Ausgabe 
28.6.1845
 
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ntelligenz-Olatt

8 Provinz Oberheſſen

* im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

Nultres und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. 5 en Zuge,

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eee 50. Sonnabend, den 28. Juni

auf das wöchentlich zweimal erſcheinendeJutelligenzblatt für die

wolle man recht bald entweder bei dem Unterzeichneten, oder bei den den vere

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Carl Bindernagel.

Samſtags⸗Blatt.

Ehrenbezeigung. Aus dem Kreiſe Hungen den 2. Juni 1845.

Wenn Männer aus einem Wirkungskreis ſcheiden, in

. welchem ſie eine lange Reihe von Jahren durch ausgezeich⸗ und net treue und umſichtige Erfüllung ihres Berufes in hohem 0 Grade ſegensreich gewirkt, und dabei durch Humanität und 0 Gemeinſinn ſich die allgemeine Liebe, Achtung und Dank⸗ barkeit erworben haben, ſo iſt es wohl an ſeinem Ort, daß ihnen in vaterländiſchen Blättern ein öffentliches Zeichen der Ehrerbietung und Anerkennung gegeben werde, ja es ſcheint uns dies ſogar eine Pflicht der Dankbarkeit und Er⸗ Berlhei kenntlichkeit zu ſein. In einem ſolchen Fall befinden wir uns, indem wir über das Scheiden des nach Umſtadt, in 2 Recht der Eigenſchaft eines Gr. Dekans und erſten reformirten 2 Pfarrers, verſetzten bisherigen Gr. Dekans und Pfarrers a Marchand zu Bellersheim, eines Mannes, berichten, deſſen Abgang aus der hieſigen Gegend in Wahrheit ein Verluſt für unſeren Bezirk und ſeine ihm anvertraut gewe ſene Gemeinde genannt werden muß. 30 Jahre lang hat . er in Bellersheim das Pfarramt mit ſteter Treue und wür⸗ furt diger Haltung verwaltet, und bei der ihm in jeder Hinſicht b eigenen ungewöhnlichen Einſicht und Kenntniß in dem Berufs- und Geſchäftsleben, mit dem reichſten Segen gewirkt. Wäh⸗ 3 rend dieſes langen Zeitraums war das Verhältniß zu ſeinen u She Pfarrbefohlenen auch nicht einen Augenblick getruͤbt, und 41 mit ungetheilter Liebe waren und ſind ihm dieſelben ſtets deine zugethan, denen er uberall mit Rath und That bereitwillig G0 zur Seite ſtand. Ein gleich freundliches Bild erſcheint uns, . wenn wir einen Blick auf das ausgedehntere Wirken des Scheidenden werfen. Während 22 Jahren hat er als geiſt⸗

licher Inſpector, als Mitglied und Rath des vormaligen ſtandesherrlichen Conſiſtoriums, als Decan und als Mitglied der Bezirksſchulcommiſſion durch eifrige Thätigkeit und tiefe Umſicht ſich große Verdienſte un Kirche und Schule des Bezirks erworben, und dabei ſich eines ſeltenen Grades von Vertrauen und Anhänglichkeit von Seiten ſeiner Amtsange hörigen zu erfreuen gehabt, da er die Treue in der Amts pflicht mit großer Humanität zu verbinden wußte. jeberall wo es einer guten Sache, auch außerhalb ſeines Wirkens, galt, fand man ihn bereit, und hieraus läßt ſich das Anſe hen und die Liebe erklaren, die er in allen Ständen des Bezirks genoß. Jedermann bediente ſich gern ſeines Rathes und ſuchte ihn, ſelbſt aus weiteren Kreiſen. Dieſe Geſin nungen ſprachen ſich denn auch bei ſeinem Scheiden aus. Die Lehrer des Schul- und Decanatsbezirks Hungen, welche wackere Männer er größtentheils durch einen ihm beſonders verſtatteten Einfluß von Seiten des Standesherrn zu ihrem Lehramt berufen hatte, veranſtalteten ihm ein ſchönes Feſt, zu welchem auch die übrigen Mitglieder der Bezirksſchul commiſſion eingeladen waren, und überreichten ihm zum Andenken eine ſehr ſchoͤne und werthvolle Standuhr, um ihre Liebe und Dankbarkeit an den Tag zu legen. Di Gemeinde Bellersheim verehrte ihm eine Prachtbibel, die erwachſene Jugend daſelbſt übergab ihm aus Dankbarkeit und zur Erinnerung einen ſilbernen Ehren⸗Becher und brachte ihm Abends bei Fackelſchein mit muſterhafter Ordnung und einem in einer Landgemeinde nicht gewöhnlichen Anſtand ein Abſchiedsſtändchen. Geſtern hielt er bei einem Zuſtröͤmen von Zuhörern aus der ganzen Umgegend ſeine Abſchiedspredigt, und die allgemeine Rührung und die Menge der Fremden be⸗ wieſen wiederholt, welcher Liebe und Popularität er ſich

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