Ausgabe 
21.5.1845
 
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156.

ausdrücklicher Beſehl Jeſu, unseres Seelenveredlers iſt, die Kleinen und Schwachen mit ihren ſchönen Anlagen nicht zu drücken, ſondern gegen die Nothleidenden barmherzig zu ſein, wie unſer Vater im Himmel barmherzig iſt und auch geſagt iſt, daß ſich der Gerechte auch der Ungerechte ſeiner Thiere, ſelbſt am Sonntage, wenn ſie in einen Brunnen dder in eine Grube fallen, erbarmt, wie viel mehr dies? wenn ſie unter unverſtändiger oder muthwilliger Mörder⸗ hand unſere Hülfe, unſern Schutz und unſern Beiſtand mit kläglichen Tönen erflehen und uns gleichſam zurufen: Ihr Herrn der Erde erbarmet Euch und macht, daß kein Klagen und kein Seufzen mehr ſei!

Weiteres Ihnen mitzutheilen, behalte ich mir vor, bei einer demnächſt zu haltenden Verſammlung zur Localſection vorzubringen; für jetzt empfehle ich mich Ihrer Liebe und hoffe, daß ſie des hochverehrten Vorſtandes Fürbitte für die hilfsbedürftigen Flurbewohner nicht unerfüllt laſſen wer⸗ den, um ihre Leiden und Menſchenſcheu zu mindern und ihre Harmloſigkeit wie den Himmel auf Erden zu fordern.

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Ein Wort uͤber Leſevereine in Doͤrfern mit beſonderer

Rüͤckſicht auf den Leſeverein in Buͤdesheim. Edles bleibt uns noch viel zu verrichten, Viel auch des Guten iſt noch nicht gethan. Von Salis.

Wir leben in einem Jahrhundert, das große Anſprüche auf geiſtige Bildung macht. Vom Hohen, wie vom Nie⸗ deren fordert es nach Verhältniß gleiches Wirken, um Licht und Aufklärung überallhin zu verbreiten. Auch der Land⸗ mann bleibt davon nicht ausgeſchloſſen; auch er ſieht ſich nach einem Mittel um, ſeinen Geiſt zu bilden und an Kennt⸗ niſſen zu bereichern. Ein ſolches Bedürfniß fühlte man nun auch ſchon ſeit lange in Büdesheim, und ſo geſchah es, daß kurz nach Oſtern über 20 Familien zu einem ge⸗ meinſchaftlicheu Leſeverein zuſammentraten. Nach den Statuten des Vereins ſollen nur wiſſenſchaftlich belehrende und unterhaltende Bücher Eingang finden und jedes religiöſe Element daraus verbannt ſein. Es ſollen Bucher ſein über Acker⸗ und Gartenbau, Vieh- und Obſtbaumzucht, Länder⸗, Völker⸗ und Gewerbkunde, über Erziehung und Familien⸗ leben, dann Bücher zur Unterhaltung: anmuthige Erzaͤh⸗ lungen, geſchichtliche Darſtellungen, ſchöne Reiſebeſchreibun⸗ gen ꝛc. Alle aber ſollen ſtets einen ſittlich reinen Inhalt haben und immer dem größeren Theile der Mitglieder ent⸗ ſprechend und ihren Bedürfniſſen angemeſſen ſein. Jedes Mitglied erhalt für einen geringen Beitrag(im Anfang monatlich 6 kr. und ſpäter monatlich 3 kr.) das Jahr hin⸗ durch 8 ſolcher Bücher, ſo daß auf den Winter 6. und auf den Sommer nur 2 kommen ſollen. Die Mitglieder wäh⸗ len jedes Jahr 3 Vorſteher, welche die Bücher ausſuchen und für die Verwaltung ſorgen. Löſ't ſich der Verein je auf, was jedoch nicht zu erwarten iſt, ſo fallen ſaͤmmtliche Bücher der Gemeinde Büdesheim zur Verwaltung ſo lange anheim, bis ſich ein ähnlicher Verein wieder gebildet hat. Die Circulation der Bücher hat bereits ſchon ihren Anfang genommen.

Der Zweck eines ſolchen Vereins iſt ein ſchöner und der Nutzen deſſelben ſehr groß. Nicht der Körper ſoll allein wachſen und ſtark werden, ſondern auch der Geiſt ſoll mit ihm voranſchreiten und ſich immer mehr zu vervollkommnen ſuchen. Unwiſſenheit und Aberglaube werden durch geiſtige Bildung verſcheucht und Sittlichkeit und Religioſität beför⸗ dert. Der Menſch ſieht bald ein, daß ſein Geiſt, der Sterne berechnet und Welten entdeckt, nicht der Erde angehören kann, ſondern für ein höheres Leben beſtimmt ſein muß, und wird durch das Leſen ſeiner Produkte, der Bucher, gleichſam

vom Irdiſchen zum Himmliſchen gelenkt. Ja ſchlͤgt ein ſolcher Verein in einem Dorfe Wurzel, ſo werden ſich bald die ſchönſten Früchte davon zeigen. Die Jugend greift dann anſtatt nach Trinkglas und Spielkarte nach einem belehren⸗ den Buch, und die Wirthsſtube, oft der Tummelplatz roher Gelage, wird dann zu einem Leſe- und Unterhaltungszim⸗ mer umgeformt.

Mögen auch noch andere Orte der Wetterau dem ſchoͤnen Beiſpiele in Buͤdesheim folgen und kein egoiſtiſches Treiben oder Privatintereſſe die Ausbreitung und das Ent ſtehen der Leſevereine hemmen; mögen ſie blühen und Früchte tragen bis in die ſpäteſten Zeiten und den kommenden Ge ſchlechtern noch als Mittel zur Belehrung und Bildung ihres Geiſtes dienen!

5 b.

Kirchenbuchs⸗Auszug vom April 1845. Friedberg. Getraute:

22. Heinrich Burk, hieſiger Bürger, Lithograph, Maler, Vergolder und Lackirer, des hieſigen Bürgers und Bier⸗ brauers Anton Burk, ehelicher lediger Sohn und Maria Eva Stoll, des weiland Bürgers Sprach-, und Zeich⸗ nenlehrers Chriſtian Stoll dahier, hinterlaſſene ehelich erzeugte ledige Tochter.

25. Johann Sebaſtian Fritz, Großh. Heſſ. Domänenbote zu Alsfeld, des weiland Heinrich Fritz, Sergeanten an der Großh. Strafanſtalt zu Bobenhauſen, lediger Sohn und Katharina Koch, des hieſigen Bürgers Kuͤfer- und Bierbrauermeiſters Joh. Koch, eheliche ledige Tochter.

Getaufte:

6. Dem hieſigen Bürger und Oekonomen Franz Albrecht Ruppel eine Tochter, Katharina Charlotte, geb. den 22. März.

13. Dem' hieſigen Bürger und Schuhmachermeiſter Johannes Enders ein Sohn, Peter Friedrich, geb. den 27. März.

13. Dem hieſigen Buͤrger und Kammacher Johann Ludwig Rahn ein Sohn, Karl, geb. den 25. März.

15. Dem hieſigen Bürger und Oekonomen Chriſtian Reuß ein Sohn, Chriſtian, geb. den 15. April.

19. Dem hieſigen Bürger und Schuhmachermeiſter Johannes Kopp eine Tochter, Anna Maria, geb. den 5. April.

20. Dem Großh. Lehrer an hieſiger Muſterſchule Jakob Volk eine Tochter, Sophie Emilie Wilhelmine Karo line, geb. den 26. März.

25. Dem Gr. Domänenbote zu Alsfeld Johann Sebaſtian Fritz eine Tochter, Johanne Amalie, geb. d. 13. März.

27. Dem hieſigen Bürger und Schuhmachermeiſter Hart⸗ mann Ehrhardt ein Sohn, Wilhelm, geb. den 15. Apr.

27. Dem hieſigen Bürger und Weißgerbermeiſter Jakob Dörr ein Sohn, Chriſtoph Heinrich, geb. den 9. Apr.

Beerdigte:

5. Heinrich Pfeffer, Schneidergeſell von Hatterode, Kr. Ziegenhain, im Kurfürſtenthum Heſſen, alt 18 Jahre, 1 Monat und 10 Tage, 1 den 3. d. M.

6. Katharina Eliſabetha Stadelmann, des hieſigen Bür⸗ gers und Seilermeiſters Chriſtian Gottlieb Stadelmann eheliches Töchterchen, alt 1 Jahr, 2 Monate und 4 Tage, t den 4. d. M.

7. Ernſt Wüſt, des hieſigen Bürgers und Schuhmacher⸗ meiſters Nicolaus Wuͤſt eheliches Söhnchen, alt 3 Jahre weniger 6 Tage, den 5. d. M.

8. Ein todtgebornes Söhnchen.

9. Daniel Fritz, Großh. Bürgermeiſter der Stadt Fried⸗ berg und Landtags⸗Abgeordneter der zweiten Stände⸗ kammer des Großherzogthums Heſſen, alt 67 Jahre, 6 Monate und 23 Tage, 1 zu Darmſtadt den 7. d. M⸗

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