Ausgabe 
26.7.1845
 
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fl. 4. 30 kt.

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aphiſchen Rhein;

ntelligenz-Olatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

e

W 338. Sonnabend, den 26.

Zur Erinnerung an das Marburger Saͤnger feſt, welches den 19., 20. und 21. Juli 1845 ſtattfand.

Vom Friedberger Sängerverein hatten 24 Mitglieder ihre Mitwirkung bei dem Marburger Sängerfeſte zugeſagt und fuhren in zwei Familienwagen den 18. Juli nach 9 Uhr Abends mit fröhlichem Muthe von Friedberg ab. In Gießen wurde der Kaffee getrunken, in Bellenhauſen gefrüh ſtückt und von da mit dem Butzbacher Sängerverein Orpheus, der in zwei, jeder mit vier Poſtpferden beſpannten, ſchön ge ſchmückten, offenen Wagen daſelbſt gewartet hatte, gemein ſchaftlich weiter gefahren. In dem letzten Orte vor Mar burg wurde angehalten und Toilette gemacht, dann weiter gefahren und gegen 10 Uhr in dem Schützenpfuhl vor Marburg abgeſtiegen, wo nicht lange nachher der Verein von Dillenburg in zwei Wagen anlangte. Gegen 11 Uhr kam ein Theil des Marburger Comitees, begrüßte die ange kommenen Vereine und übergab für jeden Sänger ein Ab zeichen und eine Broſchüre. Dieſe enthielt: ein Programm, die Namen der Comitee-Mitglieder, der Kampfrichter und der Bewohner Marburg's, welche ſich erboten hatten, Sänger zu beherbergen, die Namen ſämmtlicher mitwirkender Sän ger mit Angabe ihres Quartiers und den Text der Geſänge; eine Anordnung, die jedenfalls bei Feſten der Art ſehr zu empfehlen iſt. Gegen 12 Uhr langte der Verein von Her born in zwei Wagen an und der Zug ſetzte ſich in alpha betiſcher Ordnung der Städte, Butzbach mit ſeiner ſchö nen Fahne voran, in Bewegung. Vor dem engliſchen Hofe wurde Halt gemacht; das ganze Comitee hatte ſich auf dem Balkon des Gaſthauſes verſammelt und ein junger Mann, wie wir hörten ein Theologe, hielt eine kurze kräf tige Rede, worin er die Sänger im Namen der Stadt Marburg willkommen hieß. Der Zug ſetzte ſich auf's Neue in Bewegung mit der Muſik und dem Comitee an der Spitze und gelangte unter Böllerſalven und tauſendſtimmigem Jubel auf dem Marktplatze in Marburg an, wo er mit

Ruſik und Geſang empfangen wurde. Nachdem das ſchöne Lied:Brüder reicht die Hand zum Bunde, ꝛc., gemeinſchaft lich von allen Sängern geſungen und die Fahnen auf das Rathhaus gebracht worden waren, ſuchten die Sänger ihre Gaſtfreunde auf. Viele der letzteren hatten ihre Gaſtfreund ſchaft ſo weit ausgedehnt, daß ſie ſchon vor der Stadt in den Schützenpfuhl kamen und ihre Gäſte aufſuchten und bewillkommten.

Nach der Probe, welche den Nachmittag ſtattfand, kamen die Sänger und viele Gaſtfreunde in Lederer's Garten, wo alte Bekanntſchaften erneuert und neue ange knüpft wurden. Für die Friedberger war es beſonders er freuend, die biederen Herborner mit ihrem ſo achtbaren und beſcheidenen Dirigenten wieder zu ſehen. Anfangs Marz 1844, wo der Herborner Verein ſich nach Wiesbaden zur Vermählungsfeier des Herzogs begab und im Simonk ſchen Gaſthauſe in Friedberg übernachtete, hatte ſich zwiſchen dieſen beiden Vereinen ein ſchoͤnes freundſchaftliches Ver hältniß gebildet, weil ſie gegenſeitig einſahen, daß ſie gleiche Mittel zu gleichem Zwecke ergriffen hatten: Geſang, Ver edlung! Dieſe Gefühle und Geſinnungen fanden in Marburg neue Nahrung und gewiß ſind beide Vereine mit gegenſeitiger noch größerer Achtung und Liebe geſchieden, als dieſes bereits der Fall war.

Am Abend fand auf der Wieſe am engliſchen Hofe ein Feſteſſen ſtatt, wobei es an fröhlicher Unterhaltung mannig faltiger Art nicht fehlte. Muſik, Geſang, Boͤllerſalven und ein recht huͤbſches Feuerwerk machte das Ganze noch man nigfaltiger und lebhafter. Letzteres beleuchtete oft die intereſſanteſten Scenen: hier unterhalten ſich Sänger, dort umhalſen ſie ſich, hier ſchmolliren Studenten, dort ſuchen ſie einen Weißkittel mit ſeinem Gewittervertheiler betrunken zu machen, an dem einen Ende der Tafel ruft man nach Wein, am andern Ende ſteht ein Trupp Studenten auf dem Tiſch und bringt Hoch's aus, die nimmer enden wollen, hier kommt ein Kellner mit Braten geflogen und wird ſchimpfend empfangen, weil er zu lange bleibt, dort eilen Comitee