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. bisher noch ſehr unverdauten Mäßigkeitsvereinsſache zu be⸗
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fordern im Stande ſein möchten. Nun, ſo trinket das Ver⸗ ſohnungstränkchen!— Was will der Mäßigkeitsverein? Er will etwas ganz Uraltes, was der Apoſtel Paulus deut— lich genug ausdrückt mit ſeinen Kernworten: Saufet Euch nicht voll Weins, woraus ein un ordentlich Weſen entſteht. Lieber Landmann! Wie oft haſt Du ſchon dieſen Spruch von der Kanzel gehört, wie oft haſt du ſchon das Laſter des Trunkes, die Gefahren des Branntweins, die trau⸗ rigen Folgen in Haus und Familie mit den ſchrecklichſten Farben ſchildern hören? Und immer wird noch zuerſt ge⸗ nippt und dann getrunken und endlich geſoffen, weil es dir gut ſchmeckt, beſſer ſchmeckt, am beſten ſchmeckt. Wie dem nun abhelfen? Da kommen denn die ſogenannten orthodoxen Geiſtlichen(lieber Landmann, wenn du nicht weißt, was das für Leute ſind, ſo frage deinen Herrn Geiſtlichen, oder wenn du auf einem Filiale wohnſt, deinen Herrn Schullehrer
oder gehe über Pohlgöns nach Wetzlar zu) und bilden keine
Mäßigkeits vereine“), ſondern predigen ohne Weiters: du Sünder von Mutterleibe an, kreuzige dein Fleiſch, trinke Waſſer,— ſonſt biſt du ein Kind der Hölle! Und was richten ſie aus? Nichts! Und nun die Herrn Rationaliſten oder Heterodoxen!(Frage, lieber Landmann.) Was thun dieſe? Nun, ſie wollen doch unſerem Fleiſche und Blute, unſerem Verſtand und unſerer Vernunft noch ein bischen Recht zukommen laſſen und meinen es auch mit den Leuten recht gut; da ſie aber ſehen, daß es von der Kanzel herab nicht mehr gut thun will, ſo ſagen ſie zu ihnen: kommt doch heute oder morgen und an dem und dem Tage da und da hin; da haben wir wieder Mäßigkeitsvereinsverſammlungs⸗ berathungsprotocollsabhörung und höret, was da als ge⸗ ſprochen wird. Nun ſo laß' uns einmal da hingehen, lie⸗ ber Landmann, allein das rathe ich dir in Gutem, nur kein Branntwein, wenn du von Haus weggehſt— ſondern nur Kaffee und wenn es ſelbſt Surrogatsbruͤhe wäre.— Es ſind viele Herrn im Sitzungsſaale, in ſch warzen Fräcken und feinen Tuchröcken, in behaglicher Ruhe und Selbſtzufriedenheit über ihr großes menſchheitbeglückendes Werk! Denn warlich, es iſt ein großes Stück, in ſeinen vier Wänden zu rathen und zu denken, in Schlafrock und Pantoffeln, auf dem Sopha oder in dem Studierſeſſel, mit einer brennenden Pfeife und einem ganz kleinen Gläschen Wein— zu rathen und zu denken über die Mäßigkeit, während der Landmann nur ſeine Hacke auf den Buckel zu nehmen hat und bei Wind und Wetter— Hitze und Froſt ſich amüſiren darf. Wie
kann man da Langeweile haben oder Durſt bekommen bei
einem ſo großen Vergnügen auf dem Lande? Doch zurück in den Sitzungsſaal! Dort werden nur ſalbungsvolle Reden gehalten“)— ohne Wein, denn ihr ſollt ja mäßig ſein;
) Ich berufe mich auf Claus Harms, welcher es für einen ſchlechten Ausweg hält, Mäßigkeitsvereine zu ſtiften, ſo lange man noch die Bibel in der Hand hat.
) Ferdinand Röſe hat in ſeinen Schwänken und Geſchichten für das deutſche Volk beinahe am Ende eine Mäßigkeitsrede aus dem Hausfreund für Hütten und Paläſte von Steffens ſehr gewandt, originell und genial abzuſchreiben gewußt!
dort werden Branntweinpeſtgeſchichten erzählt— ohne Wein, denn ihr ſollt ja mäßig ſein; dort werden neue Mitglieder aufgenommen— ohne Wein, denn ihr ſollt ja mäßig ſein. Der langen Rede kurzer Sinn: ſei mäßig! Man ſagt be⸗
klommen und leiſe: Ja, geht wieder nach Haus und zur
Belohnung für die Sache und wegen der Müdigkeit der Glieder wird noch einmal ein Gläschen genommen, um ihm dann auf immer Valet zu ſagen, das heißt, bis zum nächſten Male! Iſt es nicht ſo? Doch, räſonniren iſt leicht und beſſer machen das Schwierige. Allein wie ſoll ich das anfangen, da ich weder Orthodoxer noch Hetherodoxer bin, und mich überhaupt allen Oxen fern halte? da bin ich warlich übel daran„ weil bis auf dieſe Stunde noch keine andere Menſchenklaſſe anerkannt worden iſt. Nun, ich will deßhalb auch ganz leiſe auf⸗ treten, als ob ich gar kein Recht hätte und nur ein paar Fragen aufwerfen. Mäßigkeitsvereinspräſident— oder Aus⸗ ſchuß oder Secretär! Haſt du kein Tröpfchen Wein in deinem Keller?— chalblaut) Ach ja, denn es kommen doch zuweilen mäßige, fremde Gäſte, die ich bewirthen muß. Schön, ich laß' es gelten. Haſt du dich dieſes Jahr noch gar nicht gefreut auf den 1846, der bald gekeltert werden wird? Willſt du nicht einigen jungen Moſt in Schläuche ſammeln?(leiſe) Warum denn nicht?— Du biſt aber doch bei dem Mäßigkeitsvereine! Thut Nichts, Herr Nichtox, höre ich da ſagen, Herr Nichts wiſſer, Herr Reformator, Herr Antimäßigkeitsprediger; wiſſen Sie denn nicht, daß wir nur gegen den Branntwein zu Felde ziehen? Ach ſo, nun geht mir ein Licht auf, nun begreife ich Euern Eifer, der ſich feſthält an dem Rebengeländer und mit Rheinwein⸗ begeiſterung predigt gegen den Schnapps. Ich nehme Alles an, was Ihr mir da ſagt; darum nun auch mein Wort in Ehren. Vor allem Andern geht doch hinaus auf die Ortſchaften und arbeitet einmal ſo von Peterstag bis Mar⸗ tini, dieſem Schreckenstag aller Schreckenstage, traget den Schweiß und die Mühe des Bauers, eſſet ſein derbes Schwarz⸗ brod und ſeine trocknen Kartoffeln, genießet ſeinen feſten und ungeſtörten Schlaf— ob das ſo ganz ohne Schnapps vor ſich gehen kann! Warum denn nicht, ſagſt du. Er trinke Wein. Nun, ſo thut zuerſt Mildthätigkeitsvereine und
ähnliche menſchenfreundliche Anſtalten auf, woraus ihr dem Bauer Wein kauft: täglich ſo ein Schöppchen rothen Ingel⸗ heimer zum Frühſtück mit einem Sardellenbutterbrödchen
oder kaltem Cotelettchen; Mittags einen Schoppen Nier⸗
ſteiner à 24 kr. und Abends einen Schoppen Forſter Tra⸗
miner, oder Geiſenheimer oder Ruppertsburger mit einer
Portion boef steak und geröſteten Kartoffeln. Das iſt ja
doch gewiß ein ganz leidlicher, mäßiger Geſchmack! Freund⸗
chen, wenn da das Branntweintrinken nicht von ſelbſt auf⸗
hört, dann laß' ich mich alsbald auf die Liſte der beliebigſten Oxen ſetzen. Verſtehſt du wohl, wo ich jetzt hinauswill? Höret deßhalb auf, wenn ihr Freunde der Menſchheit und Förderer des Wahren und Guten und Schönen genannt ſein wollt, höret auf mit euren langen, langweiligen und geiſtloſen Moralpredigten, denn ſie gleichen dünnen Waſſer⸗ ſuppen, womit man allenfalls Wöchnerinnen und nerven⸗ ſchwache, bäderbeſuchende Leutchen abfüttern kann, und kei⸗
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