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nität beruhen, und wenn die Polizei das ſchöne Princip achtet:„leben und leben laſſen/—; der geſunde Sinn des Publikums geht dahin, daß die Polizeibehörde, auf erlaubte Weiſe, jeden Menſchen ſein Brod verdienen läßt und da⸗ durch vielleicht manchem Verbrechen vorbeugt— der beſſere Theif des Volkes kennt die Thaten eines Luther, Huß, Guſtaph Adolph, Philſop des Großmüthigen ꝛc. aus der Geschichte und ſſeht fieber das wohlgetroffene Bild dieſer Manner in einem fauberen Kupferſtich, als die Eckel er⸗ regenden Figuren in einem Wachskabinet; er wünſcht, daß die verſchiedenen Züge von Edelmuth, Menſchenliebe, Hel— denſinn ze. aus der Geſchichte des deutſchen Volkes den Kindern in der Schule auf populäre und faßliche Weiſe dargeſtellt werden, nicht aber durch erbärmliche Declama⸗ tionen der Wachskabineten-Diener. Und warum will denn der Herr Verfaſſer jenes Artikels nur Huß, Guſtaph Adolph, den Reichstag zu Worms, Luther und Philipp den Groß— müthigen und andere bibliſche Perſonen in Anſchauung gebracht wiſſen? warum nicht auch Karl den Großen, Napoleon, Friedrich den Großen, Ludwig I., Herder und Schiller, Mozart und Raphael, Bethoven und Haydn, Ronge und den Pabſt? Sind denn blos bibliſche Bil— der der Hebel für echte Bildung?
Referent unterſtellt bei dem fraglichen Drehorgeln— und Mordgeſchichten-Artikel blos eine Neigung zu literari— ſchen Verſuchen“), von welchen der gegenwärtige etwas übereilt zu ſein ſcheint, der indeſſen, durch den philoſophiſchen Werth ſeines Schlußſatzes:„Vereine können viel Gutes wirken, aber die Sittenpolizei kann auch viel Böſes ab— wehren dennoch Etwas für ſich behält.— Tiefer Sinn— ganz à la Leibnitz! EE
Zwei Examina). 1. Wie Einer im Examen nicht beſtand.
Zu Marburg wollte einſtmals ein Student in das Examen gehn und Magiſter werden, wie es damals üblich war, wenn einer von der Univerſität mit einem Titel nach Hanſe kommen wollte. Als er nun in das Examen rigo- rosum(das iſt in das ſcharfe Examen) kam und von vie⸗ len Dingen gefraget wurde, da ſchwieg er ganz ſtill und wußte nichts zu antworten; denn er hatte ſich zu Marburg Studirens halber aufgehalten, aber nichts gelernt. Die Profeſſoren ſaßen da, und endlich ſagte der alte Poet Pro— feſſor Conrad Bachmann:„Herr Candidate, das iſt ein ſchön Tuch, davon Euer Mantel gemacht iſt; wo habt Ihr das Tuch gekauft und was koſtet eine Elle? Der Candi— dat antwortete:„Herr Profeſſor, ich habe es bei Heinrich Holſtein in der Wettergaſſe gekauft. Die Elle koſtet 2 Reichsthaler und ein halb Kopfſtück.“ Da antwortete der alte Bachmann:„Das iſt mir von Herzen lieb, daß ich höre, daß Ihr noch reden könnet. Ich hatte Sorge, Ihr würdet ganz ſiumm und ſprachlos worden ſein, ſeit Ihr bei
*) Dem Herrn Einſ. dieſes Artikels geben wir die Verſicherung, daß der Herr Verf. des Artikels in Nr. 70 über die Periode lit, Ver⸗ ſuche ſchon lange hinaus iſt. Die Red.
) Beide Erzählungen ſind aus Dr. Johann Balthaſer Schupp's Schriften(Hamburg 1663.) und ſtehen daſelbſt S. 811 u. 31.
uns geweſen ſeid.“ Aber jene Antwort war auch die ein⸗ zige geweſen, welche der Student zu geben gewußt hat und konnte alſo im ſcharfen Examen nicht beſtehen. J 2. Wie Einer im Examen ſinnreich beſtand.
Man ſagt, es ſei ein hochgeſtellter vornehmer Geiſt— licher(wir wollen ihn einen Biſchof nennen) zu Rom ge⸗ weſen, welcher etliche geiſtliche Stellen mit vielem Gelde und keiner Arbeit zu vergeben Macht gehabt. Zu dem kommt ein anderer Geiſtlicher und will ſich eine ſolche Stelle von ihm bitten. Da fragt ihn aber des Herrn Biſchofs Kammerdiener, ob er auch wiſſe Antwort zu geben auf die Frage, welche der Herr Biſchof pflege vorzulegen in dem Examen, welches er mit dem erſt halte, der ſich zu einer ſolchen Stelle melde. Der gute Mann fragt, was dann das für eine Frage ſei. Darauf antwortet der Kammerdie— ner:„Der Herr Biſchof pflegt zu fragen, wer Melchiſedechs Vater geweſen iſt. Wann Ihr darauf nicht antworten kön⸗ net, ſo werdet Ihr ſchwerlich zu der Stelle gelangen.“ Das war nun allerdings eine ſchwere Frage. Ich glaube, lieber Leſer, du und ich, wir hätten ſie nicht beantwortet und wären alle beide bei der Stelle leer ausgegangen. Was that aber unſer guter Mann, der ſich zu der Stelle melden wollte? Er bat, der Herr Kammerdiener wolle nur bei dem Herrn Biſchof ihm Audienz erlangen, er wolle her— nach ſchon ſehen, wie er mit dem Biſchof zurecht komme. Als er nun zur Audienz zugelaſſen und vom Biſchof im Examen gefragt worden, ob er auch wiſſe, wer Melchiſe⸗ dechs Vater geweſen ſei, da hat er mit der rechten Hand einen Beutel voll Ducaten auf den Tiſch gelegt und geſagt: „Das war ſein Vater!“ und mit der linken Hand hat er gleichfalls einen Beutel mit Ducaten auf den Tiſch geſetzt und geſagt:„Und das war ſeine Mutter!“ Der Biſchof aber hat ſich darüber verwundert und geſagt:„So ſinnreich hat mir noch keiner auf dieſe Frage geantwortet.“ Er hat auch den Mann gar nicht weiter examinirt, ſondern ihn auf ſeine vollwichtige Antwort beſtehen laſſen.
Item, das war vor alter Zeit, wo zuweilen die Ehr— lichkeit, wie auch die Frömmigkeit, gar rar war, beſonders bei manchen Leuten.
Veiſchie dene es
Ein ausgezeichneter Rechenmeiſter will wie— der einmal ganz gewiß die Kunſt erfunden haben, an den grünen Tiſchen mit Hülfe einer einfachen Berechnung jedesmal und ſicher zu gewinnen.) Da nun jetzt Alles durch Actiengeſellſchaften ausgebeutet wird, ſo hat ſich auch ſofort eine Actiengeſellſchaft gebildet, welche ihm die Erfindung abkaufte oder vielmehr den Erfin⸗ der erkaufte, der alle Spielbanken beſuchen und da ſeine Erfindung nutzbar anwenden ſoll.— Von dem Gewinne zieht er für ſich ein Viertel ab, das übrige wird unter die Actionäre als Dividende vertheilt. Zuerſt wird er ſeine
Kunſt in Baden und Homburg üben. Wir wiſſen, daß es unmöglich iſt, den Zufall zu beherrſchen, wünſchen aber trotz⸗ dem, daß es der genannten Actiengeſellſchaft möglich werde,
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