Ausgabe 
4.4.1846
 
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IZntellig enz⸗Ola tt

für die Provinz Ober heſſen im Allgemeinen, 5 i die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Betreffend: Die Wegpolizei, insbeſondere die Beſchneidung der Hecken⸗ umzäunungen der Gärten an Wegen.

Mit Ermächtigung Gr. Miniſteriums vom 6. April 1843 zu Nr. D, 5280 wird hiermit verfügt, wo Hecken an offentlichen Fahr⸗ oder Fußwegen uber die Grenzen hervor⸗ gewachſen resp. eine ſolche Breite annehmen oder angenom⸗ men haben, daß dadurch die Paſſage in den Wegen gehindert wird, müſſen ſolche bis zur Grenze zurück geſchnitten werden. Den Zuwiderhandelnden trifft eine Strafe von 30 kr. bis 1 fl. 30 kr. und ſoll überdieß das Zurückſchneiden im Ungehorſamsfalle polizeilich verfügt und vollzogen werden.

Friedberg den 19. September 1843.

Der Großh. Heſſ. Kreisrath des Kreiſes Friedberg Küchler.

Vorſtehende Polizeiverfügung wird hiermit zur allge⸗ meinen Kenntniß gebracht.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Der Großherzoglich Heſſiſche a Rentamtmann des Bezirks Gruͤnberg an die Herrn Bürgermeiſter des Bezirks.

Betreffend: Die Erhebung der Feldſtrafen von der 1. Periode 1846 bei dem Rentamte Grünberg.

Die Erhebregiſter über die Feldſtrafen von der 1. Periode 1846 ſind bis zum 1. April angefertigt und können an den bekannten Zahltagen, Donnerſtag und Samſtags, Feldſtrafen bezahlt werden, was Sie im Intereſſe der Be⸗ ſtraften in Ihren Gemeinden bekannt machen wollen.

Grünberg den 28. März 1846. Bötticher.

Die Branntwein⸗ und Bierfabrication im Verhaͤltniß zur Landwirthſchaft mit beſonderem Hinblick auf die Maͤßigkeitsvereine. Von Adminiſtrator Weller in Woͤlfersheim. f

Es iſt über dieſen Gegenſtand ſchon ſehr viel geſprochen

und geſchrieben worden und wie mir's ſcheint, wurde die Sache nur einſeitig behandelt, wiewohl namentlich in der

landwirthſchaftlichen Zeitſchrift des Großherzogthums Heſſen

einige Debatten ſtattfanden, die mehr in das Bereich des

gemeinſamen Intereſſes gehörten; allein dieſe Verhandlungen

haben doch die Sache ziemlich unentſchieden gelaſſen und will ich mir erlauben meine Anſicht, aus dem Leben genom⸗ men, hier mitzutheilen.

Die Bierfrage hat heutiges Tags einige Wichtigkeit er⸗ langt und möchte ich derſelben folgende Ausdehnung geben. 1) Wodurch gelangen wir zu beſſerem und wohlfeilem Bier? 2) Wird ſich durch gutes und wohlfeiles Bier der Genuß

des Brantweins beſchränken?

3) Werden die Abfälle einer Brauerei(Träber) der Schlempe einer Brennerei, als Viehfutter, an die Seite zu ſetzen ſein? und

4) Welchen Einfluß werden die Bierbrauereien den Brant⸗ weinbrennereien gegenuber auf das Nationalintereſſe haben?

Dieſe Fragen zu einer ſachgemäßen Erörterung zu füh⸗ ren ſei der Gegenſtand meiner gegenwärtigen Beſchäftigung, unter der Vorausſetzung, daß meine Arbeit mit Nachſicht beurtheilt werden möge. Ich wende mich nun an die erſte Frage: wodurch gelangen wir zu beſſerem und wohlfeilem Biere? Antwort: durch die Einrichtung beſſerer Brauereien und durch jeden möglichen Vorſchub der Staatsregierungen! Wenn ich vor allen Dingen den Grundſatz im Auge behalte, daß der Geſchäftsmann die Waare, die ihn am wenigſten ſteht, auch wieder am billigſten verkaufen kann, und dennoch ſeinen Nutzen behält, ſo beſtatigt dieſer merkantiliſche Grundſatz die Anſicht, daß, wenn ein gutes und wohlfeiles Bier erlangt werden ſoll; daß daſſelbe ſo billig als möglich producirt werden muß, denn der Bierbrauer und resp. der Wirth iſt nicht anders als ein Geſchäftsmann zu betrachten, ſei es, daß er ſein Fabricat im Schoppen oder in der Ohm verkauft.

Soweit behandle ich hier nur den Verkauf des Biers, tuͤchtige Qualität vorausgeſetzt und gehe nun folgerecht an die Fabrication über. Die Fabrication des Biers iſt ein Zweig der Induſtrie und niemals und aus keiner Zeit iſt mir ein ſtichhaltiges Beiſpiel bekannt, daß ſich dieſelbe, durch gewiſſermaßen gewaltſame Mittel gehoben hat, im Gegen theil es können ſolche Maasregeln nur zu ihrem Untergange fuhren, wiewohl es nicht zu verkennen iſt, daß unter ge wiſſen gegebenen Verhältniſſen die fabrikmaͤßige Erzeugung