Der allgemein geehrte Kreisrath war verhindert, dem Feſte beizuwohnen, was von allen, die ihn kennen, bedauert wurde. Es war ein freundlicher Anblick, zu ſehen, wie hier auf ſteilem Fußpfade die Wandrer heranzogen, ſchon aus der Ferne die früher eingetroffenen Freunde begrüßend, wie dort von einer vorſpringenden Felſenkuppe ruſtige Männer herabſtiegen. Mit Herzlichkeit begrüßten ſich die Gäſte unter einander, alte Bekanntſchaften wurden erneuert und neue
Freunde gefunden.
Ich fühlte mich wohl unter den biederen Männern, und hatte ſchon manch anregendes Wort vernommen, als der Vorſitzende die eigentliche Conferenz eröffnete. Die Leh—⸗ rer trugen zuerſt einige mehrſtimmige Geſänge vor, unter denen auch Luthers Heldenlied nicht fehlte. Hierauf wurde über Gründung eines Leſevereins für die Lehrer verhandelt und zugleich eine Commiſſion zur Entwerfung von Statuten erwählt. Einige Abhandlungen, namentlich eine„über den erziehenden Einfluß des Lehrers außer der Schule“, eine andre„über das dringende Bedürfniß, daß beim gramma— tiſchen Unterricht in der deutſchen Sprache eine größere Uebereinſtimmung in der Terminologie Statt finde“, wurden verleſen und gaben Veranlaſſung zu einem lebhaften, durch 1 und paſſende Anekdoten gewürzten Gedankenaus— tauſch.
Die nächſte Conferenz ſoll am erſten Montag des Monats Mai 1847 in der Stadt Grünberg gehalten wer— den. Zur Beſprechung ſollen folgende Fragen komm en:
1) Wie kann der Unterricht im Rechnen wahrhaft bil dend gemacht werden?
20 Wie kann der Lehrer dem ſo tief eingewurzelten Unweſen der Quackſalberei, der Trunkſucht, der Prozeßſucht ent⸗ gegenwirken?
Ferner wurden einige Geſänge ausgewählt, welche in den monatlichen Conferenzen der Sectionen Grünberg und Bobenhauſen eingeübt und bei der Hauptverſammlung vor⸗ getragen werden ſollen.
Das Lied:„Brüder reicht die Hand zum Bunde“ ſchloß die Conferenz, und die Mitglieder verſammelten ſich zum einfach, doch trefflich bereiteten Mahle, welches durch Trinkſprüche, Geſänge und anſtändige Scherze erheitert wurde. Der freundliche Wirth und alle Glieder ſeiner Familie boten Alles auf, um die Wünſche der Gäſte mit Zuvorkommenheit zu erfüllen;— ja ich kann ſagen, daß das ganze Städtchen Antheil an dem Lehrerfeſte nahm. Mit wahrem Vergnügen bemerkte ich, wie nicht wenige Honoratioren der Stadt und der Umgegend an dem Mahl und den geſelligen Unterhal— tungen der Lehrer Antheil nahmen und das regſte Intereſſe für pädagogiſche Geſpräche an den Tag legten,
Später wurde ein gemeinſchaftlicher Spaziergang nach der Schloßruine gemacht. Die Luft war rein, der Himmel heiter und ſo durfte ich mich einer herrlichen Ausſicht um ſo mehr erfreuen, als meine Begleiter mit größter Freund— lichkeit mir alle unbekannte Punkte zu nennen und zu er⸗ klären die Güte hatten. Ueber die Thürme von Münzen— berg ragten die Höhen des Taunus gleich Rieſen hervor, die das Himmelsgewölbe zu tragen ſchienen; an ſie ſchloſſen ſich die Berge des Lahnthales, denen die Höhen des Schwalm⸗ grundes folgten. Die Hügel und Thäler, die Auen und Wälder des Vogelsbergs lagen um uns her und zum Theil zu unſren Füßen, aus der Ferne grüßten uns die bedeutend— ſten Höhen des Rhöngebirges.
Es war ſchön auf dieſem Berge;— unwillkührlich gedachte ich des Dichterworts:
„Auf den Bergen iſt Freiheit!
Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte.
Die Natur iſt vollkommen überall,
Wo der Menſch nicht hinkommt mit ſeiner Qual.“
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And dieſe Gefuͤhle theilten namentlich auch einige der juͤngeren Lehrer, die, in den reicheren Gegenden des Vater— landes erzogen, im Vogelsberg eine neue Heimath gefunden und alle Vorurtheile verbannt haben, mit denen ſo oft der Bewohner der ſandigen Starkenburg oder des wälderloſen Rheinlandes nach Oberheſſen hinblickt.—
Gegen Abend trennten wir uns. Auch der Fremde nahm von den neuen Bekannten herzlichen Abſchied und wurde von dieſen gleich einem längſt gekannten Freunde be— handelt. Die Rückfahrt nach Grünberg war heiter und an— genehm. Ueber uns glänzten Millionen funkelnder Sterne, des Mondes Silberſcheibe ſchwebte am Firmamente und ſein Glanz überſtrahlte alle Höhen und Thäler mit magiſchem Lichte. Der heimatliche Taunus erglänzte im bengaliſchen Feuer eines fernen Gewitters.
Herabgeſtiegen nach der Wetterau gedenke ich mit Ver⸗ gnügen jenes Ausfluges, der herrlichen Gebirgsnatur, vor allen aber der Männer, die von dem lebensfriſchen Hauch der Berge angeweht, mir dort entgegen traten. Die Lehrer, welche ich kennen lernte, tragen einen edlen esprit de corps in ihrer Bruſt. Gleichweit entfernt von pedantiſcher Düſter— heit, worin ſo oft ältere Schulmänner ihre Würde ſuchen, wie von Frivolität, wodurch oft junge Pädagogen ſich aus— zeichnen, zeigten ſich jene Männer in anſtaͤndiger, unge⸗ zwungner Haltung und bewieſen, daß ihnen auch die For⸗ men der feineren Geſelligkeit nicht fremd ſind.— Zuvor⸗ kommenheit gegen den Fremden, körperliche und geiſtige Ge— wandtheit, reges Intereſſe für Alles, was das Leben wie die Wiſſenſchaft berührt, fand ich bei meinen anſpruchloſen
neuen Freunden in höherem Grade, als bei ſo vielen Col-
legen, die auf Stelzen einhergehen, aber vom Hauche der wahren Begeiſterung nicht berührt werden.
Hierbei kann ich aber auch mit voller Ueberzeugung dafür mich ausſprechen, daß das Verhältniß der Bezirks⸗ ſchulcommiſſion zu den Lehrern in jenem Kreiſe gewiß das rechte iſt. Die ſtrenge Gerechtigkeit des Kreisraths, Herrn O., gepaart mit weiſer Milde und Anſpruchloſigkeit charak⸗ teriſiren den vielſeitig gebildeten, unermüdet thaͤtigen Mann, der in ſeinem Bezirke von allen Ständen als ein Vater ge— liebt und geehrt wird, der namentlich auch die Lehrer mit Liebe und Freundlichkeit unterſtützt.—
Die geiſtlichen Mitglieder der B.⸗Sch.⸗C. zeichnen ſich durch ihre geſellige Bildung aus und verſtehen es, durch ihre Humanität Liebe und Vertrauen zu wecken. Sie erſcheinen unter den Lehrern nicht als gefürchtete Vorge— ſetzte, ſondern als geliebte Väter, als freundliche Führer, als wohlmeinende Rathgerber. Herr Inſp. E., obgleich an Jah⸗ ren ein Greis, freut ſich mit jugendlicher Wärme eines jeden wackren Lehrers und jeder tüchtigen Schule, er be⸗ handelt ſeine Amtsuntergebnen mit Liebe und Theilnahme und hält namentlich von dem Lehrer Alles ab, was ſeine Stellung erſchweren, ſein Amt bedrücken könnte.— Herr Dec. W. beweiſet neben einer ehrenwerthen Amtsfreudigkeit eine herzgewinnende Biederkeit, ſo daß er in allen Schulen von Lehrern und Kindern als ein erſehnter Freund begruͤßt wird. i
Dies Verhältniß ſcheint mir ein ſchönes zu ſein. Der Lehrer iſt nicht einer Maſchine zu vergleichen, die unter Knarren und Aechzen nach fremdem Willen ſich bewegt; er muß vielmehr in Freudigkeit ſelbſtthätig ſein. Und ſind ſeine Vorgeſetzten Männer, die das redliche Streben ehren, den wackren Fleiß anerkennen, dabei den Schwachen unter⸗ ſtützen, doch auch den Unwürdigen ſtrafen, aber in edler Parteiloſigkeit nur das höhere Ziel der Menſchenbeglückung im Auge behalten, dann wird und muß der Lehrer ſich ſelbſt ehren, dann muß es ſein höchſter Stolz ſein, einer guten
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