Unfall 5 ſo beſtrafte ſich in ihm jugendlicher Vorwitz
und die Nichtbeachtung der Turngeſetze; allein traurige Fol-
gen haben wir nicht zu beklagen. Wohl aber müſſen wir ſehr beklagen, daß unſer Verein noch nicht die Theilnahme gefunden hat, welche ihm gebühren dürfte. Wir haben dem Schulvorſtand den Turnplatz zu unentgeltlicher Benutzung angeboten,— die Schuljugend turnt bis jetzt noch nicht! Doch hoffen wir, daß mit nächſtem Frühjahr von unſerm Anerbieten Gebrauch gemacht werde, indem nicht nur die Lehrer der Jugend, ſondern auch Mitglieder des Schul— vorſtandes dem Vereine beigetreten ſind. Möchten auch die übrigen Angeſtellten dieſem Beiſpiele folgen! Nur Einer von ihnen gehört unſerm Vereine an. Viele unſerer Mitbürger, die ſonſt bereit ſind, gemeinnützige Unternehmungen mit regem Eifer zu fördern, verſchmähen es, der Turnſache das Wort zu reden, und mancher Jüngling, manches Mutter⸗ ſöhnchen, dem der Turnplatz ein herrliches Bildungsmittel ſein könnte, ſchlendert an ihm vorüber und lächelt über ſeine Ausſtattung oder hält unſere Beſtrebungen für Kinderpoſſen. Dieſe Erſcheinungen muntern nicht auf, zumal wenn wir ſehen, wie in den benachbarten Städten eine rege Theilnahme ſich an den Tag legt; aber ſie werden uns nie abhalten können, auf der betretenen Bahn fortzufahren, und die Ein⸗ drücke, welche unſerm Vereine von jenen großartigen Turn⸗ feſten auf dem Feldberg und in Heilbronn geblieben ſind, wurzeln im Herzen zu tief, als daß ſie uns nicht treu der Turnſache erhalten ſollten.“
„Zuletzt noch eine Bitte an Euch, verehrte Turn⸗ freunde! Mit dem Klettern und Laufen, dem Schwingen und Springen, der körperlichen Kraft und Gewandtheit iſt es noch nicht gethan. Dies allein macht den Turner nicht aus. Die körperliche Ausbildung ſoll nur dem geiſtigen Streben den Weg bahnen. Und wenn auf dem Turnplatze in dem Sommer der Körper ausgebildet wurde, ſo ſoll in dem Winter bei fortwährender körperlicher Uebung ein geiſtiges beginnen, damit auch die rauhen Außenſeiten des Turners, welche hier und da noch hervortreten, abgeſchliffen
werden. Statt der ſeitherigen monatlichen Zuſammenkünfte
werden wir im Winter wöchentliche, Mittwoch Abends von 7 Uhr an, halten, theils um paſſende Geſänge einzuüben, theils um uns Fertigkeit im Vorleſen, im muͤndlichen und ſchriftlichen Vortrag anzueignen, uberhaupt um durch das, was dort getrieben wird, des Turners geiſtige Bildung zu vermitteln.— Wohnet daher dieſen Verſammlungen recht oft bei, und helfet den friſchen, freien, frommen, fröhlichen Turnerſinn nähren und pflegen. Euch insgeſammt, meine verehrten Turufreunde— und hier ſchließe ich Euch, Frauen und Jungfrauen, die Ihr den ſchönſten Kranz bei Aus⸗ ſchmückung dieſes Platzes bildet und durch Eure Anweſen⸗ heit und Euren Beifall den Turner aufmuntert, mit ein— bringen wir ein herzliches Gut Heil!“
Hierauf folgten noch einige Märſche, Kibitzen⸗- und Schneckenlauf, ein Dauerlauf von beinahe 10 Minuten ſchloß die Feier. Man klatſchte Beifall, und der Buͤrger⸗ meiſter, Hr. Seippel, brachte im Namen der Turnfreunde der wackeren, wenn auch kleinen, Turnerſchaar ein dreifaches
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Gut Heil! Es fand allgemein Beifall, daß dieſer Gruß eben durch den Vertreter der Stadt gebracht wurde, und ich hoffe, daß die ſtädtiſche Behörde die Vorurtheile, welche dem Gedeihen des Turnens noch entgegen ſtehen, beſeitigen werde. b Unter Vortritt der Muſik und der Trommler verließ man den Turnplatz. Das Turnen kann nicht genug„ werden. So muß man es dem hieſigen Turnverein Dank wiſſen, daß er das Abturnen auf das Kirchweihfeſt verlegte, und ich hoffe, daß das Turnen von den Städten aus auf die Dörfer ſich verbreitet, daß die Turner mehr ſingen und die Sänger mehr turnen werden. Da der Director des hieſigen Sangvereins Orpheus auch ein rüſtiger Turner iſt, ſo darf man in dieſer Hinſicht Etwas erwarten.— Turner und Sänger, Ihr könnt Vieles thun zur Veredlung der Volksfeſte, Ihr könnt den böſen Geiſt der Rohheit bannen, das neue Geſchlecht kräftigen und des Dichters Worte ver⸗ ſinnlichen: Denn wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes ſich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang! Butzbach am Schluſſe des September 1846. Ein Turnfreund.
Schnittverzierung an Büchern.
Sehr lange und allgemein bekannt iſt das Spren⸗ gen des Schnittes, d. h. das Aufſpritzen feiner Farbetröpf⸗ chen mittelſt des Pinſels. Auf folgende Weiſe wird eine ſehr gefällig ausſehende Abänderung dieſer Verzierung er⸗ langt: Man ſprengt den Schnitt fein und gleichmäßig mit einer beliebigen hellen Farbe, oder ſtreicht ihn einfarbig an, oder läßt ihn allenfalls auch ganz weiß; legt dann eine netz- oder gitterartig durchbrochene Patrone(Schablone) darauf, und ſprengt nun mit einer dunklern Farbe. Da dieſe nur durch die Oeffnungen der Patrone auf den Schnitt gelangen kann, ſo empfängt dieſer die in der Patrone aus⸗ geſchnittene Zeichnung mit dunkler Sprengfarbe auf hellem Grunde, oder nach Umſtänden erſcheint das Ganze wie ein Netz von heller Farbe auf dunklem Grunde. Die Patronen werden aus dünner Kartenpappe gemacht, und der Dauer⸗
haftigkeit wegen mit Oelfarbe angeſtrichen. Die darauf
vorgezeichneten Figuren oder Muſter werden mit dem Feder⸗ meſſer ausgeſchnitten, oder— ſofern ſie geradlinige Umriſſe darbieten, mit ſcharfgeſchliffenen Tiſchlereiſen(Stemmeiſen, Stechbeiteln) ausgehauen, welches letztere Verfahren unge⸗ mein zeitſparend iſt. Man iſt in der Wahl der Zeichnungen ſehr wenig beſchränkt, und kann z. B. auch Buchſtaben oder dergl. anbringen; bisher ſind aber ausſchließlich gitter⸗ oder netzartige Verzierungen vorgekommen.
Das Weſentliche in vorſtehender Notiz verdanke ich der gefälligen Mittheilung des Hrn. Profeſſors Alt mütter zu Wien. Ich kann hinzufügen, daß ein dem Principe nach verwandtes, aber ſtets nur unregelmäßige Zeichnungen gebendes, daher weit weniger vollkommenes Verfahren ſchon länger bekannt iſt. Es beſteht darin, den Schnitt des Bu⸗
orn hauſe


