Ausgabe 
30.7.1845
 
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auffallend frühe Abnahme der Sehkraft, bei allen aber Verſchwinden derjenigen geſunden Geſichtsfarbe, die ſelbſt bei den verſchiedenartigſten Lebensbeſtimmungen und Beſchäf tigungen dem Nichtraucher in der Regel, ſelbſt in vorgerück⸗ tem Alter, bleibt, ſo lange er überhaupt geſund iſt.

Die meiſten älteren Männer oder wirklichen Greiſe, denen man ihr Alter nicht anſieht, haben nie, oder nur ſehr wenig, oder erſt in ſpäteren Jahren Tabak geraucht.

Mein Rath an junge Leute würde lauten: gar nicht zu rauchen, oder wenigſtens nicht vor dem 25. Jahre. Mehr oder weniger ſchadet mit ſeltenen Ausnahmen das Tabakrauchen immer; am meiſten, je früher es begon⸗ nen wird. An.

Zur Erheiterung.

S war Einer, der pechſchwarzes Haupthaar, aber einen ſchneeweißen Bart hatte, als welches in hohem Grade ſonderbar anzuſehen geweſen iſt. Einſt in einer Geſellſchaft, in der ſich auch der Weißbebartete befand, kam die Rede auf dieſe ungewöhnliche Erſcheinung und als man unter andern auch die Frage abhandelte, worin ſie wohl ihren Grund haben möchte, ſagte ein Witzbold:Er hat ſein Leb tag wenig mit dem Kopfe, aber deſto mehr mit dem Kinn⸗ laden gearbeitet, daher kommt's, daß ſeine Haare auf dem Kopfe ſchwarz geblieben, die am Barte aber weiß geworden ſind.

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r Es war die Rede von einem Manne, der ſich all⸗ gemeiner Achtung erfreute, der aber die laſterhafte Gewohn heit hatte, zu Zeiten ein oder zwei Gläschen über den Durſt zu trinken.Schade ſagte Einer der Anweſenden ſchade für den Mann, daß er ſo trinkt.O rief ein An- derer das Trinken hätte nichts zu bedeuten, aber er ſäuft hinein.

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An einen Bäckerladen in der Stadt trat ein Bauersmann, um ein Brödchen zu kaufen, das er ſeinem

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Jüngſten mitbringen wollte. Er befühlte und wog mehrere auf der Hand und ſagte dabei:die Brödcher ſein aber doch auch gar zu klein.Klein? entgegnete der Bäcker wann die klein ſind! da ſoll Er einmal das Bis⸗ chen Teig ſehen, das ich an ſo ein Brödchen nehme, da thät er ſich gewiß verwundern, daß ſie ſo groß ſind. Ich ſage alle Tage zu meiner Frau: man meint doch nicht, daß Menſchen möglich wär', wie das Bischen Teig aufgeht und Er ſagt jetzt gar, die Wecke wären klein. Der Bauer wußte gar nicht, wie ihm geſchah, als er den ehrſamen Bäckermeiſter alſo reden hörte, er ſteckte ſein Brödchen in die Weſte und zog fürbaß ſeines Weges.

) Frommer Wunſch. Am Fuße eines ziemlich hohen Berges arbeitete ein Taglöhner auf einem Grund ſtücke, das zur Beſoldung des Pfarrers gehörte. Nachmit tags machte der Pfarrer ſeinen Spaziergang nach dem Felde, um zu ſehen, wie weit der Mann gekommen ſei. Er traf ihn, auf ſeinen Spaten geſtützt, ſtarr hinblickend nach dem Berge, dem Anſcheine nach in tiefe Betrachtungen verſun ken. Der Pfarrer war ein milder Mann, wie es alle Pfarrer ſein ſollten; er entbrannte nicht gleich in Zorn, als er den Taglöhner feiern ſah, ſondern trat zu ihm hin und fragte ihn gütig:nun, Lorenz, was denket Ihr denn?Ach, Herr Pfarrer, man denkt gar Mancherlei, wenn man ſo den ganzen Tag ſich um's liebe Brodchen quälen muß. Aber wollt Ihr mir's denn nicht ſagen, was Ihr jetzt ge dacht habt, als Ihr ſo tiefſinnig daſtandet?Ach ja, Herr Pfarrer, aber Sie dürfen mich nicht auslachen; ich habe gewünſcht, der Berg hier wäre Speck und dieſer Bach da wäre WeinNun forſchte der Pfarrer.Dann ſuhr der Taglöhner mit leuchtenden Blicken fort dann thät ich mich in den Berg wühlen, wie ein Dachs und ging nur heraus an den Bach, wenn ich Durſt hätt' und dann zurück in meine Höhle. Das wär' ein Konradsleben. Die Sache iſt doch gewiß ſpaßig, ich weiß aber nicht, was das war, als der Bauer ſo redete, zerdrückte der Pfarrer eine Thräne; auch hat Lorenz Abends bei dem Pfarrer zu Nacht gegeſſen.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

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Frucht ⸗Verſteigerung.

(1039) Freitag den 1. Auguſt, Nachmittags 2 Ühr, werden in hieſigem Rathhauſe 50 bis 60 Malter Korn und 10 Malter Gerſte von dem Fruchtvorrath des vereinigten Armenfonds zweimalterweiſe öffentlich meiſtbietend verſtei⸗ gert. Friedberg am 19. Juli 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter

Bender.

Oeffentliche Bekanntmachung.

(1058) Die Cbefrau des Markus Heß von Einartshauſen, Jette, geb. Strauß, hat er klärt, daß ſie mit ihrem Ehemann fur die Zukunft keinen gemeinſchaftlichen Handel mehr betreiben, ſondern das früher betriebene Han delsgeſchäft auf eigenen Namen allein fort⸗ führen wolle, was hiermit öffentlich bekannt wird. Laubach den 24. Juni 1845. Gr. Heſſ. Gräfl. Solmſ. Landgericht Brumhardt.

8 0 Ber ſt e ig.

(1060) Freitag den 1. Auguſt J. J., Mor⸗ gens 9 Uhr, wird der Mobiliarnachlaß des verlebten Schloſſers Philipp Lipp in der Woh

nung am hinteren Burgthore freiwillig meiſt bietend verſteigert. Es wird hierbei noch be merkt, daß ein vollſtändiges Schloſſerhand werksgeſchirr zum Ausgebot gebracht wird. Friedberg am 19. Juli 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Bekanntmachung, den Poſtcurs zwiſchen Friedberg und Grünberg betreffend. (1065) Vom 1. Auguſt l. J. wird unter Aufhebung der bisherigen, wöchentlich dreima ligen Poſtperbindung zwiſchen Friedberg und Grünberg eine tägliche Brief-, Päckerei⸗ und Perſonenpoſt zwiſchen dieſen zwei Städ ten über Hungen hergeſtellt werden, welche

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