Ausgabe 
29.1.1845
 
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Gemeinderathswahl zu Friedberg.

Es iſt zwar ſchon in Nr. 8 dieſes Blattes darauf aufmerkſam gemacht worden, welche Eigenſchaften einen Ge meinderath zieren ſollen; allein der Unterzeichnete erlaubt ſich noch beſonders auf eine Eigenſchaft aufmerkſam zu machen, welche einem Gemeinderathsmitgliede gar ſchön ſteht, ſie heißt Uneigennützigkeit.

Ein alter Burger.

Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. (Fortſetzung von Nr. 6 de 1845.)

13) Die Mane, d. i. der geflochtene weite Korb, den man auf dem Kopfe trägt. So lautet das Wort in uuſerer wetterauiſchen Ausſprache. Wir ſollten aber eigent lich, wenn wir hochdeutſch reden wollen, die Mande ſpre⸗ chen und auch ſo ſchreiben; denn das Wort iſt aus dem Niederdeutſchen und aus dem ältern Niederländiſchen und Niederrheiniſchen zu uns gekommen, wo es Mande lautet; auch holländiſch ſagt man mand. Unſer Wetterauer Albe rus ſchreibt 1540Maun, korb den die weiber off den Häuptern tragen. Er ſchreibt nämlich falſchMaun, wie obenaun anſtatt Agen, weil er wetterauiſch Age, lafen, Lab, Rab, A, Hak, Rahch, Bam ꝛc. anſtatt Auge, laufen, Laub, Raup, Aue, Hauk(d. i. Hügel), Rauch, Baum ꝛc. ſprechen hörte und demnach glaubte, Mane(mit langem a, wie ah) müſſe Maun im Hochdeutſchen lauten.

14) Der Schappel, d. i. ein Strauß von ſogenann⸗ ten gebackenen Blumen mit durchflochtenem herunterhängen dem Bande bei Feſtlichkeiten, z. B. bei Kindtaufen, bei wel chen die Bruſt des Taufpathen mit dem Schappel geſchmückt wird. Das Wort, welches ehedem das Schapel lautete, war noch vor mehreren hundert Jahren in der deutſchen Sprache ſehr geläufig und bedeutete uͤberhaupt den Kranz der Jungfrauen aus Blumen, Grün ꝛc., welchen dieſelben auf dem Kopf trugen, wobei die Bandenden der Kranzbinde um das Haar auch öfters an den Wangen herunterhingen, ſo daß ſie bei dem Küſſen zurückgehalten werden mußten. Dieſes Schapel war der jungfräuliche Kopfputz; der Kopf⸗ putz der Weiber, welcher in einem Art Haarband beſtand, welches um die Haarzöpfe und den übrigen Kopfſchmuck ge⸗ bunden wurde und aus mit Gold und ſchönem Geſtein be ſetzten Borten zuſammengeſetzt war und an Wange und Ohr über das Geſicht herunter um das Kinn gieng, hieß das Gebände. Dieſe Kopfputze trugen auch vor Alters wohl unſere wetterauiſchen Jungfrauen und Weiber, denn ich hörte noch vor etwa 20 Jahren von alten Weibern die Redensartmit Schappel und Gebände/ in der bildlichen Bedeutung: mit allem, was er oder ſie hat, mit aller ſei ner Habe. Uebrigens ſcheint der ein Schappel genannter Putz aus Frankreich zu uns gekommen zu ſein, denn das Wort iſt aus dem altfranzöſiſchen chapel) d. i., wie jetzt die Franzoſen ſprechen, chapeau(ſprich: Schapoh), welches Kopfbedeckung, Hut ꝛc. bedeutet, v. italieniſch capello das Kopfhaar.

15) Der Kugelhopf, d. i. das bekannte kleine bund⸗ förmige Backwerk aus weißem mit Hefen gegohrenen Mehl teig, in einer mit Butter, Schmalz und dgl. beſtrichenen Form gebacken. Wir ſagen nicht gut: die Kuelhoppe, d.

* Franic chappel(ſprich: Schappel) und chapelet(ſprich: Schapele) pp 9 55 einen Kranz von Blumen auf das Haupt, wie unſer appel.

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i., wenn man es hochdeutſch ausdrückt, Kugelhopfe. Dieß Backwerk iſt aus Süd⸗Deutſchland zu uns gekommen und hat ſeinen Namen theils von ſeiner Geſtalt, theils von ſei nem Teig, woraus es gemacht iſt. Denn das erſte Wort Kugel iſt nicht das Wort Kugel z. B. in Erdkugel, Flinten⸗ kugel, Kegelkugel(welche wir wetterauiſch Kaul und Kaun nennen), ſondern das aus lateiniſch cuculla(ſpaniſch eu- gulla) gebildete Wort Kugel für Kappe oder Kapuze an einem Rock oder Mantel, welche über den Kopf gezogen werden konnte, wie man vor Alters lange Zeit die Tracht hatte. Der Hopf aber iſt ein mit Hefen(bayeriſch Hepfen genannt) gegohrner weißer Teig.

16) Der Gälzenleichter, d. i. der Schweinſchnei⸗ der. Der Ausdruck, wetterauiſch Gelzeleuchter ausgeſprochen, iſt um Echzell und nach dem Vogelsberg hin üblich. Alt⸗ deutſch die Gälze bedeutet nämlich ein Ferkel, beſonders ein junges weibliches Schwein, und leichten(oder, wie Adelung ſchreibt, leuchten) iſt in ſüddeutſchen Gegenden ſo viel, als wenn man ſonſt ſagt, Schweine, Stiere, Wid⸗ der und dgl. ſchneiden.

17) Der Gärgelſack, d. i. ein Trageſack von zwei über die Schulter hängenden Hälften, deren eine auf dem Rücken, die andere auf der Bruſt getragen wird, der Zwerchſack(wie man auch in der Wetterau ſagt). So (nämlich Gärgelſack) ſchreibt und ſpricht man gut deutſch unſer wetterauiſches Wort der Girgelſack. Vor 300 Jah⸗ ren ſcheint man bei uns die Garg geſagt zu haben, denn unſer Landsmann Alberus ſchreibt das Wort ſo in ſeinem Wörterbuch von 1540.) Dieſe Form Garg bringt uns aber auf die Herleitung des Wortes. Es iſt nämlich ein Fremdwort und kommt von dem ſpaniſchen und mittelalter lich⸗lateiniſchen Worte carga(franzöſiſch charge, altfran⸗ zoͤſiſch auch cargue, italteniſch carica), welches Bürde, Tracht(ſo viel ein Menſch oder ein Stück Vieh tragen kann), Laſt bedeutet, urſprünglich Ladung, Fahrlaſt, von lateiniſch carrus(Karren). Ich habe übrigens das Wort Garg, ſo ſehr ich mich auch darnach umgeſehen habe, ſonſt nirgends im Deutſchen gefunden, als eben bei uns Wetter auern in Gärgelſack). W.

*) Im zweiten Fall: der Gargen. Man leite übrigens Gär gelſack nur nicht der wetterauiſchen Ausſprache nach von girgeln oder girgen, d. i. hochdeutſch gürgeln, welchesdie Gurgel zuſammenziehen bedeutet. Damit hat Görgelſack gar nichts gemein.

) Im kurheſſiſchen Oberheſſen nennt man Zwergſack(Hinter- und Vorn⸗ ſack) Gargeſack, und die Garge heißt dort die Taſche, zumal die nicht an das Kleidungsſtück angenähte, ſondern die nur angebundene; auch der Strickbeutel der Frauenzimmer höheren Standes wird dort von den Bauern Garge genannt.(S. Vilmar in der Zeitſchrift des Vereins für heſſiſche Geſchichte Bd. 4 S. 66.)

Kirchenbuchs⸗Auszug vom Dezember 1844. Laubach.

Getraute:

22. Johann Kaspar Gräf, Bürger und Maurer, des verſtorbenen Bür⸗ gers und Ackermanns Michel Gräf, hinterlaſſener ehelicher lediger Sohn, mit Maria Chriſtine Beper, des hiefigen Bürgers und Maurers Carl Otto Beyer, eheliche ledige Tochter.

26. Johann Wilhelm Zimmer, Ortsbürger in Oberſeemen, Kreis Nidda, und Ragelſchmied dahier, des dortigen Schneidermeiſters Kaspar Zimmer, ehelicher lediger Sohn, mit Maria Spuck, des hieſigen Bürgers und Taglöhners Ludwig Spuck, ehelich ledige Tochter.

Getaufte:

8. Dem Bürger in Kelſterbach und Porzellanarbeiter dahier Bernhardt Grundſtein eine Tochter, Anna Margretha, geb. den 23. Nov.

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