Ausgabe 
12.12.1846
 
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bendes Bild von der gewöhnlichen Erziehungsweiſe unſeres Volkes. Ein weites Feld nützlichen Wirkens iſt hiermit den Geiſtlichen, den Lehrern, ſowie den Kirchen- und Schul⸗ vorſtänden geöffnet. Ihnen liegt es ob, durch Belehrungen und gute Beiſpiele ein beſſeres Familienleben zu befordern. Doch man darf nichts Unmögliches von Ihnen verlangen. Sie ſtehen theilweiſe den einzelnen Familien zu ferne, um die einer Jeden eigenthümlichen Fehler in der Erziehung mit Gewißheit zu erkennen und zur gehörigen Stunde über dieſelben Belehrung zu ertheilen. Wenigſtens iſt es zu wünſchen, daß ihre Wirkſamkeit durch das freiwillige liebevolle Entgegenkommen der Beſſeren im Volke gefördert werde. Iſt eine Geſellſchaft zuſammengetreten deren Abſicht es iſt auf eine heilſame Erziehungsweiſe im Volke hinzuwirken, ſo muß ihr bloßes Daſein ſchon für ei⸗ nen Jeden eine Aufforderung werden, bei ſich zu bedenken, ob er ſeine Kinder auf die rechte Weiſe behandelt habe. Die Mitglieder des Vereines werden gleichſam genöthigt, ihren Nachbarn und Bekannten mit einem nach ahmungswerthen Beiſpiele in dem Familienle⸗ ben voranzugehen. Bei den öffentlichen Verſammlungen werden Erziehungsgrundſätze auf eine gemeinverſtändliche Weiſe behandelt: es werden Schriften verbreitet, welche dem Volke in der Behandlung der Kinder den Weg zeigen ſol⸗ len. Zudem fühlen ſich die Theilnehmer der Geſellſchaft berufen und verpflichtet, ihre Freunde und Bekannten bei paſſender Gelegenheit über die begangenen Fehler mit ſanft⸗ müthigem Geiſte zurechtzuweiſen. Sollten ſie darum nicht der Sauerteig werden, daß die Maſſe des Volkes allmäh⸗ lig immer beſſer und beſſer die Jugend aufziehen lerne in Zucht und Vermahnung zum Herrn? Und ſollte nicht ein Peſtalozziverein, wie ich mir ihn denke, auch für die Er⸗ richtung und zweckmäßige Leitung von Kleinkinder⸗ und Indu⸗ ſtrieſchulen und Fortbildungsanſtalten wohlthätig wirken kön⸗ nen? Den Nutzen, ja die Nothwendigkeit derſelben brauche ich nicht weiter anseinander zu ſetzen. Es iſt ſchon öfters in die⸗ ſem Blatte davon die Rede geweſen. Und dennoch wollen ſie noch immer, beſonders auf dem Lande, keinen glücklichen Fortgang haben. Bisweilen iſt der Mangel an Geld, bisweilen auch der Mangel an Anregung die Urſache da von. Wird nun durch den Verein die Lehre gegeben, wird der Sinn für beſſere Erziehung geweckt, ſo werden ſich auch in den meiſten Orten Mittel und Wege finden, das Bedürfniß zu befriedigen. Sind einmal hier und dort der⸗ gleichen Anſtalten ius Leben getreten und haben ſie ſich als heilſam bewährt, ſo wird, das bin ich überzeugt, eine

Gemeinde der andern folgen. Durch den Verein ſoll ja auch der Wohlthätigkeitsſinn geweckt werden, daß ein Je⸗ der bereitwillig nach ſeinem Vermögen ſeine Gabe bringt, um die Erziehung der Jugend auf einen beſſeren Stand⸗ punkt zu heben. Herr gebe es, daß ſie es erlaubt, ſo wird ſie, wenn es nöthig iſt, nach Kräften unter die Arme greifen. Jeden⸗ falls ertheilt der Verein mit Freuden ſeinen Rath und ſeine Erfahrungen mit über die zweckmäßige Einrichtung, über taugliche Lehrer, Lehrerinnen u. dergl.

Sollte ich nach bieſen Erörterungen noch noͤthig haben, die Menſchenfreunde zur Theilnahme an dem beabſichtig⸗ ten Vereine zu ermuntern? Iſt nicht der ſehnliche Wunſch uns Allen nahe gelegt, daß die Begründung des Ver⸗ eines, wenn ſie bisher auch aufgeſchoben wurde, doch nicht aufgehoben ſei! Möchte der 12. Jan u⸗ ar 1847 ins Leben rufen, woran man im Jahre 1846 vorgearbeitet hatl!

Ein Verehrer Peſtalozzi's.

Kirchenbuchsauszug vom September 1846. Ulrichſtein.

Getraute: Keine. Getaufte:

27. Ein unehelicher Sohn, Conrad, geb. den 6. Sptbr.

27. Eine anerkannt uneheliche Tochter, Katharina, geb. den 26. Auguſt.

Beerdigte:.

23. Anna Maria Alt, des hieſigen Buͤgers und Ackermannes Conrad Alt, nachgelaſſene Wittb., eine geborne Stöhr von Selgenhof, alt 76 Jahre, 7 Monate, 9 Tage, 1 den 20. September.

Concert.

Ein hier beſtehender muſicaliſcher Verein beabſichtigt, Sonntag den 13. December, Abends 6 Uhr, zum Beßten der Kleinkinderſchule dahier im Saale des Herrn Gerlach ein Concert zu geben, und ladet das verehrliche Publicum zu zahlreichem Beſuche freundlichſt ein. Billets à 18 kr. ſind bei Herrn Gerlach zu erhalten; an der Kaſſe iſt der Eintrittspreis auf 24 kr. feſtgeſetzt.

Friedberg den 6. December 1846.

Erlaubt es die Vereinskaſſe, und der

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

a νιν

Frucht⸗Verſteigerung. (1780) Dienſteg den 15. d. M., Vormit⸗ tags 10 Uhr, werden in der Behauſung des Großh. Bürgermeiſters dahier verſteigert:

95 Malter Waizen,

130Korn, 70 Gerſte und 60 Hafer.

Obererlenbach den 3. Dezember 1846. Der Grfl. Ingelheim'ſche Domänenverwalter Ohmeis.

Edicetalladung.

(1688) Sowohl die bekannten, als unbe⸗ kannten Gläubiger des Hartmann Bernhard von Meiches, gegen welchen Gr. Heſſ. Hof⸗ gericht zu Gießen den förmlichen Concurs⸗ proceß erkannt hat, haben ihre Forderungen an denſelben den 21. Januar k. J., Vormit⸗ tags 9 Uhr, ſogewiß dahier anzuzeigen und

zu begründen, widrigenfalls ſie dann von der Maſſe ausgeſchloſſen werden. Ulrichſtein den 19. November 1846. 5 Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Zimmermann. Brück.

Verſteigerung. (1760) Auf freiwilliges Anſuchen des Gott⸗ ſchalk Simon dabier, werden Mitwoch den 23. d. Mts., Morgens um 10 Uhr, die in hieſiger Gemarkung liegenden Grundſtücke circa 5 bis 6 Morgen, unter den bei der Verſtei⸗ gerung bekannt gemacht werdenden Beding⸗ nißen auf hieſigem Rathbauſe verſteigert.

Der Flurſchütz dahier iſt angewieſen auf Verlangen nähere Auskunft darüber zu geben. Fauer bach II. den 10. Dezember 1846.

Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Philippi.

Wieſen⸗ Verpachtung. (17600 Künftigen Montag als den 14. d. M., Vormittags 10 uhr, ſollen die Gräflich Solms Laubachiſche Wieſen in Altenſtädter Gemarkung, zu Altenstadt in der Behauſung des Gaſtwirths Holzapfel und Dienſtag den

15. d. M., Vormittags 10 Uhr, desgl. in Höchſter und Oberauer Gemarkung in der Behauſung des Wirths Altvater zu Höchſt, öffentlich meiſtbietend auf 9 Jahre verpachtet werden, welches zur öffentlichen Kenntniß bringet.

Engeltbal den 8. Dezember 1846.

Der Gräfl. Solms⸗Laubachiſche Rentmeiſtet

Grupp é.

Bekanntmachung.

(1762) Samſtag den 16. Januar k. F.,

Morgens 9 Uhr, ſoll auf die Klage des Kir⸗

chenvorſtandes zu pfaffenwiesbach, das Wohn⸗

haus der Johannes Gecks II. Eheleute, zu

Dornaſſenheim, auf dem Rathhauſe daſelbſt

öffentlich meiſtbietend verſteigert werden.

Reichelsheim den 7. Dezember 1846. Herzogl. Naſſ. Landoberſchultheißerey Viet or, v. c.

PVerſteigerung. (1763) Dienſtag den 22. l. Mts., Nack.

mitkags um 2 Uhr, werden in hieſigem Rath⸗ hauſe, von dem Fruchtvorrath des Auguſtiner

Schulſpeichers, 60 Malter Korn, aus dieß

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der? 5 ſleſſ Mili

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