Ausgabe 
19.11.1845
 
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ubrigens Hr. Römheld die voriges Jahr herausgekommene 9. Ausgabe von Heyſe's Fremdwörterbuch nachgeſehen, ſo würde er Ulrich nicht mehr durch Allreich, ſondern richtiger erklärt gefunden haben.

Den andern Namen von Ulrichſtein, nämlich Mo- lestein(ſprich Molleſtein, nicht Mohleſtein), ſchreibt Schmidt ſo, wahrſcheinlich ſeiner Weiſe nach urkundlich; Landau in ſeinen heſſiſchen Ritterburgen 4. Bd. S. 111 ſchreibt Moles ſtein). In Nr. 71 ſteht, die alten Urkunden ſchrieben auch Mollesstein. Dieſe Urkunden hätten angeführt ſein ſollen; das hätte genützt. Mollisstein, wie in Nr. 71 ſteht, iſt nirgends zu ſehen. Doch gibt Hr. Römheld dieſem Namen (Mollisstein) und der Erlärung Mildenſtein von vielem Waſſer, wie wir in Nr. 71 leſen, ſeinen ganzen Beifall und knüpft die Entſtehung dieſes Namens an eine alte, erſt 1740 aufgeſchriebene Sage. Wie kann ſich aber die Ent⸗ ſtehung eines Ortsnamens an eine Sage knüpfen! Umge⸗ kehrt! es knüpft ſich die Sage an den Ortsnamen, um dieſen erzählend volksverſtändlicher zu machen(Vgl. Karben im Intelligenzbl. von 1844 Nr. 23), und ſo iſt es auch mit jener Sage von Ulrichſtein und Molestein, welche Hr. Römheld nicht einmal treu aus Landau's Buch erzählt und obendrein unrichtig, weil durch lateiniſche, dem Volke unver ſtändliche Wörter, und viel zu geſucht auslegt. Damit wird dann auch alles, was er daraus folgert, zu Rauch. Molestein oder, wie die Sage hat, Moles-Stein(nicht Mollisstein) iſt, wie ich in Nr. 80 ſagte, Molchsfelſen (latein. saxum stellionis) und ſo ganz deutſch. Warum der Felſen und Ort ſo genannt wurden, iſt uns jetzt unbe⸗ kannt. Aber es gibt ja auch ein Mollesdorf, eine Mols⸗ purgk und ſind viele Berge und Orte früher aus irgend

einem bekannten oder unbekannten Grunde nach Thieren be nannt, z. B. der Vogelsberg, Falkenſtein, Falkenberg, Geiers⸗ berg, Gauchsberg,(d. i. der Kukuksberg), Bocksberg, Hunds berg, Wolfsberg, die Käfernburg u. ſ. w. Dieſe Thiere ſollten indeſſen nicht den nach ihnen benannten Ort empfeh len, ſo wenig als die Schlangen Schlangenbad, nein! ihr Name ſollte dem Orte bloß zur Bezeichnung dienen. Wenn nun Hr. Römheld gar aus der heutigen Volksſprache moll

) Ich finde übrigens in alten gedruckten Urkunden überall nur UIriche- stein(b. i. Ulriches-stein), Ulrichstein, VIrichstein, nie den andern Namen.

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in der Bedeutungweich⸗ anführt, um dadurch zu unter⸗ ſtützen, daß Molestein aus lateiniſch mollis(d. i. weich, mild) und Stein zuſammengeſetzt ſei, ſo beweiſt dieſes Wort moll nichts, da es im Mittelalter im Deutſchen noch nicht vorkommt, und auch zu Mullſtein, wie das Volk Ulrichſtein nennt, nicht paßt. Endlich ſagt Hr. Römheld, es gäbe für ſein mollisstein viele ähnliche Beiſpiele, daß zur Zeit von 1270 Namen aus einem lateiniſchen und einem deutſchen Worte zuſammengeſetzt ſeien. Nein! auch nicht einen ein zigen Ortsnamen gibt es in der Art, wie er unrichtig Mollisstein zuſammengeſetzt ſich denkt. Dazu ſagt er, das, was in der obengenannten Sage erzählt wird, ſeiin den Jahren 1270/ geſchehen; er nimmt alſo die Sage für wirk⸗ liche Geſchichte.) Da glaube, wer kann! W.

4) Mit dieſem Aufſatze halten wir die Sache genugſam beleuchtet und können einer etwaigen Fortſetzung des Streites 5 nicht ie Red.

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Kirchenbuchs⸗Auszug vom Oktober 1845. Ulrichſtein. Getraute:

26. Herr Andreas Alt, Oberfeldwebel im III. Gr. Heſſ. Infanterie-Regiment, Wittwer und Bürger zu Worms, geboren dahier, und Chriſtina Orth, des vormaligen Ortsbürgers und Ackermanns Johannes Orth zu Rhein⸗ dürkheim im Kreiſe Worms und ſeiner Ehefrau Eva Maria einer geborenen Ungefähr unverheurathete Tochter.

Getaufte:

12. Dem hieſigen Bürger und Taglöhner Heinrich Rühl Sporers Eidam, eine Tochter, Eliſabetha, geb. den 22. September.

19. Dem hieſigen Bürger und Ackermann Johannes Horſt ein Sohn, Johannes, geb. am 30. September.

19. Ein unehelicher Sohn, Heinrich, geb. den 24. Sept.

Beerdigte:

2. Heinrich Joſt, des hieſigen Bürgers und Schuhmachers Ludwig Joſt Söhnchen, alt einige Stunden, k den 30. September.

31. Johannes Horſt, des hieſigen Bürgers und Ackermanns Johannes Horſt III. Sohn, alt 28 Tage, i den 28. d. M.

31. Heinrich Kaiſer, des hieſigen Bürgers und Taglöhners Juſtus Kaiſer III. Sohn, alt 5 Jahre, 8 Monate, 20 Tage, t den 28 d. M.

bauſe die den Bürgern Konrad Jung II. und Bekanntmachungen von Be⸗ Philipp Jung dahier gehörende Hoſraithe, be⸗ ſtehend in Wohnhaus und Gärkchen an Phi⸗ lipp Jakob Groß und Konrad König gelegen, ſodann 51 Ruthen(01½ U◻Klftr.) Garten in der Langgaſſe, zieht auf den Mittelweg, an Michael Bauer gelegen, öffentlich meiſtbie

hoͤrden.

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Gefundenes. (1394 Donnerſtag den 13. November l. J., wurde auf der Staatsſtraße zwiſchen Ober⸗ und Niederwöllſtadt ein Mantel gefunden.

Der rechtmäßige Eigenthümer kann ſolchen nach geſchehenem Ausweis bei Unterzeichnetem in Empfang nehmen.

Friedberg den 17. Nov. 1845.

Der Grßh. Heſſ. Buͤrgermeiſter Bender.

Hofraithe-Verſteigerung.

(1395) Montag den 29. Dezember l. J., Morgens um 10 Ühr, wird in hieſigem Rath⸗

tend verſteigert.

Friedberg am 17. Nov. 1845. In Auftrag Großh. Landgerichts Friedberg der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Partial-Obligations-Verlooſung.

(1596) Bei der heute ſtattgehabten Ver⸗ ſboſung der für dieſes Jahr zur Rückzahlung in Ausſicht genommenen Gemeinde-Partial⸗ Obligation zu Oſſenheim wurde die Nr. 79 gezogen, was mit dem Bemerken hierdurch be⸗ meinderechner Weiſenſee zu Oſſenheim oder

kannt gemacht wird, daß es dem Inhaber frei⸗ ſteht, den Betrag bei dem Handlungshaus Lindbeimer in Friedrerg oder an der Gemein dekaſſe zu Oſſenbeim in Empfang zu nehmen und daß vom 1. Januar 1846 an keine weiteren Zinſen vergütet werden. Bauernheim den 16. Nov. 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Walther.

Partial⸗Obligations-Verlooſung.

(1597) Bei der ſtattgefundenen Ver⸗ looſung der bei der Gemeinde Bauernheim für das Jahr 1845 zur Rückzahlung in Aus⸗ ſicht genommenen Partial⸗Obligation wurde die Nr. 9 gezogen, was mit dem Anfügen hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, daß der Betrag entweder bei dem Ge⸗