Ausgabe 
14.11.1846
 
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letztes Vergnügen noch nehmen, ſo, und ein derber Fluch ſchloß den Satz. 0

Haltet den Kerl feſt, ſchrie eine vierte Stimme, und gießt ihm den Hals voll Branntwein, bis er dudeldick iſt und dann ſchickt ihn heim zu ſeiner ſaubern Sippſchaft.

Halt!, rief der Lahme faſt gebieteriſch, als einige halbangetrunkene, wüſte Geſellen Miene machten, dieſe Dro hung zu erfüllen,halt ſage ich, ich habe ein Recht, ſo zu euch zu ſprechen, ich habe mehr für den Branntwein gethan, als ihr Alle und damit nahm er ſein Kind au die Hand und ſetzte mit faſt brechender Stimme hinzu: ich habe um des Schnapſes willen mein eignes Kind zum Krüppel geſchlagen!,

Das arme Büblein aber klammerte ſich an den Leib des Vaters und weinte laut und rief:Komm fort, Vater komm, ſie thun dir ein Uebels.

Der Alte legte dem Kinde die Hand auf den welken Kopf und ſprach:Sei ſtille, mein Sohn. Er hat ſei nen Engeln über dir Befehl gethan, daß ſie dich auf den Händen tragen, und ſo lange du bei mir biſt, fürchte ich auch für mich nichts. Damit ſtemmte er die eine Krücke feſt unter den linken Arm und hob das Büb lein mit dem rechten in die Höhe, legte es an ſeine Bruſt und ſagte mit ſtarker Stimme:Wer will mich an rühren! Da wich das Geſindel zurück und murrete nur noch leiſe, wie fernes Gewittergrollen. Er aber ſetzte das Söhnlein wieder nieder, ſtrich ſich mit der Hand über die Augen, ſeufzete und ſprach:Ich will euch meine Ge ſchichte erzählen. Ettiche Galgengeſichter kehrten ſich zwar um, legten ſich in den Graben und thaten, als ob ſie ſchla feu wollten, die meiſten aber blieben ſtille ſitzen und auch der Goliath behielt ſein eines Auge offen, blies den Ta backsrauch in ſchweren Wolken von ſich und hörte nach denklich mit zu.

Der Lahme griff wiederum in die Taſche, holte das Buch heraus, ſchlug es auf, blätterte ein Weniges darin und las:Der Herr wird dich ſchlagen mit einer böſen Drüſe an den Knieen und Waden, daß du nicht kannſt geheilet werden, von den Fußſoh⸗ len an bis auf die Scheitel. Und wirſt ein Scheu ſal und ein Sprüchwort und Spott ſein unter allen Völkern, da dich der Herr hingetrieben hat.

Seht, fuhr er dann fort,das alles iſt erfüllet an mir. Ich war auch Einer eures Gleichen und hatte einen geſunden Leib, wie ihr. Ich habe, wie ihr, an der Eiſen bahn gearbeitet und war dort ein Knecht des Branntweins

geworden. Ich hatte einen feſten Bund mit dem Teufels

trank gemacht und habe lange bei ihm ausgehalten und nicht von ihm laſſen wollen. Bei einer Schlägerei im trunkenen Muth empfing ich den Stich hier unter die Herz grube, und habe mich 4 Wochen im Bette gekrümmt wie ein Wurm, aber ich warf meinen Haß nicht auf den Brannt⸗ wein, ſondern nur auf den Valentin Henſel, dem aber doch erſt der Schnaps den Arm zu dem Stiche geführt. Ich bin des Branntweins wegen ins Zuchthaus gewandert, aber ich blieb doch ſein beſter Freund. Er war mir lieber, als Weib und Kind. Die Thränen meiner Frau rührten mich nicht, das Elend meiner Kleinen jammerte mich nicht mehr. Ich konnte mein Weib nicht länger um mich leiden und mochte meine Kinder nicht mehr ſehen alle meine Luſt und Liebe war der Branntwein. Ich habe fuͤr den Brannt wein Alles hingegeben, was ich hatte, Hab' und Gut, Geſundheit, Ehre und guten Namen, und nun ſehet her, wie er es mir gelohnt hat. Eines Tages zankte ich mich mit meinem Weibe und ſchlug mich mit ihr, denn ich wollte Geld von ihr haben zum Schnapſe, und als ich ihr die letzte Wäſche mit Gewalt weggenommen und an den Juden

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verkauft hatte, da fluchte ſie mir und ſtürzte in Verzweif⸗

lung aus dem Hauſe; ich aber ging nach der Schenke.

Wenige Stunden darauf brachten ſie die Leute todt in das

Haus zurückgetragen ſie hatte ſich erſäuft. J

geholt man hatte ſie in die Stube 10 5 2 und als die Gerichtsperſonen fort waren, mußte ich allein bei ihr bleiben, denn ich wagte mich an dieſem Abend nicht wieder in die Schenke. Ihr Angeſicht war ſchrecklich ver⸗

zerrt und ſah blau aus, als wäre ſie mit einem Fluche auf den Lippen geſtorben, und ihre Hände waren

geballt, als wollte ſie noch im Tode mit der auſt mir drohen. Mit dumpfem Brüten ſtarrte ich auf 0. die Haut ſchauderte mir und mein Haar ſträubte ſich, aber ich ließ doch nicht vom Branntwein. Er ſollte mir die finſtern Gedanken vertreiben und ich ſchickte mein jüngſtes Kind nach der Schenke, nm mir fuͤr die Nacht eine Flaſche Schnaps

zu holen. So ſaß ich nun in der Dämmerung allein in

der Stube und konnte meinen Blick nicht von der Leiche verwenden, es überlief mich eiskalt, mir war's als hüben ſich ihre geballten Faͤuſte in die Höhe und die Angſt packte und würgte mich und ſchnürte min ganz die Kehle zu. Ich dachte aber an nichts, als an den Branntwein, nachdem ich geſchickt hatte, und ſetzte meine ganze Hoffnung auf ihn, daß er mir dieſe Angſt vertreiben ſollte. Das Kind aber wollte und wollte nicht wieder kommen, und je länger ich harrete, um ſo höher ſtieg meine Angſt und mein Verlangen. Zuletzt ergriff mich eine förmliche Wuth nach Branntwein, mir zitterten meine Glieder vor Begier, ich trat ans Fen⸗ ſter und als ich endlich den Jungen ſah um die Ecke kom⸗ men, ſprang ich auf ihn zu und brüllte ihm entgegen: her mit der Flaſche! Doch das Kind ſchluchzte, es habe ſie zerbrochen und der Branntwein wäre ausgelaufen. Da packte mich der böſe Feind mit ſeinen Krallen, eine namen⸗ menloſe Wuth überfiel mich und ich griff das Kind an der Schulter nnd ſchleuderte es mit Rieſenkraft an die Wand, daß es ächzend zuſammenſank und wie todt liegen blieb. Als ich ſah, was ich gethan, rannte ich wi unſinnig fort, wohin, das wußte ich nicht aber die Strafe Gottes eilte hinter mir her. Die Nacht war finſter, ich ſtürzte vom Rande des hohlen Grabens vor dem Dorfe hinunter auf

einen großen Stein und zerſchmetterte mir beide Kniee.

Da habe ich denn gelegen die ganze Nacht unter den ent ſetzlichſten Schmerzen. Ich heulte vor Angſt, doch Nie mand hörte mich und die Qual inwendig war noch größer, denn ich hörte immer das Hohnlachen der Hölle um mich her. Am andern Morgen fanden ſie mich und ſchleppten mich wie einen Hund in das Hirtenhaus. Da warfen ſie mich auf ein elendes Strohlager. Keine Seele hatte Mit leiden mit mir, kaum daß der Feldſcheer nothdürftig meine Wunden verband. Sie wurden immer gefährlicher, denn Säuferblut heilt ſchwer. Erſt als der Brand hinzukam, holte man endlich einen Doctor. Der rathſchlagte lange,

ob er mir die Füße abnehmen ſollte, oder nicht. Er hat

viel dran herumgeſchnitten, aber es wuchs immer wieder wild Fleiſch nach und lange, lange wollten die Wunden gar nicht zuheilen. Was ich da in den langen Winter⸗ nächten, nachdem ich nun mit Gewalt nüchtern geworden war und vor Schmerzen nicht ſchlafen konnte, für Höllen qualen ausgeſtanden habe, kann ich nicht beſchreiben. Aber ob mich auch alle Menſchen flohen, wie die Peſt, die Liebe

Gottes hatte mich doch noch nicht aufgegeben und der

Diener ſeines Wortes nahm ſich meiner an und beſuchte mich in meinem Elend, und als ich vor ihm heulte und winſelte, wie Einer, der in die ewige Verdammniß faͤhrt, da richtete er meinen Blick zuerſt wieder empor, daß ich mit Zittern glauben lernte, die Gnade Gottes ſei auch für mich Fluchwürdigen noch groß genug daß ich endlich

ihn nich weinsten richtel. ſinken, reichen, und fan dbet fuhr ergtiffd

Bern

1373 gen Ge fonds dabi Bawer pe Ockſtadt! leihfällige minen, in gens um einander tend berp 1) Mon Gem Echn 2) Olſenſt Markus Blofe Sodann ſteigerung gendes, 1 auf einen Verpachtu Friedb

an Kar/ 5 eltnertheilt deſſegert.

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