Lang Bürgermeiſter war. Es wird von dieſem Mann nämlich in dem Herrn Metzger aus Heidel— berg ſeinem Bauernſpiegel erzählt,— ſo'm Buch wie es eben für'n Landmann recht tauglich iſt.— Anfangs wollten hier die Bauern nicht viel wiſſen von ſo'm Leſe— verein. Es traten erſt wenige zuſammen, aber mit jedem Jahr mehrte ſich das Häuflein, ſo daß jetzt das ganze Dorf dabei iſt. Drei Jahre lang waren nur die reicheren Bauern bei dieſem Verein, bis Bücher genug da waren, wo dann die ärmeren Ortsbürger dieſe umſonſt zu leſen bekommen.—
Neulich hat unſer Herr Pfarrer ſo'n Aufſatz, wie der Hüttenberger, in ſo'n Leſevereins-Organ, wie er ſagt', dinrücken laſſen, wie ich mir den Anfang davon hier abge⸗ echrieben habe. Oben d' rüber ſteht.
„Leſevereine, Ortsbibliotheken, Volksbibliotheken,“
und ſo neben rechts an der Seite etwas klein gedruckt:
„Die Welt wird alt und wird wieder jung, Doch der Menſch hofft immer Se
chiller.
Dann heißts: i
„Die Zeit mahnt mit heftigem Dringen zur Grun dung ſolcher Inſtitute, die die Fortbildung des Volkes zu ihrem Zwecke haben. Die Volksſchulen reichen nicht aus; — die Zeit fordert mehr.—.
Der Knabe oder das Mädchen aus der Schule ent— laſſen, finden auf dem Dorfe für ihre weitere Forbildung ſehr wenige, ja faſt gar keine Mittel. Die Erholungsſtunden des Jünglings, die Zeit, welche der ſittlichen Stärkung und weiteren Entwickelung gewidmet ſein ſollte, wurden in dem Tabaksqualm der Dorfſchenke, beim Brantweinglas und Kartenſpiel, hingebracht,— die der Jungfrau in den Licht— kränzen oder Spinnſtuben, wo gar oft der gläubig frommen Tochter der Natur der Keim des Aberglaubens eingeimpft — wo gar oft dem ſchuchternen Mädchen durch rohe Reden, durch zotigen Geſang auf ihren Wangen die Röthe der Scham hervorgerufen wird,— oder wo durch freche Kupp— lerinen Bündniſſe zu Stande gebracht werden, die nicht im Himmel geſchloſſen ſind; welche die Tochter dem Herzen ihrer Eltern entfremden, das Glück ihrer Jugend und ihres ſpäteren häuslichen Lebens ſtören.—
Dieſem Uebel unſerer Zeit entgegenzuwirken iſt eine heilige Pflicht der Freunde des Volks, vor allem der Leh— rer, denen die Pflege der Jugend, die Seelen der Erwach- ſenen anvertraut ſind. Eins der zweckmäßigſten Mittel, dieſem Unweſen entgegen zu treten, ſind nun wohl unſtreitig die Leſevereine, die Orts- und Volksbibliotheken. Das Leſen eines Buches feſſelt den Jüngling und die Jungfrau in ihren Erholungsſtunden, und der Inhalt deſſelben wird dann in der Schenke oder der Spinnſtube den Stoff der Unterhaltung bilden. Die früheren Rohheiten werden ſo allmählig ver⸗
einnehmen. Wo Bildung aber herrſcht iſt auch Wohlſtand, denn Unwiſſenheit iſt, wenn nicht die Mutter, denn doch die Schweſter der Armuth, und wo Sittlichkeit in den Hütten der Landleute als rathender Genius thront, da wird auch deren Thun mit Segen gekrönt. Tüchtige Volksſchriften aber führen den ſchlichten Landmann, wenn auch nur allmaͤh⸗ lig, zur beſſeren Erkenntniß und höherer Sittlichkeit.—“
Es muß bei der Auswahl der Bücher für den Land⸗ mann vor allem darauf geachtet werden, daß ſie belehrend
und unterhaltend, ſittlich, verſtändig, anmuthig und anziehend zugleich ſind. Denn„die vom Spültiſch, vom Flegel, von
der Tagesarbeit müde, ſchrundige Hand, wie mühſelig dreht ſie Blatt für Blatt im Buche um! Der zum Denken ſchwer⸗ fällige Kopf, wie lange hält er beim Leſen gerne aus? Die Zunge, die Geſchriebenes und Gedrucktes gebrochen
und kaum verſtändlich in Laute umſetzt, wie lange wird ſie
die mühſame Arbeit gerne fortſetzen.“ Alſo gehe man bedacht— ſam zu Werke bei der Wahl der Schriften für's Volk. Denn was es geleſen und verſtanden hat, wurzelt feſt in ihm, eben weil es nur Weniges und auch dieſes nur mit großer Muſe lieſ't.— i
Die Auswahl der Bücher iſt unſtreitig die ſchwierigſte Aufgabe bei einem Leſevereiu oder einer Ortsbibliothek, ſte wird aber von Tag zu Tag erleichtert.— Drei deutſche Vereine haben ſich ſchon für das Volksſchriftenweſen gebil⸗ det, die nicht nur durch Sonderung der beſſeren Bücher die Auswahl erleichtern, ſondern auch dieſe durch Wohlfeilheit dem Volke zugänglicher zu machen ſuchen Es ſind dies: der Zwickauerverein,— der Zſchokkeverein, — und der Würtembergerverein.— Von dieſen Volksſchriftenvereinen ſagt ein Neuerer:„Sie ſeien eine Vermittlung zwiſchen Religion und gebildetem Wiſſen, eine Mauer gegen den Pietismus und deſſen unſeelige, die Zeit und die geiſtigen Kräfte des Volkes durch Unwiſſenheit 17 oft nur ſcheinbare Weltverachtung verdumpfende Beſtre⸗ ungen.“— 0
Neben dieſen Vereinen muͤſſen wir das ſeit mehreren Jahren ſchon beſtehende Volks- und Centralblatt von Dr. Haas rühmlichſt erwähnen.—(Schluß folgt.)
B,. 1
Am 11. J. M. verunglückte durch den Einſturz einer Sandgrube der hieſige Bürger Jacob Schlegelmilch, 38 Jahre alt. Durch Zerſchmetterung des Hirnſchädels blieb er auf der Stelle todt und hinterläßt eine Wittwe mit 7 unmündigen Kindern, von denen das älteſte 12 Jahre und die beiden jüngſten, Zwillinge, erſt 1 Jahre alt ſind. Ganz vermögenslos, da das Häuschen, welches ſie beſitzen, mit 500 fl. Kapitalſchuld belaſtet iſt, befindet ſich die Wittwe in einer beklagenswerthen Lage und es bedarf keiner Worte, um in dieſer bedrängten Zeit die äußere Noth dieſer Familie zu ſchildern und das Erbarmen edler Menſchenfreunde rege zu machen, ich füge blos die Bitte hinzu, daß dieſelben ſich eine Weihnachtsfreude durch Gaben chriſtlicher Liebe bereiten und mir oder dem Herausgeber dieſes Blattes ſie zukommen laſſen mögen.
Aſſenheim am 14. December 1846. i
Bornagius, Pfarrer.
Empfangsbeſcheinigung. Für Caspar Heidt in Grünberg iſt ferner bei mir eingegangen:
von Hr. H. Hock, Müller in Aſſenheim, 1 fl., von einem Ungenannten
24 kr.; Geſammtbetrag: 27 fl. 1½ kr. Friedberg den 17. Dezember 1846.
C. Bindernagel.
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