Intelligenz Olatt
für die
Provinz Ohberheſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Mittwoch, den 16. April
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Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: In Unterſuchungsſachen wegen eines zum Nachtheile des Heinr. Lang von Hopfmannsfeld ſtattgefundenen Diebſtahls. Der in nachfolgendem Signalement näher bezeichnete Gottfried Staubach aus Herbſtein hat ſich der gegen ihn wegen obigen Diebſtahls eingeleiteten Unterſuchung durch die Flucht entzogen. Sie werden beauftragt, auf denſelben invigiliren, ihn im Betretungsfalle verhaften und wohlver— wahrt an mich abliefern zu laſſen. Grünberg den 9. April 1845. Bab ier
Signalement des Gottfried Staubach von Herbſtein. Alter: 21 Jahre. Größe: 6“ 7“. Haare: blond. Stirn: rund. Augen: graulich. Augenbraunen: blond. Naſe: auf— worfen, ſtumpf. Mund: der obere Theil in die Höhe ge— worfen. Bart: klein. Kinn: ſpitz. Geſicht: länglich. Ge— ſichtsfarbe: weiß. Statur: ſchlank.
r an die Geiſtlichen und Lehrer im Großherzogthum Heſſen zu gemeinſamer Theilnahme an dem Ver— eine gegen das Branntweintrinken.
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Ehrwürdige Männer im Dienſte des Herrn, geliebte Brüder in Chriſto! An Euch, die Ihr als Lehrer an Kirche und Schule erkoren ſeid, das Heil der Menſchen zu foͤrdern, ergeht vor allen Andern dieſer Hülferuf! Er kommt aus liebenden, vertrauenden Herzen; nehmt ihn mit Liebe und Vertrauen auf!
Als wir vor beinahe acht Jahren unſre Kräfte ver— einigten, um Einhalt zu thun den unſaͤglichen Verheerungen, die das größte Uebel der Zeit, der uͤbermäßige Branntwein— genuß anrichtet, und zum Kampfe gegen den furchtbarſten Feind aufforderten, der je die Fluren unſres Vaterlandes betreten, waren unſre Blicke beſonders auf Euch gerichtet, mit freudigem Sinne hoffend, daß, wenn auch ſonſt Nie—
mand, doch Ihr Euch an uns anſchließen und die helfende Bruderhand reichen würdet. Galt es doch dem Wohle unſrer Mitmenſchen, dem Gedeihen unſrer Gemeinden, dem Kampfe gegen den grauſamen Zerſtörer unſrer Wirkſamkeit, dem Kampfe für Gottes und Jeſu heilige Sache! Täuſchten wir uns auch in dieſer Hoffnung nicht ganz, traten auch Einzelne aus der Nähe und Ferne in die kleine Kämpfer— ſchaar, ſo mußten wir doch mit tiefem Schmerzgefühle wahr— nehmen, daß gerade in unſrem Vaterlande, ſelbſt bei den Führern des Volks, dieſe Sache ſo wenig Anklang fand, während ſich faſt überall, wo ſolcher Hülferuf ertönte, zahl— reiche Schaaren vereinigten unter der Mäßigkeit heiligem Panier.— Sollten wir nun zweifeln an Eurer Liebe zu den unter dem Joche des verderblichſten Laſters ſeufzenden Brüdern? zweifeln an Eurem Eifer für das Wohl Eurer Gemeinden, an Eurer Treue gegen den, der Euch zu dieſem Kampfe berufen? Nein, das können, das wollen wir nicht! Wir ſind vielmehr der Ueberzeugung, daß entweder nur Unkenntniß der Größe und Furchtbarkeit dieſer Seuche, oder Mangel an Vertrauen zu unſrer Sache Euch bisher unentſchieden ließen und Euren Beitritt nur verzögerten.) Darum laſſen wir nicht ab und werden nicht müde, Euch zu bitten und zu beſchwören, unſre Sache zu prüfen,— zu prüfen, ob ſie nicht Gottes und Jeſu Sache und darum auch Eure Sache ſei. Auf Euch ſehen Eure Gemeinden und Alle, die der Herr Euch gegeben. Wollt Ihr ihnen
nicht vorangehen mit Eurem Beiſpiele als die und treuen Hirten? Könnt Ihr länger zuſehen, wie ude Wolf in Euren Heerden wüͤthet und grauſam hinwürgt, die Ihr bisher mit treuer Liebe gepflegt und erzogen? Nein, Ihr könnt nicht langer ſäumen, Euch mit uns zu vereinigen, damit wir ſtark werden gegen den Feind, der, wenn wir
uns nicht Alle gegen ihn waffnen, unſerem Vaterlande immer tiefere W ſchlagen wird. Ja,— das bedenket wohl!— nicht würdig an unſrer Stelle ſtehen ind ruhig einſt vor Gott treten, wenn wir nicht von heili—
gem Feuer entbrennen, zu helfen und zu retten.
Auf denn, auf zum heiligſten Kampfe! Gott iſt mit uns, er hilft uns zum Siege, der größere Segnungen ver— breiten wird, als alle Siege, die je auf Deutſchlands Flu
) Wir empfehlen zu gefälliger Beachtung die eben erſchienene Schrift: „Des Volkes Noth unb Rettung, oder die Mäßigkeitsvereine nach ihrer Nothwendigkeit und ihren ſegensreichen Wirkungen, geſchichtl. dargeſtellt für das Volk und ſeine Freunde von K. Strack. Fried- berg, Bindernagel 1845. 162 S., kl. 16“, 24 kr.


