Ausgabe 
18.10.1845
 
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ſtünden, konnte er Rettungshäuſer gründen, wo nicht, ſich mit Einzelnerziehung begnügen. Auch ſtünde Nichts im Wege, daß er ſich ſowohl an die ſchweizeriſchen, als an die berliniſchen Beſtrebungen anſchloͤſſe, dieſelben ergaͤnzte und einigte. Durch ihn würde der drohenden Zerſplitterung der Kräfte am ſicherſten vorgebeugt. Zu dem Comite hat die Verſammlung 6 Mitglieder aus Frankfurt vorgeſehen, die Wahl ſelbſt wird in den nächſten Tagen erfolgen. Jede zum Anſchluß bereite Stadt oder pädagogiſche Corporation erwählt 1 Mitglied in das Hauptcomite nebſt einem Erſatz⸗ mann. Einſtweilige Mittheilungen werden an eins der Mit⸗ glieder des proviſoriſchen Comites gerichtet(Director Bagge, Oberlehrer Jekel, Oberlehrer Schäfer in Frankfurt, Inſpector Röder in Hanau, Seminar⸗Director Curtman in Friedberg). Lieder und Vorträge, welche bei dem Feſte benutzt werden ſollen, werden unter verſiegelten Namen an das Comite ge⸗ ſchickt, welches eine Auswahl trifft. Termin bis zum 1. December. Möge der ſchöne Anfang erfreulichen Fortgang gewinnen und Sonderinterſſen in dieſer menſchheitlichen Angelegenheit nicht beengend eintreten! Um Peſtalozzi's Ver⸗ dienſte ganz zu würdigen, iſt es erforderlich, ſich auf einen höheren Standpunct zu ſtellen, als Gemeinde, Staatsgrenze, geſellſchaftlicher Stand oder Confeſſion ihn gewähren.

Ein Mitglied der Verſammlung zu Frankfurt.

Getrocknete Kartoffeln, ein zeitgemaͤßes Mittel, die⸗ ſelben vor Faͤulniß zu bewahren.

Um dem Verderben der Kartoffel vorzubeugen wird auf Folgendes aufmerkſam gemacht, was Dr. Putſche in ſeiner Monographie der Kartoffel ſagt: 1) die Kartoffeln werden rein abgewaſchen, die grindichten und faulen ſchwar⸗ zen Stellen ausgeſchnitten. Hierauf trocknet man ſie in einem Backofen, nachdem das Brod herausgenommen wor⸗ den iſt, wodurch ſie welk werden, aller Keimtrieb er⸗ ſtickt und(was Hauptſache iſt) die Fäulnißfähigkeit entfernt wird. Je größer die Kartoffeln ſind, die man dörren will, deſto heißer muß der Ofen ſein; ſollte er nach dem Brodausnehmen ſchon zu kalt ſein, ſo muß er noch etwas geheizt werden, jedoch auch nicht zu heiß, daß die Kartoffeln braten könnten. Man läßt die Kartoffeln eine Stunde in dem zugemachten Backofen, nach dem Oeffnen deſſelben nimmt man ſie erſt nach einiger Zeit heraus. Man nimmt nun die faſt garen Erdäpfel, ſchüttelt ſie auf Hür⸗ den, Tennen oder mit Stroh belegte Bretter, wo man ſie, dem Luftzuge ausgeſetzt, einige Tage liegen läßt und hierauf in Körben oder Käſten trocken aufbewahrt. Beim Gebrauch bedarf es nur einer ſehr kurzen Zeit, ſie gar zu kochen. 2) Nachdem man die rohen Kartoffeln etwa eine Viertel ſtunde mit kochendem Waſſer überſchüttet, laſſen ſich die Schalen ſehr leicht abziehen. Hierauf werden dieſelben in Schnitt- oder Würfelform gebracht und, wie vorhin angegeben, gelinde getrocknet. In dieſem Zuſtande können ſelbige ſehr leicht gemahlen werden, und dienen trefflich zur Bereitung von Suppen, Kartoffelbrei, Klößen ꝛc. 3) Werden rohgeſchälte Kartoffeln zerquetſcht oder zerrieben,

wiederholt in einem runden mit einem Loch und Zapfen ver⸗ ſehenen Faß ausgelaugt, hierauf ausgepreßt und getrocknet, ſo laſſen ſich dieſe Kuchen im trocknen Zuſtande unverändert Jahre lang aufbewahren. Es lohnt ſich demnach gewiß der Mühe, frühzeitig Sorge zu tragen, daß der Fäulniß vor⸗ gebeugt wird.

v Oberurſel im Jahr 1550.

Der Graf von Königſtein ein' Stadt

Nicht fern von Frankfurt liegen hat.

Wann man will gehn ins Heſſenland,

So liegt die Stadt zur linken Hand,

Heißt Urſel, und das Völklein iſt

Keins Trugs gewohnt, noch Hinterliſt,

Keins Aufſatzs, Wuchers, Hurerei,

Man hört von keiner Buͤberei,

Sondern ſie ſind züchtig, fromm und ſchlecht);

Gottes Wort wird ihnen gepredigt recht

Nach Doctor Martin Luthers Weiß,

Das hört man da mit ganzem Fleiß.)

Beid, Männer und die Weiber, ſein)

Am Leib geſchickt!), gerad' und fein,

Darzu han ſie ein'n guten Herrnz

Was wollten ſie doch mehr begehrn?

Von keinem Schätzen?) haben ſie

In langer Zeit gehöret nie. Erasmus Alberus Buch von der Tugend und Weisheit S. 210211.

) d. i. in unſerer damaligen Sprache: ſchlicht, einfach, geradeaus.

) Erzbiſchof Schweickard von Mainz vertilgte hier ſpäter mit großer Härte die lutheriſche Lehre und vertrieb die, welche ihrem Glauben treu blieben. W.

) d. i. ſind.

) d. i. wohlgeſtaltet.

) d. i. keiner Steuerzahlung.

Kirchenbuchs⸗Auszug vom September 1845. Friedberg. Getraute:

3.(In Muͤnſter) Matthäus Ranft, Taglöhner dahier und Ortsbürger zu Bodenrod, des daſigen Ortsbürgers und Schweinhirten Johann Adam Ranft ehelich lediger Sohn, und Anna Katharina Strackbein, des hieſigen Bürgers weiland Heinrich Strackbein eheliche ledige Tochter.

7. Joh. Philipp Wolf, Bürger und Schuhmachermeiſter dahier, ein Wittwer, und Maria Anna Berg, des Bür⸗ gers und Tuchmachers zu Heidelberg weiland Georg Berg eheliche ledige Tochter. 5

14. Jacob Baier, Bürger und Kammmacher zu Limburg im Herzogthum Naſſau, der Eliſabetha Baier daſelbſt lediger Sohn, und Juliane Martine Ruppel, des hie⸗ ſigen Bürgers und Fuhrmanns weiland Adam Ruppel eheliche ledige Tochter. 8 5 5

28. Konrad Scheig, Bürger und Schneidermeiſter dahier, des hieſigen Bürgers und Poſtknechts weiland Joh. Georg Scheig ehelich lediger Sohn, und Anna Doro⸗ thea Hormann von Mainzlar, Kr. Gießen, des daſigen Ortsbürgers weiland Heinrich Adam Horman ehelich ledige Tochter.

21.

N.