Daſſer
des deutſchen
Intelligenz Glatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an ſaͤmmtliche Großh. Burgermeiſter dieſes Kreiſes.
Betreffend: Ausführung des Wieſenculturgeſetzes vom 7. October 1830,
insbeſondere das Inſtitut der Wieſenvorſtände und deren
Wirkſamkeit— in specie— Einſendung der Jahresberichte.
Indem ich Sie auf mein Ausſchreiben vom 8. Sept.
1843 in Nro. 71. des Intelligenzblattes verweiſe, gebe ich
Ihnen auf, unter Mitwirkung der Wieſenvorſtandsmitglieder
innerhalb des Monates November berichtliche Vorlage über folgende Punkte zu machen.
1) Sind die Wieſenvorſtände noch complett, oder nicht und in letzterem Falle, welche Mitglieder und aus wel— chen Gründen ſind dieſelben ausgetreten;
2) Welche Wieſenculturpläne ſind pro 1846 projectirt und iſt deßhalb ſchon beſondere Vorlage gemacht oder nicht;
3) Was iſt im Laufe des Jahres 1845 bezüglich der Wie⸗ ſenkultur geſchehen.
Friedberg am 16. Oktober 1845. Krach, Kr.⸗Sctr.
Die Aufbewahrung der Kartoffeln betreffend.
Nach mehrfachen Nachrichten mußten Landleute, welche ihre dießjährigen Kartoffeln von der da und dort vorkom⸗ menden Fäule befreit und ſie darum eben ſo, wie in ſonſti⸗ gen Jahren, aufbewahren zu können glaubten, ſehen, wie ſie dennoch bald darauf in den Kellern, Gruben ꝛc. ꝛc. in Wärme und theilweiſe in Fäulniß geriethen. Manche haben hierauf die Anſicht gegründet, als ſeien im gegenwärtigen Jahre überhaupt alle Kartoffeln, ſie mögen noch ſo geſund ausſehen, der Krankheit der Fäule unterworfen.
Dieſe Anſicht iſt aber irrig und um ſo mehr zu be⸗ kämpfen, als ſie gar leicht zu voreiliger Veräußerung der Kartoffelvorräthe oder zu weiterem Verderben von ſolchen Veranlaſſung geben kann.
Das Schwitzen und Faulen der Kartoffeln kam ſchon,
wie jeder erfahrene Landwirth gar wohl weiß, ſelbſt in
Jahren vor, in welchen man kein Wort von einer Kartoffelkrankheit hörte. Es beruht jenes auf dem ganz natürlichen Grunde, daß wenn gewiſſe feuchte Gegen⸗ ſtände einem allzuſtarken Druck unterliegen, ſie in Wärme und Gährung gerathen.
Wir ſehen dieß bei feucht eingebrachtem Dörrfutter, insbeſondere Grummet, bei mit Gras ſtark durchwachſenem Getreide, z. B. Gerſte unter Klee ꝛc. ꝛc. Auf demſelben Grunde beruht die in neuerer Zeit zur Erſparung von Brennmaterial empfohlene, und auch da und dort einge— führte, Selbſterhitzung des Futters(Kartoffeln mit Heu und Strohhäckſel).
Um wie viel mehr muß aber eine Erſcheinung dieſer Art bei den diesjährigen Kartoffeln eintreten, wenn man bedenkt, mit wie viel Feuchtigkeit ſie zu kämpfen hatten, wie wenig ihre wäſſerigen Beſtandtheile in dem durch den vielen Regen ſo feſt gewordenen Boden verdunſten konnten und wie wenig noch die Witterung zur Zeit der Ernte dieß be⸗ günſtigte. Darum befinden ſich auch die Kartoffeln genau betrachtet jetzt am Schluſſe ihrer Vegetationszeit erſt auf demjenigen Grade von Reife, in welchem ſie ſonſt ſchon beim erſten Beginn des Kartoffelausmachens zu ſein pflegen.
Das Faulen von den als geſund eingebrach⸗ ten Kartoffeln in den Kellern iſt alſo eine ganz beſondere Erſcheinung, die ſich aber je nach der Behandlung ihres Unterbringens ſicher vermin— dern läßt.
Daß dem ſo ſei, daß alſo geſund eingeerntete Kartoffeln geſund erhalten werden können, zeigt das Beiſpiel aller Derer, welche die bei Kartoffeln dieſer Art nöthige beſondere Vorſicht angewendet, welche insbeſondere wie auch in Nr. 41 der diesjährigen landw. Zeitſchrift empfohlen war, die ausgenommenen Kartoffeln zuvor noch in allen irgend dis— poniblen Räumen zum vorerſtigen Aus- und Abtrocknen an der Luft(nicht Sonne) ausbreiteten, beim Einkellern ſelbſt aber, nach vorheriger ſorgfältiger Ausleſe, in nur ge— ringer Höhe aufſchütteten und dabei alle Kelleröffnungen den Tag über offen hielten. Solches geſchah insbeſondere im Odenwald, wo die Verhältniſſe am frühſten bei der dies— jährigen Kartoffelernte zur Vorſicht mahnten und wo auch Diejenigen, dir nicht ebenſo handelten, nun anfangen, ihre warm gewordenen Kartoffeln aus den Kellern zu nehmen und ſie nachträglich gleichem Verfahren zu unterwerfen.
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