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heit untergehen zu laſſen, ſondern ſie aufzubewahren kom⸗ menden Geſchlechtern zum Vorbild, zur Nacheiferung. Ganz von dieſen Geſinnungen durchdrungen, haben die Mitglieder des Prinz⸗Emil⸗Veteranen⸗Vereins, bei Gelegenheit des am 28. Juni 1840 in Auerbach abgehaltenen Vetera⸗ neufeſtes, 1200 an der Zahl, den einſtimmigen Beſchluß beſge ihren im Kampfe für's Vaterland gefallenen Waffen⸗ rüdern, ein Denkmal zu errichten, und die Ausführung vor- läufig dem unterzeichneten, zu dieſem Zweck beſonders ge⸗ wählten, Ausſchuß übertragen.
Das Denkmal ſelbſt, ſoll auf dem Felsberg bei Rei—⸗ chenbach, einer der hoͤchſten Kuppen des Odenwaldes(„be— kannt durch die daſelbſt befindliche Rieſenſäule und das Fel— ſenmeer) errichtet werden, und ſoll nach der Tendenz Vie⸗ ler, aus einem circa 25/30 hohen, aus rauhen Granit⸗ blöcken zuſammengeſetzten Felſen, auf deſſen Plattform ſich ein 15“ hohes aus vaterläͤndiſchen Sandſteinen gehauenes Piedeſtal, auf welchem ſich ein von Hofbildhauer Scholl gefertigter coloſſaler Heſſiſcher Lowe in ruhender Stellung, die rechte Tatze auf einem altdeutſchen Schlachtſchwert, den Blick nach dem Rhein hin gerichtet, befinden ſoll, beſtehen.“)
Die Namen und Geburtsorte der Gebliebenen, ſo wie die Namen der Regimenter und Corps, in welchem ſie ge⸗ dient, ſollen auf Metallplatten eingegraben, in dem Monu⸗ ment niedergelegt werden, ſo wie Namen und Wohnort der Gründer des Vereins. Eben ſo wird man auch kleine An⸗ gedenken an die Lieben, denen dieſes Denkmal gilt, offen oder verſchloſſen, wie ſolches gewuͤnſcht wird, in demſelben aufnehmen.
Se. Königliche Hoheit, unſer allergnädigſter Großher⸗ zog, haben die Errichtung dieſes Monuments, ſowie die Er⸗ oͤffnung einer Subſcription zu dieſem Zwecke allergnädigſt zu genehmigen geruht, und glauben wir der Enthüllung deſ⸗ ſelben auf den 25. Auguſt k. J. entgegen ſehen zu durfen.
Die Errichtung des obigen Denkmals, ſcheint uns ſo rein⸗vaterländiſcher Natur zu ſein, daß wir uns verpflichtet halten, allen biederen Heſſen Gelegenheit zu verſchaffen, ſich bei demſelben ebenfalls bethätigen zu können, und indem wir ſomit zur Subſcription zu demſelben hiermit ergebenſt einladen, ſtellen wir an alle Vaterlandsfreunde, insbeſondere aber an alle Waffengenoſſen jener Tapfern, denen dieſes Denkmal gilt, das freundlichſte Erſuchen, dem Unternehmen ihre gütige Unterſtützung nicht verſagen zu wollen.
Herr Hofgerichtsſecretär Meier in Darmſtadt hat ſich zur Einſammlung der Beiträge bereitwillig erklärt, und erſuchen wir alle Diejenigen, welche das Unternehmen zu unterſtützen geneigt wären, ihre deßfallſigen Beiträge an dieſen gelangen zu laſſen.
Ein gedrucktes Verzeichniß der in den Feldzügen von 1792 bis 1815 Gebliebenen, ſowie ein Verzeichniß der Grün⸗ der des Monuments nebſt deren Beiträgen, ſo wie endlich eine Zeichnung des Denkmals nebſt Beſchreibung der bei der Enthüllung ſtattgebabten Feierlichkeiten, wird den Herrn Theilnehmern ſpäter ohnentgeldlich mitgetheilt werden.
Der für die Erbauung eines den gefallenen Heſſiſchen Krie⸗ gern gewidmeten Denkmals gewählte Ausſchuß:
Pfaff. Fink. Feldmann. Schüſſler. Hofmann. Sommerhof. Heß. Häfener.
) Nach Anficht Anderer, ſoll die Rieſenſäule, wenn der fich ergebende Fond die Koſten deckt, zu dieſem Zweck verwendet werden.—
Auszüge aus dem Regierungsblatte.
Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 1. von 1845.
VII. eee Es wurde geſtattet: am 5. Nor 1844 dem Joh. Theis zu Erbach, künftig den Familiennamen
„Kohle, am 12. der Antoinette Kamm zu Offenbach, künftig den Namen „Wieland“, am 29. dem Carl Herwegh dahier, künftig den Namen „Billau, und am 10. Dec. dem Kaspar Klös zu Haarbach, künftig den Namen„Bender“ zu führen.—
„VIII. Dienſtnachrichten: Am 2. Dec. 1844 wurde dem Lehrer Müller zu Urberach das Patent als Geometer 3. Cl. für den Kreis Offenbach ertheilt; am 10. der Landrichter Rapß zu Ulrichſtein an das Landgericht Butzbach verſetzt und der Landgerichtsaſſeſſor Zimmermann zu Schotten zum Landrichter in Ulrichſtein ernannt; dem Oberforſtmeiſter v. Dörnberg zu Lorſch die Functionen einer der durch das Ediet über die Forſtorganiſation vom 29. Dec. 1823 conſtituirten Oberforſtbehörden, am 16. dem Schullehrer Ahlbach zu Steinheim die 2. kath. Schullehrer⸗ ſtelle zu Obermörlen, dem Schullehrer Lehleitner zu Kirchlotheim die evang. Schullehrerſtelle zu Buchenau, dem Schulvicar Schaller zu Lorſch die 5. kath. Schullehrerſtelle daſelbſt übertragen und der von dem Stadt⸗ vorſtande zu Alsfeld auf die 2. evang. Schullehrerſtelle daſ. präſentirte Schulvicar Magnus für dieſe Stelle beſtätigt.—
IX. Dienſtentlaſſungen: Am 22. Nov. 1844 der nunmehrige k. ſachſiſche Oeconomierath Reuning zu Dresden von der Stelle eines weltlichen Mitgliedes bei dem Geſammt⸗Conſiſtorium zu Gedernz am 17. Dec. der Poſtaſſiſtent Müller zu Worms, auf Anſuchen.—
Xx. In den Ruheſtand wurden verſetzt: Am 12. Nov. 1844 der Diſtrictseinnehmer Wilk zu Albig, auf Nachſuchen; am 5. Dee. der Schullehrer Kühn zu Semd; am 13. der Landrichter Ortwein zu Al⸗ tenſchlirf.—
XI. Coneurrenz für die evang. Pfarrſtelle zu Bickenbach, Kr. Bensheim, mit jährlich 1618 fl.—.
XII. Geſtorben ſind: Am 25. April 1844 der Revierförſter Hill zu Grebenheinz am 12, Nov. der penſionirte Unterförſter Steuer⸗ nagel zu Windhauſen; am 22. der penſ. Schullehrer Diehl zu Sicken⸗ hofen; am 23. der kath. Pfarrer Schlink zu Großzimmern; am 26. der evang. Pfarrer Sackreuter zu Raunheim; am 4. Dec. der kath. Decan und Pfarrer Ludwig zu Dieburg; am 13. der kath. Pfarrer Bertram zu Heldenbergen; am 21. der Poſthalter und Poſtexpeditor Seibert zu Hungen.
„Es iſt wahrlich nicht zum Lachen!“
Wie betrübend die Trunkſucht auf Körper und Geiſt des Trunkenbolds ſelbſt und außerdem, wie nachtheilig ſie auf die häuslichen Verhältniſſe deſſelben wirkt, hat man leider in mannigfaltigen Beiſpielen geſehen, gehört und geleſen. Wie dieſelbe aber auch Entſittlichung und Abſtumpfung der Hausangehörigen bewirkt, davon zeuge folgende Thatſache.
Ein hieſiger Familienvater, ein leidenſchaftlicher Trin⸗ ker, Müßiggänger und dabei ein Tyrann gegen ſeine brave, fleißige und ruhig duldende Frau und ſeine zwei unmündi⸗ gen Kinder, mußte geſtern Abend, wie dies ſchon öfters ge⸗ ſchehen, durch die Gensdarmen auf die Wachtſtube gebracht und ſo unſchädlich gemacht werden. Das jüngere der un⸗ ſchuldigen Kinder, ein Mädchen, jammerte um ſeinen Vater und wollte nicht von ihm laſſen.— Ein anderes Mädchen, deſſen Elternhaus ſchon oft Zeuge ähnlicher Auftritte gewe⸗ ſen, ging während der erwähnten Scene am Haus vorbei und, ſich wundernd uͤber die Geberden der Kleinen, äußerte ſie ganz naiv:„du ſchlähcht.!— Dei flennt, weil die Gensdarme errn Vater fortführn, mer ſinn als froh, wann ſe unſern hole; do howe mer doch Ruh!“
Beſſer läßt ſich wohl der Einfluß der Trunkenheit auf die Demoraliſation des Volkes nicht darthun, als durch ſolche Thatſachen. Nun fragen wir, läßt ſich denn nicht ernſtlicher in das Treiben ſolcher Unmenſchen polizeilich einſchreiten? Wir haben noch mehrere Pröbchen der Art, ſowohl männ⸗
lichen, als auch weiblichen Geſchlechts, die durch Völlerei ſich ſelbſt und ihr Hausweſen zerrütten; ließen ſich nicht die Quellen der Berauſchung, die Kneipen, verſtopfen? ich dachte man könnte den gleichgiltigen Wirthen das verbieten, was gewiſſenhafte von ſelbſt unterlaſſen. Haben ja die Apotheker ein Geſetz, wonach ſie das Gift nur in zuverläſ⸗ ſige Hände geben dürfen, ließe ſich das Geſetz nicht auch auf die Wirthe anwenden?
R. am 12. Dezember 1844. Y.
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