Ausgabe 
25.6.1845
 
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N 1 96 13.

und ſogar ein Virtuos darin geworden ſey,(wenn man ſich dieſes Ausdrucks in dieſer Beziehung bedienen darf.) Ich freute mich daher unendlich, als ich im verwichenen Winter (nach Verlauf von 6 Jahren) ein Schreiben von ihm er⸗ hielt, das ich, ſoweit es dieſen Gegenſtand betrifft, wörtlich folgen laſſe:

Lieber Freund!

Durch vielfache Erfahrungen in Ungluͤcksfällen und zwar durch die Trunkſucht veranlaßt, bin ich endlich zur Erkenntniß gekommen und habe einſehen gelernt, daß ich hiermit nicht mehr beſtehen konnte und beſtehen kann. Um nun dieſem Laſter und hierdurch den ſchlechten Geſellſchaften gänzlich zu entgehen, wußte ich kein andres Mittel, als mich in einen Mäßigkeits verein gegen alle gebrannte Waſſer aufnehmen zu laſſen. Da nun in hieſiger Gegend(Provinz Starkenburg) kein; ſolcher Verein beſtand, wiewohl viel Branntweintrinker vorhanden ſind und auch für dieſe Pro⸗ vinz ein Mäßigkeitsverein wie allgemein anerkannt höchſt nützlich wäre; ſo wendete ich mich mit der Bitte an den Herrn Dekan Koch zu Wetterfeld, Kr. Grünberg, um mich in den dort beſtehenden Verein aufzunehmen, was auch, nach überſtandener Probezeit, durch ein, in die Hände die⸗ ſes würdevollen Mannes abgelegtes feierliches Gelübde ge⸗ ſchah. Seit dieſer Zeit bin ich nun wirklich ein ganz ande⸗ rer Menſch.

Unterdeſſen habe ich mehrfach Gelegenheit geſucht und gefunden, auch mich erkundigt um Gewißheit über die An gabe des briefl. Inhalts zu erhalten und fand ſolche in jeder Beziehung beſtätigt. Mein Freund hat einen kaum zu den⸗ kenden Abſcheu vor dem Branntwein und auf probeweiſes Anſinnen, daß jenes Getränke, mäßig genoſſen, nicht ſchädlich ſey, entgegnet er auch hier mit aller Beredſamkeit, daß es auch dann ein ſchleichendes Gift für den Körper ſey, was er recht gut beurtheilen könne.

Möge dieſes Beiſpiel doch dazu beitragen, dem, nicht nur in Oberheſſen, wie in Starkenburg angenommen wird, ſondern auch dort und in allen Gegenden ſo ſehr überhand nehmenden Branntweintrinken entgegen und dahin zu wir⸗ ken, daß ſich allenthalben Vereine gegen den ſchädlichen Ge⸗ nuß dieſes Getränks bilden. Daß in der Pr. Oberheſſen (dem ſ. g. Oberfürſtenthum, wie es in der Provinz Star⸗ kenburg genannt wird), in gedachter Beziehung viel ge⸗ ſchieht, beweiſt die Niederlegung vieler früher beſtandenen Branntweinbrennereien, deren Beſitzer, früher Säufer, jetzt gar keinen Branntwein mehr trinken.

Bleibe im Lande und naͤhre dich redlich.

In Nr. 13. d. Blätter findet ſich ein Aufſatz mit der Ueberſchrift:Für etwaige Aus wandrungsluſtige

) Wir haben zu nachſtehendem Aufſatze ſelbſt einige Bemerkungen hin⸗ zugefügt, um Herrn W. die Erwiederung zu erſparen und jeder weiteren Erörterung über den fraglichen Gegenſtand vorzubeugen.

Die Redaction.

nach Braſilien, dem Einſender des Nachfolgenden ent⸗ gegnen muß. Hierdurch glaubt er namentlich denen einen Dienſt zu erweiſen, die vielleicht Verwandte oder Bekannte in genanntem Lande haben; denn angeführter Aufſatz ſcheint ihm geeignet die Gemüther, beſonders derer, die lange keine Nachricht von den Ihrigen erhalten haben, zu beunruhigen.

Schreiber jenes Aufſatzes erinnert ſich z. B. einer Frau, welche darum nach Braſilien ging, weil ſie hoffte, dort die Fülle guten Kaffee's immer zu haben und ſetzt hinzu: Schwerlich werden die Leute dort gefunden haben, was ihnen ihre goldene Träume vorgeſpiegelt hatten. Man ſieht es dem letzten Satze zu deutlich an, daß ſich Hr. W. nicht bei ſolchen erkundet, die hierüber beſſer als jener Hamburger Artikelſchreiber Auskunft hätten geben können. Da des Einſenders eigene Familie ſich in gedachtem Lande befindet, ſo verſichert er, aus vor ihm liegenden Briefen, daß ſich genannte Frau nicht ſehr geirrt habe. Denn Einer aus des Einſenders Familie, der ſich einige Zeit am Hofe des Kaiſers von Braſilien befand, kaufte ſich eine Plantage, auf der er im erſten Jahre 3000 Pfund Kaffee ärntete. Alle Briefe, die E. von den Seinigen erhielt, die letzten ſind zwei Jahre alt, zeugen von dem größten Wohlſtande und jeder derſelben enthält die dringendſte Einladung, den Vorausge⸗ gangenen zu folgen; aber die Schriftſtelle:Bleibe im Lande und nähre dich redlich /, ſo wie Zufriedenheit mit dem mir beſchiedenen Theile irdiſchen Glückes, bewegen mich in Ruhe und Frieden die wenigen Tage meiner irdiſchen Wallfahrt unter dem Schutze einer geliebten Obrigkeit, die hier wie dort von Gott verordnet iſt, zu beſchließen; obſchon meiner dorten, menſchlicher Vorausſetzung, ſo wie den Verſprechungen der theuren Meinigen nach, irdiſches Glück und Wohlergehen wartet. Denn Einſender durfte nur heute den Seinen mel⸗ den, er ſei geſonnen auszuwandern: ſo ſtünde ihm eine ſehr beſuchte Mühle offen, welche die Seinen verpachtet und die ihm ſeinen Lebensunterhalt mit ſeiner zahlreichen Familie ſicherten.)

Doch dies ſcheint dem Einſender jenes Aufſatzes nicht der Hauptgrund geweſen zu ſein, warum er warnt vor der Aus⸗ wandrung nach Braſilien, ſondern die dortigen Religions verhältniſſe. Freilich iſt es keine Kleinigkeit um den von den Vätern überkommenen, durch das Wort Gottes und die eigene Erfahrung in dem Herzen gegründeten Glauben; aber die Nachrichten, die wir in Händen haben und von den Unſeren ſind, belehren uns doch eines ganz Andern. Schon oben deutete ich an, daß einer aus meiner Familie am Hofe des Kaiſers geweſen, welcher bezeugt, wie freund⸗ lich der katholiſche Kaiſer gegen ihn geweſen, obſchon er Lutheraner war. Daß das Proſelytenmachen dort wie hier der Fall iſt, iſt richtig und zum Belege könnte ich Manches anführen, denn der Jeſuitismus hat ganz Südamerika um⸗ zingelt. Uebrigens iſt Niemand gezwungen ſeinen Glau⸗

*) Die hier gemeinte Familie hat jedenfalls ein beſonderes Glück in Braſilien gehabt. Auch uns ſind viele Auswanderer nach Braſilien namentlich bekannt, die nicht den hundertſten Theil haben von dem, was dem Einſ. angeboten worden iſt, und die gerne wieder nach Europa kämen, wenn ſie Reiſegeld hätten.Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die Redaction.

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