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der 1. Reviſor und Dirigent bei der 1. Abtheil, der Rechnungskammer⸗ Juſtificatur, Rechnungsrath Baur, unter Bezeigung der allerhöchſten Zu⸗ frledenheit mit ſeiner langjährigen und treuen Dienſtleiſtung, und die bei⸗ den Reviſoren Amend und Simon bei derſelben Juſtificatur⸗Abtheilung.
eoneurrenz; für die Stellen eines 2. Secretairs, eines Regiftragtors und eines Kanzliſten bei der Gr. Rechnungskammer(binnen 14 Tagen bei dieſem Colleg); die evang. Schullehrerſtelle zu Blofeld, Kr. Nidda, mit jährlich 170 ff, nebst 4 Stecken Buchen⸗Scheitholz zur Heizung des Schullocals; die Ditrictseinnehmerſtelle zu Altenſtadt mit Myrlich 1000 fl. chinnen 3 Wochen bei der Großh. Oberfinanzkammer 1. Section); die 2. evang. Mädchen⸗Schullehrerſtelle zu Alsfeld mit jähr⸗ lich 300 fl., einſchließlich der für Wohnung berechneten 40 fl.(Präſen⸗ tation des Stadtvorſtandes zu Alsfeld); die 2. evang. Schullehrerſtelle zu Wersgu, Kr. Dieburg, mit jährlich 217 fl. und 24 fl. für Heizung des Schullocals.
XV. Geſtorben ſind: Am 10. Sept. der penſ. Gensd'arm Delp und der penſ. Straßenwärter Schneider zu Mainz.
Der unerwartete Freund in der Noth.
Was man Liebes und Gutes von Landsleuten hört und lieſt, es thut immer ſo wohl und klingt ſo ſchön, und wenn es auch ſchon über 200 Jahre alt iſt, wie die fol⸗ gende Begebenheit, welche uns ein ſehr trefflicher, berühmter und hochangeſehener Landsmann, Dr. Johann Balthaſer Schupp(oder Schuppius, wie er ſich auch oft lateiniſch nannte) aus Gießen), folgendermaßen erzählt:
*) Auf dieſen Mann kann unſer Heſſenland und beſonders die Stadt Gießen ſtolz ſein. Er war 1610 zu Gießen geboren, lernte in dem kleinen Pädagogium daſelbſt und wurde mit 15 Jahren Student zu Marburg. 18 Jahre alt ging er, obgleich er vermögend war, aus Liebhaberei zu Fuß nach Königsberg in Preußen und ſtudirte daſelbſt. Von da reiſte er durch verſchiedene Länder und wurde 1635 Pro⸗ feſſor der Geſchichte und Beredtſamkeit zu Marburg, wo einsmals 5 Fürſten, 9 Grafen nebſt vielen Edelleuten auf einmal ſeine philo⸗ ſophiſche Vorleſung beſuchten. 1646 wurde er Heſſen-Darmſtädter Hofprediger und Conſiſtorialrath bei dem Darmſtädtiſchen Landgrafen Johann zu Braubach. Er war ein eben ſo tüchtiger Geiſtlicher (ein wahrhaft muſterhafter Volksredner), als Staatsmann, und half als Geſandter für ſein landgräfliches Haus bei dem Friedens⸗Con⸗ greſſe in Weſtphalen 1648 den weſtphäliſchen Frieden abſchließen, der dem 30jährigen Kriege ein Ende machte. Hier hielt er denn auch, veranlaßt durch den ſchwediſchen Geſandten, Axel, Oxen⸗ ſtierna's Sohn, zu Münſter die erſte Friedenspredigt und dann, als die Friedensurkunden ausgewechſelt wurden, eben ſo die Dankſagungs⸗ predigt, mit ſolcher Rührung und ſo überaus ſchön, daß der(katho⸗ liſche) Geſandte der Republik Venedig über Schupp ausrief:„Die⸗ ſer muß ein ausgezeichnet guter Menſch ſein! der muß ein wahr⸗ haft katholiſches Herz haben!“ Und doch war er ein echter Luthera⸗ ner, ſo echt, als je einer gelebt hat. 1649 ward Schupp als Paſtor an die Sanct Jakobskirche nach Hamburg berufen, welche für ſeine Predigt faſt immer ſo voll an Zuhörern war, daß er fich oft bis zur Kanzel hindurchdrücken mußte. Auch hier behielt er noch die herzliche Anhänglichkeit an ſein heſſiſches Geburtsland und ließ den einen ſeiner Söhne zu Gießen ſtudieren. Er ſtarb, 51 Jahre alt, den 26. Oktober 1661. Er war ein trefflicher Mann, offen, wahr⸗ heitsliebend und geradeaus gegen Hohe und Geringe. Seine Schrif⸗ ten gehören zu den trefflichſten des ganzen Jahrhunderts, wenn ſie nicht die trefflichſten ſind.— Die obige Erzählung findet fich in der zu Hamburg 1663 gedruckten Ausgabe ſeiner Schriften S. 251 22 W.
Als ich noch ein junger Student war, wollte ich von Danzig ſegeln in Dänemark, und als ich von guten Freun⸗ den in der Stadt Danzig Abſchied nahm, hielten ſie mich ein wenig zu lang auf. Als ich nun ans Meer in die Danziger Münde kam, da lag das Schiff, mit welchem ich fahren wollte, ſchon eine Meile von der Münde und hatte Anker geworfen, um dann ganz fortzufahren. Da bemuͤhete ich mich ſehr um ein Boot, das mich ans Schiff brächte; allein es wollte niemand mich dahin bringen. Endlich kam ein junger Mann, der war wohl bekleidet und ſahe mich an und ſagte:„Herr, ich höͤre an der Sprache, daß Ihr ein Hochdeutſcher ſeid. Aus was für einer Stadt ſeid Ihr?, Ich antwortete:„Mosjö, es gilt gleichviel! Es iſt Euch wenig damit gedient, daß Ihr wiſſet, wo ich herkomme. Aber mir wäre damit gedienet, wann Ihr mir ſagen woll⸗ tet, wie ich in das Schiff kommen ſolle.“ Er antwortete: „Verzeihet meiner Neugierde! Mich duünkt, ich habe jemand gehört, der eben eine ſolche Art zu reden hatte, wie Ihr. Sagt mir doch, was ſeid Ihr für ein Landsmann?“ Ich ſagte:„Ich bin aus dem Haſſenlande, aus der Stadt Gie⸗ ßen.“ Da ſagt er:„Kennet Ihr den corpulenten Mann, der daſelbſt wohnet in dem rothen Eckhaus auf dem Markt? /*) Ich ſagte:„Ja, es iſt mein Vater!“ Da antwortet er: „Nun wohlan, ſo will ich Euch ſelbſt ans Schiff bringen.“ Gieng damit hin und ſprach einen Kerl um ſein Boot an. Als wir hinfuhren nach dem Schiff, erzählte er, daß er einſt⸗ mals durch mein Vaterland gereiſet, und von Soldaten ſei geplündert worden). Da ſei er hungrig und durſtig nach Gießen mitten in die Stadt auf den Markt und ſo, nach⸗ dem er ſich ein Herz gefaßt habe, in meines Vaters Haus kommen, und mein Vater habe nebſt etlichen guten Freun⸗ den unten im Haus, nicht weit von der Hausthür, bei gar warmem Wetter geſeſſen und hätten rothen Wein getrunken, aus einem vergüldeten Geſchirr, welches er mir gar eigent⸗ lich beſchrieb und mir wohlbekannt war, denn mein Vater pflegte gewöhnlich daraus zu trinken. Da habe er meinem Vater ſeine Noth geklagt, und ein jeglicher habe ihm ein halb Kopfſtück gegeben, und er hätte einmal von dem rothen Wein trinken müſſen. Er betheuerte hoch, daß es damals zwiſchen zwei und drei Uhr Nachmittags geweſen, und es ſei ſehr warm geweſen, und er habe deſſelben Tages noch nicht zu eſſen gehabt. Allein der Durſt habe ihn mehr ge— plaget als der Hunger, und es dünkt ihn, es hab' ihm ſein Lebtag kein Trunk beſſer geſchmeckt, als derſelbe. Als ich an das Schiff kam, wollte ich den Mann, dem das Boot zuſtund, bezahlen; allein eben der wohlgekleidete Mann, der mir das Boot verſchafft hatte, wollte es durchaus nicht lei— den. Ich machte mein Flaſchenfutter(Flaſchenbehältniß zur Reiſe) auf und wollte ihm einen Trunk ſpaniſchen Wein zubringen. Allein er wollte nicht, ſondern ſagte:„Ihr wer—
6) Es iſt dieß, ſo viel ich erfahren konnte, die jetzige Apotheke des Herrn Dr. Witte.
n) Es war damals gerade die erſte Zeit des dreißigjährigen Krieges und darum auf den Straßen, durch die damaligen wilden und beute⸗ ſüchtigen Soldaten, ſehr unſicher.


