richte Met
Intelligenz⸗Olatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
1 Mittwoch, den 26. Februar
Aus zuͤge aus dem Regierungsblatte. Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 7.
I. Beſtätigung folgender Stiftungen und Vermächtniſſe im 4. Quartale 1844: 1) der Chriſtoph Gärtner'ſchen Eheleute zu Lorſch an den daſigen katholiſchen Kirchenfonds, von 200 fl., unter der Bedingung der jährlichen Abhaltung von vier Engelämtern; 2) des verſtorbenen kath; Pfarrers Kaiſer zu Aſtheim für die katholiſche Kirche daſelbſt, im Be⸗ trage von 1000 fl.—
II. Bekanntmachung Grßh. Oberpoſtinſpection, vom 3. Febr., daß infolge legaler Vermeſſungen höchſten Orts die Poſtdiſtanzen zwiſchen Schlitz und Alsfeld auf 3 Meilen oder 1½ Station, Schlitz und Breitenbach auf 2½ Meil. oder 1½ St., Schlitz und Lauterbach auf 2 Meil. oder 1 St. beſtimmt worden ſind.—
VI. Verſetzungen in den Ruheſtand: Am 21. Jan. der Di⸗ ſtrictseinnehmer George, auf Nachſuchen: am 28. der Oberfinanzkammer⸗ ſecretär, Rath Kempf, auf Nachſuchen und unter Verleihung des Charak⸗ ters als Oberfinanzrath.—
VII. Concurrenz für: die Revierförſterſtellen zu Romrod und Niederramſtadt(binnen 4 Wochen bei der Oberforſtdirection).
Orthographie wetterauiſcher Woͤrter. (Fortſetzung von Nr. 9 d. Bl.)
18) Der Günter, d. i. der mit Wurſtfüllſel gefüllte Schweinsmagen. Das Wort iſt in der Volksmundart vom Rheine an durch Starkenburg(am Maine), die Wetterau, Oberheſſen bis auf dem Vogelsberge üblich; aber in Schrif— ten habe ich es nirgends, weder im Alt- noch im Neudeut— ſchen, gefunden, ausgenommen in dem 1540 herausgekom— nenen Wörterbuche unſers Wetteraners Erasmus Alberus, welcher das lateiniſche Wort faliscus erklärt:„der ghün— ter, gefülter mag, ſewſack“, und dann wieder„Günter, durch faliscus überſetzt. Woher das Wort kommt, weiß ich nicht anzugeben und ſchwerlich möchte auch jemand dar— über genügende Auskunft zu geben wiſſen.
19) Der Grüſel, das iſt der Schauder wovor; grüſelich, d. i. ſo, daß einem davor ſchaudert; grüſeln, d. i, ſchaudern wovor, z. B.„es grüſelt mir, in der Be— deutung„es ſchaudert mir vor Ekel, Abſcheu, Schrecken.“
So ſchreibt man hochdeutſch unſre wetterauiſchen Griſſel, griſſelich, griſſeln, griſſelt, welche wir ſo ausſprechen hören, aber ja nicht ſo ſchreiben dürfen, wenn wir nicht falſch ſchreiben wollen. In dieſen Wörtern nämlich hat ſich das altdeutſche lange u wegen der ſcharfen Ausſprache des ſ wie ein ſſ erhalten; ſonſt gieng jenes u hochdeutſch und wetterauiſch in au über, weshalb wir auch hochdeutſch z. B. Graus für altdeutſch der Grus ſagen. Fruͤher ſagte man fuͤr grüſelen mit langem u gruſelen von altdeutſch gruſen d. i. grauſen.
20) Die Pfrün, d. i. was dem Hirten vertrags— mäßig von einem jeden Gemeindegliede, welches Vieh bei der Heerde hat, gegeben werden muß. So ſpricht man das bei uns Wetterauern übliche die Prihn hochdeutſch aus und ſchreibt es auch ſo. Das Wort iſt in der Form Pfrün oder, wie man fruͤher ſagte, Pfrun ſchon alt. In dem Altenſtädter Markweisthum von 1485*) ſteht z. B. „he ſall auch den hirten ire pfrun geben,, d. i. er(näm⸗ lich der Ausmärker, welcher Güter in der Altenſtädter Mark und Terminei hat) ſoll auch den Hirten ihre Pfrün geben. Und in einem mittelrheiniſchen Wörterbuche von 1469 ſteht prune und phrune. Das Wort iſt eine mittelrheiniſche,*) kürzere Form anſtatt hochdeutſch die Pfründe, und man ſagt auch zu Nürnberg die Hirtenpfrüend, wie wir die Pfrün gebrauchen. Uebrigens ſind Pfrün und ſeine Ne— benform Pfründe Fremdwörter, hervorgebildet aus dem ſpätern lateiniſchen praebenda(d. i. was an Eſſen und Trinken täglich jemanden, z. B. einem Mönche, verabreicht wird) und alſo zunächſt aus der Kloſter- und Mönchsſprache hergenommen.
) Dieſes recht intereſſante Weisthum hat vor 100 Jahren ſchon Schatzmann abdrucken laſſen, aber fehlerhaft; ein genauer richtiger Abdruck befindet ſich Seite 453 bis 457 des im Jahr 1842 erſchie⸗ nenen dritten Bandes der von Jacob Grimm geſammelten Weis⸗ thümer. Die eben von Jacob Grimm daſelbſt mitgetheilten wet— terauiſchen Weisthümer ſtehen von S. 394502 und S. 884—887, wo freilich der Begriff der Wetterau ſehr ausgedehnt genommen ift, Mehr wetterauiſche Weisthümer werden noch im vierten Bande folgen.
*) Unſere wetterauiſche Mundart hat mit der mittelrheiniſchen vieles gemein


