Ausgabe 
15.10.1845
 
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det Euer Flaſchenfutter unterwegens ſelbſt vonnoͤthen haben, bis Ihr in den Sund komml. Wann ich wieder in die Stadt(nämlich uach Danzig) komme, ſo will ich auf Eure und Eures Vaters Geſundheit trinken. Wünſchte mir da⸗ mit viel Glück zu der Reiſe. Sobald er weg war, reuete mich von Herzen, daß ich nicht nach ſeinem Namen gefragt hatte. Ich hab' mehr als tauſendmal an den Mann gedacht. Und wann ich wüßte, wer er geweſen ſei, ich woll't ihm oder ſeinen Kindern wiederum eine Freundſchaft erweiſen. Und ich hab' oftmals gedacht, ich wollte meinen Söhnen mit einem kleinen Capital ein groß Intereſſe machen und wollte unterweilens einen Reichsthaler bei einem guten noth leidenden Kerl anlegen, wie mein Vater ſein halb Kopfſtück und ſeinen Trunk rothen Landwein bei dieſem Danziger. Dann ich hab' aus Erfahrung gelernet, daß Berg und Thal nicht zuſammen kommen; allein gute Freund', ehrliche Leut' kommen wunderlich in der Welt wieder zuſammen und kann keiner wiſſen, wie oder wo der Arme dem Reichen, der Reiche dem Armen dienen könne.

Der Pfahlgraben im Jahr 1550.

Profeſſor Dieffenbach hat in ſeiner trefflichen Urge⸗ ſchichte der Wetterau den Lauf des Pfahlgrabens durch die Wetterau beſchrieben und bemerkt, daß er an manchen Orten durch Anbau ganz verſchwunden ſei. Dieß hatte ſchon vor 1550 angefangen, wie folgende Stelle aus der 25. Fabel in unſers Landsmannes Erasmus Alberus Buch von der Tugend und Weisheit zeigt). Alberus redet von dem Feldberg und ſagt:

Rings vmbher ligt ein groſſer Waldt, Darumb die alten Heyden haben

Bey zehen meil vmbher gegraben,

Ein lange zeit, eh Iheſu Chriſt

Auff erden menſch geboren iſt,

Den graben man noch ſehen kan,

Er wirdt genent von jederman

Der Polgrab, vnd zur lincken handt Reicht er bis in das Heſſenlandt,

Zur rechten handt biß an den Rhein, Das kan ein langer Polgrab ſein. Derſelbig grab vergeht nun ſehr, Dieweil man ſeiner acht nicht mehr, Das alter ſo feindtſelig iſt;

Beid, zeit vnd alter, alles friſt.

Beiläufig bemerke ich, daß Alberus, der den Wald des Feldberges ſelbſt oft beſucht und darin Heidelbeeren gegeſſen hat, angibt, es ſeien in dieſem Walde Hirſche, Haſen, Wölfe, Wildſchweine, auch Bären ſeien darin, aber nicht viel, da der Wald für ſie nun zu klein und zu beſucht ſei.

W.

) Die Stelle ſteht S. 120 in der zu Frankfurt am Mayn 1550 ge⸗ druckten Ausgabe, der erſten des Buches.

* 325.

Orthographie wetterauiſcher Woͤrter.

(Fortſetzung von Nr. 61 d. Bl.)

44) ſteipern, d. i. durch darunter gethane Stütze unterſtützen. Wetterauiſch ſpricht man: ſchtaipern. Die Steiper, d. i. die Stütze unter etwas. Wir haben das Wort vom Niederrhein her, und ſchon das Kölner Wörter⸗ buch(Teuthonista genannt) von 1475, hat stipren (ſprich: ſtäipren) in der heutigen Bedeutung. Hambur⸗ giſch ſagt man Stiper(mit langem i), wo wir Steiper ſagen. Auf dem Weſterwald, in Franken ze. ſagt man ſteu⸗ pern, elſaſſiſch ſtippern. Die Form iſt in p ohne Rückſicht auf den vorausgehenden Selbſtlaut eine niederdeutſche und hängt vielleicht mit lateiniſch stipes der Pfahl(namentlich der in die Erde geſteckte), der Baumſtamm zuſammen.

45) Die Donzel, d. i. 1)(mehr als ſcherzender Ausdruck) ein kleineres munteres Mädchen; 2)(dals ein nicht eben ſtark geringſchätziger Ausdruck) ein Mädchen, an welchem nicht viel iſt, inſofern es ihm an Tüchtigkeit fur practiſche Ausbildung mangelt. So ſchreibt man das ſuͤd⸗ wetterauiſche: die Donzil oder wie man ſtädtiſch(z. B. zu Friedberg) hört, die Dunzel. Das Wort iſt ein Fremd⸗ wort, entlehnt aus franzöſiſch doncelle, welches Wort(ähn⸗ lich unſerm deutſchen) im Scherz und in böſer Bedeutung das Frauenzimmer bezeichnet und von italieniſch donzella, ſpaniſch doncella die Jungfer aufgenommen iſt. Dieſe Wörter ſind Verkleinerungswörter und würden lateiniſch dominicella lauten, von domina die Herrin, Frau. Schmidt in ſeinem weſterwäldiſchen Idiotikon ſchreibt falſch: die Donſel, weil er eine völlig falſche Ableitung hat.

Nachtrag zu 17) in Nr. 9.

Garge ſcheint früher in der ganzen Wetterau üblich geweſen zu ſein, iſt aber nun von der Nidda ꝛc. durch die Zuſammenſetzung Gärgel⸗ ſack nach dem alten Oberheſſen hin verdrängt und, wie mir Dr. L. Die⸗ fenbach mitgetheilt, z. B. in und um Laubach noch gäng und gäbe.

W.

Kirchenbuchs⸗Auszug vom September 1845.

Hungen. Getraute:

25. Joh. Georg Etling, dahier ſtationirter Gensdarm, Orts bürger zu Niederſtoll, ehelicher Sohn des dortigen Bur gers und Leinewebers Heinrich Etling, und Johannette Kohlheyer, eheliche Tochter des ſeit Jahren abweſenden hieſigen Bürgers und Küfermeiſters Adam Kohlheyer.

Getaufte: Keine. Beerdigte:

5. Dem hieſigen Burger und Zimmermann Joh. Schmalz ein Sohn, Philipp Heinrich, 4 Wochen, 4 Tage alt.

8. Dem hieſigen Bürger und Zimmermann Johs. Falk ein Sohn, Auguſt Adam Heinrich, 17 Tage alt.

9. Ludwig Karl Nies, ehelicher unverheiratheter Sohn des verſtorbenen Oberförſters Nies zu Wenings, Kreis Nidda, 77 Jahre, 8 Monate, 26 Tage alt.