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IV Bekanntmachung Gr. Minſſterlums des Innern und der Juftiz vom 26. Juli, die auf Zuſammenleg ung der Güter ſich beziehenden Verhandlungen betr., wornach des Großherzogs K. Hoh. zu verfügen ge⸗ ruht haben, daß inezantige vie auf eigentliche Zuſammenlegung der Witer ich beziehenden Verhanvlungen,— worunter jedoch nicht jeder Tguſchvertrgg über einzelne, an den bisherigen Grundbeſitz eines der Conſrghenzen grenzende, Grundfuck begriffen,— vom Stempel befreit ſeyn ſollen.—
V. Bekanntmachung Gr, Oberpoſtinſpection vom 22. Juli, daß ber Schlig⸗ Lauterbacher Postwagen, welcher ſeither Dienſtag, Don⸗ Rerfiag, Samſigg 6 ihr Morgens von Schlitz abgegangen iſt, künftig im Sommer um 7, im Winter um 8 Uhr Morgens nach Lauterbach abge⸗ fertigt werden, und ſtatt des bisherigen Perſonengeldes von 48 kr., ein ſolches von 36 kr. für dieſe Strecke zwiſchen beiden Städten zur Er⸗ hebung kommen wird.—
VI. Desgl. vom 24. Juli, den Grünberg-Friedberger Poſt— wagen⸗Cours betr. Mit dem 1. Auguſt d. J. tritt an die Stelle der ſeitherigen, wöchentlich dreimaligen directen Fahrpoſtverbindung zwiſchen Grünberg und Friedberg, eine tägliche, welche Morgens um 6 Uhr aus Grünberg abgeht und um 10 Uhr(zum Anſchluß an den von Kaſſel nach Frankfurt gehenden Eilwagen) in Friedberg eintrifft, und von da(nach Ankunft des von Frankfurt nach Kaſſel gehenden Eilwagens) um 2 Uhr Nachmittags wieder nach Grünberg abgeht und daſelbſt um 6 Uhr Abends eintrifft. Zur Erleichterung des Verkehrs ſind in Mehlbach, Wölfersheim und Berſtadt Perſonen-Annahme⸗Stellen errichtet und die Perſonen⸗ und Ueberfrachttaxen ermäßigt worden(Folgt der deßfallſige Tarif, wornach die Perſonentaxe zwiſchen Grünberg und Friedberg 1 fl. 18 kr., und nach den zwiſchen liegenden Orten: Heſſenbrücker-Hammer, Nonnenrod, Hungen, Berſtadt, Wölfersheim, Mehlbach, Dorheim nach Verhältniß beträgt).—
(Schluß folgt.)
Aus Oberheſſen, im Auguſt.
Auf meiner Wanderung durch dieſes Land, in dem mich ein kernhafter, biederer, echt deutſcher Schlag Menſchen erfreute, im Schwalmgrunde angelangt, hatte ich Gele— genheit, einer Bauernhochzeit beizuwohnen, bei der es noch ganz eigenthümlich zugeht, und die mich, einen Freund ländlicher Sitten und Gebräuche, beſonders wenn ſie von alten Zeiten herrühren, ſehr intereſſirte. Ich ſetze voraus, daß dies auch für andere Leſer, denen ſie gleich mir unbe— kannt ſind, der Fall ſeyn wird, und erlaube mir deßhalb eine kurze Beſchreibung derſelben hier zu geben.
Morgens in der Frühe gingen geputzte Bauernwagen, mit den nächſten Verwandten des Bräutigams beſetzt, und begleitet von dem Bräutigam und den Hochzeitsburſchen, die auf bebänderten und geſchmückten Pferden ritten, nach dem einige Stunden entfernten Wohnorte der Braut ab. Nach⸗ mittags kehrten ſie zurück, die Braut im Triumphe mit ſich fuͤhrend. Voraus ein hoch mit Flachs und Weißzeug bepack⸗ ter Wagen, auf dem vorne, hin und her ſchwankend, ſich feſt an einander anklammernd, die Braut ſaß, nebſt den zwei Brautführerinnen, vor ſich einen Geldſack(diesmal 3000 fl. enthaltend). Hintendrein ein zweiter ſogenannter „Rumpelwagen, mit reichem tüchtigen Hausrath und 400 Ellen Tuch bepackt; dann die übrigen mit Laub geſchmückten Wagen, alle von reitenden Burſchen begleitet. Es war ein luſtiger, aber auch etwas ängſtlicher Anblick; die Köpfe ſchienen ſchon etwas illuminirt, und raſch ging es dahin in ſauſendem Galopp. Oefters wurde der Zug gehemmt, d. h.
der Weg wurde plötzlich durch eine vorgeſpannte Kette ver⸗ ſperrt und mußte durch ein Geſchenk wieder gelöſt werden. Endlich kam man vor das Haus des Bräutigams, wo die Braut mit einem Spruch empfangen, und ihr vom Bräuti⸗ gam ein Weißbrod und ein Glas Bier gereicht wurde. Sie nimmt einen Biſſen Weißbrod, thut einen Schluck Bier, und ſchleudert dann Beides hinter ſich. Man weiß dafür zu ſorgen, daß das Glas zerbricht, denn dies bedeutet Glück. Das Heirathsgut, das Geld, wird übergeben; die Wagen werden abgepackt.— Um 4 Uhr vollzog der Geiſtliche die feierliche Trauung. Nach einem kirchlichen Geſange trat der Pfarrer vor den Altar; der Brautführer holt unter einem tiefen Bückling die reich geſchmückte und mit einem Myrthenkranze gezierte, mit den Brautjungfern allein ſitzende Braut ab, und geleitet ſie vor den Altar, wo ſie ſich gegen— ſeitig und dann den Geiſtlichen bekomplimentiren. Unter gleichen Ceremonien wird der Bräutigam vorgeführt, beide ganz dicht an einander geſtellt,„damit kein böſes Element ſich zwiſchen ſie dränge, und je ihren häuslichen Frieden ſtöre ,,— und hierauf von dem Geiſtlichen der Trauungs— act vollzogen. Ein Kirchenlied ſchließt die feierliche Hand— lung. Der ganze Hochzeitszug geht um den Altar, und Jeder legt eine Gabe für die Armen auf denſelben.— Nun folgt der Hochzeitſchmaus, zu dem man uns förmlich ab⸗ holte,— und welch' ein Schmaus! Zuerſt trug man eine ungeheuer ſtarke Fleiſchſuppe auf, dann Hirſebrei, den man gemeinſchaftlich aus Schüſſeln aß, hierauf Ochſenfleiſch mit dick eingekochtem Reiß und Zwiebelbrühe, dann Sauerkraut und Schweinefleiſch, endlich Braten mit Salat und gekoch⸗ tem Obſt. Es war keine Kleinigkeit, da ſich gehörig mit durch— zuarbeiten, und dazwiſchen wurde beſtändig wacker Bier und Branntwein getrunken, gleichfalls aus gemeinſchaftlichen Glaͤſern, die altdeutſchen Humpen gleich fleißig die Runde gingen. Uns als geehrten Gäſten wurde weidlich Beſcheid gethan, den wir, die braven ehrlichen Leute nicht zu kränken, wenn auch nur nippend, immer erwiederten. Mit Mühe entſchlüpften wir nach ſo gethaner Arbeit gegen Mitternacht dem Kaffee und Kuchen. Wir hatten erſt das Mittageſſen (Abends um 7 Uhr beginnend) mitgemacht; es folgte dann gegen 4 Uhr Morgens das Abendeſſen, nach welchem man ſich ein paar Stunden zur Ruhe begibt. Ein warmes Bier ruft ſofort(gegen 8 Uhr Morgens) die Gäſte wieder zuſammen. Die Säumigen werden abgeholt und nöthigen⸗ falls an einem Seile herbeigeführt. So dauerte es fort bis Nachmittags 4 Uhr, wo wir noch einer Schlußmahlzeit bei⸗ wohnen mußten. Erſt das Aufſchlagen des Brautbettes trennte die Gäſte. Manche ſcherzhafte Scene, Witze und Reime erheiterten das Feſt, bei dem übrigens, was uns be⸗ ſonders angenehm berührte, durchaus die größte Sittlichkeit und Anſtand herrſchten.— Und das war nur eine kleine Hochzeit, wegen Trauer fand keine große ſtatt; eine ſolche dauert mit Muſik und Tanz 3 Tage lang.— Ich habe bei dieſer Gelegenheit große Ehrfurcht vor dem Appetite unſerer deutſchen Landleute bekommen! (Gr. Heſſ. Ztg.)
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