Ausgabe 
10.10.1846
 
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Intelligenz-Olatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Theuerung und den Mangel an Brodfrüchten,

Bekanntlich ſind von der Gr. Heſſ. Staatsregierung in weiſer Vorſorge 30,000 Malter ausländiſches Korn an⸗ gekauft worden, um demnächſt einem Mangel an Brod⸗ früchten in denjenigen Gegenden des Landes, wo ein ſolcher ſich ergeben ſollte, möglichſt abzuhelfen. Da ſich indeſſen jetzt noch auf keine Weiſe ermeſſen läßt, wo und in welcher Ausdehnung eine ſolche Abhülfe ſich wirklich als nöthig dar⸗ ſtellen wird, ſo kann und wird dermalen über die angekauf⸗ ten Brodfrüchte noch nicht verfügt werden.

Indem ich hierauf aufmerkſam mache, bemerke ich zu⸗ gleich, daß es danach immerhin wünſchenswerth bleibt, daß auch Gemeinden, deren Verhältniſſe es erlauben, Vorräthe von Frucht oder Mehl im entfernten Auslande ankaufen, um der ärmeren Claſſe ihrer Gemeindeangehörigen das täg liche Brod zu einem mäßigeren Preiſe zu ſichern, und einer weiteren Steigerung der hohen Fruchtpreiſe überhaupt entgegen zuwirken. Sie werden mit dem Gemeinderath hierüber be rathen, und binnen 8 Tagen darüber Vorlage machen, wann und zu welchen Geldbeträgen ihre Gemeinden dergleichen Ankäufe zu machen beabſichtigen. Ich werde alsdann die Wahl eines Ausſchuſſes veranlaſſen, welcher die Ankäufe für die Geſammtheit beſorgt.

Friedberg den 6. Oktober 1846.

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Amtliche Bekanntmachung.

Zur Verhütung möglicher Irrungen finden wir uns veranlaßt, hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß der penſionirte Schullehrer Wilhelm Fritſch, als Kirchendiener der hieſigen vereinigten Kirchengemeinde, allein berechtigt iſt, die für den Kirchendiener feſtbeſtimmten Acci denzien von Copulationen, Taufen und Leichen in Stadt und Burg zu beziehen.

Friedberg den 6. Oktober 1846.

Für den evangel. Kirchenvorſtand: Der Stadtpfarrer Der Bürgermeiſter Dr. Fertſch. Bender.

Sonnabend, den 10. Oktober 1846.

Das Lehrerfeſt in Ulrichſtein. Schon als Knabe ſehnte ich mich oft, die hervorragen

den Höhen zu beſteigen, welche den Horizont unſrer Wetter

au begrenzen. Und ſo führte mich mein Weg gar oft nach dem Hausberg, dem Winterſtein, dem Johannisberg, ja ſelbſt nach dem Feldberg und dem Altkönig. Dagegen blieben mir jene blauen Berge unbekannt, an deren Fuß die Wetter und die Ohm ihre Quellen gefunden, von denen herab ſo mancher andre Fluß unſres Vaterlandes nach den Nieder⸗ ungen hinunterſteigt. Mit Freuden folgte ich darum der an mich ergangnen Einladung, einem Feſte beizuwohnen, das die Lehrer des Kreiſes Grünberg am 1. Sept. d. J. in Ulrichſtein verſammeln ſollte und reiſte daher am 31. Auguſt nach dem Städtchen Grünberg, das mir ſeit meiner früheſten Jugend bekannt und durch heitre wie durch ſchmerz⸗ liche Erinnerungen meinem Herzen unvergeßlich geworden iſt.

Am Morgen des 1. Sept. fand ſich hier eine zahl⸗ reiche Geſellſchaft zuſammen, die auf einem ſtattlichen, von muthigen Roſſen gezogenen Leiterwagen ihrem Ziele ent gegeneilte. Die Landſtraße führte uns bald auf ſteile Höhen, uber die zwar unſer Wagenlenker murrte, die wir aber doch mit heitrem Muth erſtiegen, da ſie die lieblichſte Fernſicht nach Süden und Weſten vergönnten, bald durch enge freundliche Wieſenthäler, deren friſches Grün der langen Dürre getrotzt hatte. In Ruppertenrod ſpaltet ſich der Weg, die Staatsſtraße führt nach Alsfeld, die Provinzialſtraße wendet ſich rechts ab und ſteigt zu dem höchſten Rücken des Vogelsbergs. Wir hatten uns mit warmen Kleidern verſehen, weil wir die Schärfe des Luftzugs fürchteten; allein allmälig ſtieg die Sonne immer höher und ihre Strahlen nöthigten uns, die Mäntel abzulegen, ſo daß wir unter heitern Scherzen der alten Fabel gedachten, worin Wind und Sonne wider den Mantel des Wandrers ſich verſchworen und nur der letzteren es gelang, die wärmende Hülle abzuziehen. Selbſt in dem Thale, wo man mir die Quellen der Ohm zeigte und durch das ein ſteter Luftſtrom hindurchziehen ſoll, wehete uns ein erquickender Wind ent gegen, ſo daß wir geſtärkt und gelabt vom balſamiſchen Hauch der Lüfte auf den Höhen von Ulrichſtein ankamen.

Im Hauſe des Herrn Gaſthalters Pfannſtiel verſam melten ſich nach und nach über 50 Lehrer. Die Bezirks ſchulcommiſſion des Kreiſes war durch ihre geiſtlichen Mit glieder, Inſpector Ebel und Decan Weichard vertreten.