Ausgabe 
25.10.1845
 
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Iſt die Sache allerdings bei größeren Quantitäten mit Schwierigkeiten verbunden, ſo läßt ſich doch bei ernſtem Willen gar Vieles exreichen. Wir ſahen Schoppen, Scheuen⸗ Tenne, mit Borden belegte Grasplätze, Kellerräume, Obſt⸗ hurden, Speicher, ſelbſt Wohnräume zu gleichem Zwecke benützt und wie man ſich hier nach dem ſchönen guten Aus⸗ ſehen der ſo behandelten Kartoffeln der ſichern Hoffnung ihrer nun ganz geſunden Erhaltung überläßt, ſo ſicher wird dieß auch anderswo bei gleicher Behandlung zu erreichen ſein. Darmſtadt den 19. Oktober 1845.

Großh. Heſſ. Centralbehörde der land wirthſchaftl. Vereine.

Bekanntmachung.

In der am 22. September l. J. dahier abgehaltenen Hauptverſammlung der im Jahr 1834 für die Kreiſe Gießen und Grünberg begründeten Spar- und Leihkaſſe wurde die Rechnung über die Verwaltung des Jahres 1844 ſtatuten⸗ gemäß abgeſchloſſen, deren Ergebniſſe in nachſtehender Ueber⸗ ſicht dem Publikum vorgelegt werden:

A. Das Activ- Vermögen beträgt: 1) an Caſſevorratkch h. 6302 fl. 53 kr. 2 an Capitalien, welche von 3467 De⸗ bitoren, alſo durchſchnittlich mit 55 fl. von einem Einzelnen verſchuldet und mit 5% verzinſt werden.. 190332 7 15 3) an ausſtehenden, aber noch nicht fäl⸗ ligen Stückzinſenn 4) an Jahreszinſen, welche zwar fällig, aber nicht bezahlt worden ſind.. 405 7 08

Summe 202,097 fl. 28 kr.

B. Das Paſſiv⸗ Vermögen beträgt:

1) an Einlagen, welche von 1571 Cre⸗

ditoren zur Caſſe gegeben worden u.

von dieſer mit% verzinſt wer⸗ den und zwar:

a) an Capitalien nach§. 43. der

Statuten.

5057 12

e 7398 fl. 50 kr. b) an unverzinslichen Capitalien 1004, c) an Erſparniß⸗Capitalien. 187736 29.

2) an fälligen, aber von den Gläubigern noch nicht empfangenen Zinſen. 85 33 3) an Reſervefond 8 5 5872 36 Summe 202097 fl. 28 kr.

An Erſparniß⸗Capitalien ſind zur Vereinskaſſe

eingezahlt: Zahl der Im Creditoren. Summe Durchſchnitt.

1) von öoͤffentl. Dienern 108 20500 fl. kr. 189 fl. 48 kr. 2) von Künſtlern, Profeſ⸗

ſioniſten u. Landwirthen 290 59950 206% 42, 3) von Curatoren Min⸗

derjähriger, Abweſen⸗

der ꝛc. u. von Eltern

für ihre Kinder. 380 30510 4) von Rechnern für Pri⸗

vat ⸗Unterſtützungs⸗

ifi/ 5) von Dienſtboten u. zwar

A. von männl. Dienſtb. 205 20900- 7 102%

b. von weibl. Dienſtb. 561 54476 29, 97, 06,

Summe 1555 187736 fl. 29 kr. 120 fl. 48 kr.

80/ 18%

Eine Vergleichung mit der Nachweiſung für das Jahr 1843 ergibt, daß die Summe der ausgeliehenen Capitalien um 18,549 fl. 34 kr. und die Summe der eingelegten Capi⸗ talien um 19,108 fl. 27 kr., ſowie die Zahl der Debitoren mit 169, die Zahl der Einleger aber mit 59 im Jahr 1844 ſich vermehrt hat.

An Prämien fuͤr Dienſtboten und an Beiträgen zur Unterhaltung der in 26 Gemeinden errichteten Induſtrie⸗ ſchulen, die durchſchnittlich von 1190 Kindern beſucht wer⸗ den, wurden im Jahr 1844 711 fl. 06 kr. bezahlt, dennoch hat ſich der Reſervefond um 1096 fl. 36 kr. vermehrt und am Ende des Jahrs 1844 5872 fl. 36 kr. betragen.

Gießen den 12. Oktober 1845.

Der Vorſtand des Vereins.

* Spruͤchwoͤrter und Sentenzen mit Randgloſſen.

21) Das ſind die rechten Katzen, Die vorne lecken und hinten kratzen.

Mein Nachbar Hans Veit ſagte mir, das Spruͤchwort ſei eigentlich gemacht auf die Menſchen, die äußerlich lächeln und innerlich voll Gift und Galle, Neid und Bosheit ſind, auf die Menſchen, die ſchön thun mit Jedem, wenu ſie mit ihm ſprechen, und die, wenn ſie ſich umkehren, die Zunge herausſtrecken, ſpotten und verläumden. Ich wollte partout dem Nachbar nicht glauben, daß es ſolch heuchleriſche Buben gäbe, aber er verſicherte mich hoch und theuer, es wären ihm ſelbſt ſchon Einige des Gelichters aufgeſtoßen; ihre Namen hat er mir aber um's Leben nicht genannt und ſo kann ich ſie denn auch dir, lieber Leſer, nicht angeben. Das aber rathe ich dir, wenn dir Einer gar zu freundlich iſt, oder wenn er bei dir über andere ſchmält, mit denen du ihn kurz vorher in Freundlichkeit verkehren ſahſt, ſo laß dich von ihmlaß dich vun ſe wie jener Jude ſeinem Söhn⸗ chen rieth, das von andern Knaben war geſchlagen worden.

22) Auf Regen kommt Sonnenſchein.

Könnte auch umgekehrt lauten: auf Sonnenſchein folgt Regen; da man aber unter dem Regen ſich gewöhnlich etwas Widriges, unter dem Sonnenſchein aber etwas Erfreu⸗ liches zu denken pflegt, ſo liegt in dem umgewendeten Sprüch⸗ worte ein im Glücke beunruhigender, in dem Sprüchworte aber, wie es im Munde des Volkes iſt, ein im Unglücke erhebender, ein tröſtlicher Gedanke: Und weil nun auf Erden, in dem Lande der Prüfung, viel mehr Leidweſen als Freude zu finden iſt, weil alſo die meiſten Menſchen meiſtens viel mehr des Troſtes im Unglück, als des Zaumes im Glück bedürfen, oder, wenn dieß auch nicht überall wahr ſein ſollte, weil die Menſchen im Unglücke ſich eben ſo nach Troſt ſehnen, wie ſie im Glücke jeden Gedanken an die Möglichkeit einer Störung ihrer Verhältniſſe ſuchen los zu werden, ſo hat man ſich lieber an das Tröſtliche, als an das Beunruhigende des beſtändigen Wechſels gehalten und nicht: auf Sonnenſchein folgt Regen, ſondern: auf Regen folgt Sonnenſchein geſagt. Wohl dem aber, der ſogenaturt⸗ iſt, daß er, während es ſtürmt, ſchon des künftigen Son⸗ nenſcheins ſich freuen kann. Alle können es nicht. Till Eulenſpiegel weiland konnte es, denn wenn er einen Berg hin auf gieng, lachte er beſtändig aus Freude, daß er jetzt bald den Berg hinunter gehen könne. Ein Sprüch⸗ wort, das mit dem angeführten ganz gleichen Sinn hat, iſt: 23) Kommt der Schnee, dann geht er auch wieder.

Schade nur(oder auch nicht Schade, denn es ſteht ja eigentlich nur zu gewinnen), daß der Schnee oft ſo lange liegen bleibt, daß Mancher das Thauwetter gar nicht

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