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Aber hat Natur uns viel entzogen, Bleibt die Kunſt uns freundlich doch gewogen, Unſer Herz erwarmt an ihrem Licht.
Doch nicht den vollendeten Künſtler allein begrüßen wir mit lebendiger Begeisterung;— wir ehren auch die kunſtloſe Seimme der Natur, wo ſie in harmloſer Fröhlikcheit zu unsrem Herzen ſpricht; denn auch die rauheſten Stürme vermögen die lebendige Glut nicht auszulöſchen, welche der Genius der Poeſie ſelbſt in den Buſen der Mühſeligen und Beladenen ausſtrömen läßt. Und ſo begrüßten wir mit herzlicher Freude bei dem heute in Grünberg Statt gehabten Volksfeſte die Jugend der Dörflein Atzenhain und Har⸗ bach. Unter fröhlichen Geſäͤngen zogen Burſche und Mäd— chen heran;— in heitern, ungekünſtelten Tänzen bewegten ſie ſich nach dem muntern Klang der Hörner, und bewieſen durch ihr anſtändiges Benehmen, daß der Sinn für das Schöne, den ihre braven Lehrer Keyßer und Brück in ihnen zu erwecken bemüht ſind, in ihrer Bruſt angeregt und lebendig geworden iſt. Selbſt ein mürriſcher Stubenhocker konnte von dieſen jungen Leuten das bekannte Wort nicht gebrauchen:
Sie toben wie vom böſen Geiſt getrieben Und nennen's Freude, nennen's Geſang.
Neben dieſen fröhlichen Kindern der Natur trat auch der Grünberger Geſang-Verein in männlicher, würdiger Haltung auf und bewies durch einige gut vorgetragene Stücke, daß ſeine Mitglieder von den erhabenen Dichterwor— ten durchdrungen ſind, die auf des Geſanges Wellen ihrer Bruſt entſtrömten, daß der unermüdliche Eifer ihres Lehrers, Magel, erfreuliche Früchte getragen hat.
Eine neue Erſcheinung war vielen Anweſenden der Grünberger Muſik-Verein, und darum theile ich hier einige Nachrichten über denſelben mit, welche ich bei dem Gewühl des Feſtes ſammeln konnte.
Am 1. Oct. 1842 verbanden ſich einige junge Bürger zu einem Verein, der ihnen Gelegenheit geben ſoll, muſika⸗ liſche Kenntniſſe und Fertigkeiten zu erwerben und ſich in deren Anwendung zu vervollkommnen. Ein junger Mann, Herr Karl Kullmann, beſorgt den Unterricht und leitet die Uebungen, während ein geübter Muſicus, Herr J. Kraft, den Lehrer in manigfacher Weiſe unterſtützt. Die Muſik iſt beſetzt durch 2 Poſaunen, 3 Hörner, 2 Ventiltrompeten, 2 Klapphörner. Die Leiſtungen beweiſen, daß der Lehrer viel Geſchick beſitzt, die Mitglieder des Vereins aber großen Fleiß und lobenswerthe Aufmerkſamkeit an den Tag legen.“)
Die beiden in Grünberg beſtehenden Vereine haben, wie man mir erzählte, ihre Kräfte bei verſchiedenen kirchlichen Feierlichkeiten vereinigt und zur Erbauung der Gemeinde nicht wenig beigetragen.
Der Muſikverein iſt außerdem ſchon häufig öffentlich aufgetreten. So hat er manches Herz durch wohl eingerich— tete Serenaden erfreut, wozu ihn bald das Gefühl der Hoch—
*) Sollten ſich denn in Friedberg nicht 9 junge Leute finden, die bereit wären, Unterricht im Hornblaſen zu nehmen? Der hieſige Singver⸗ ein würde, nach§. 15. ſeiner Statuten, die Koſten des Unterrichts wohl übernehmen. Die Redaction.
achtung, bald aber eine noch mͤͤchtigere Empfindung getrie⸗ ben haben mag;— er hat bei heitern Zuſammenkünften im Freien, wie in geſchloſſenen Räumen mit rühmlicher Ge⸗ fälligkeit der allgemeinen Freude ſeine Thätigkeit gewidmet. Auch heute ließ er bald anregende Märſche erſchallen, bald rief er durch raſch dahinfliegende Töne die heitre Jugend zum Tanz. Bei dem Feſtmahl wurden nicht allein die herz⸗ lichſten Toaſte durch den Klang der Hörner der Welt ver— kündigt, es wurde auch den hoiperigen Worten einzeler Feſtredner Flügel gegeben.
So mußte denn eine an ſich proſaiſche Feierlichkeit Anlaß geben, in manchem jugendlichen Herzen poetiſche Re— gungen zu entzünden, und wenn auch der Himmel von trü⸗ bem Wolkenſchleier umdüſtert blieb, ſo erglänzte doch man— ches Auge in ungeſtörter Freude.—
Indem ich darum an alle Landsleute die Bitte richte, den poetiſchen Sinn des Volkes mit treuem Eifer zu pfle⸗ gen, rufe ich ihnen die bedeutungsvollen Worte zu, mit denen ein edler Pfleger alles Edlen einſt ſein letztes Werk ſchloß: Vorwärts! Aufwärts!
Ein Volksfreund.
Beſtrafte Brandſtifter.
Ein großer Theil der Bewohner des Kreiſes Fried— berg wird ſich erinnern, daß auf dem, dem Herrn Grafen zu Solms Laubach gehörigen, an Pachter Mai verpachteten Hofe Oppelshauſen ohnweit Altenſtadt in der Mitte des Monats Dezember v. J. binnen drei Tagen zweimal Feuer ausgebrochen war, durch welches nicht nur zwei mit ver⸗ ſchiedenen Crescentien angefuͤllte Scheunen gänzlich, ſondern auch einige andere Oekonomie-Gebäude theilweiſe eingeäſchert, oder doch in bedeutendem Grade zerſtört wurden“).
Der Schaden, welcher durch dieſe beiden Feuersbrünſte erzeugt wurde, überſteigt bei Weitem die Summe von 12,000 fl., er iſt aber nicht durch Nachläſſigkeit bei dem Gebrauche des Feuers, oder ein ſonſtiges zufälliges Ereigniß, ſondern durch die Bosheit zweier verruchter Menſchen her⸗ beigeführt worden.
Die ſtattgehabten gerichtlichen Unterſuchungen haben nämlich, wie man allgemein hört, ergeben, daß zwei Knechte des Pachters Mai, Johannes Dietz von Stückingen, Churf. Amts Langenſelbold, und Heinrich Mickel von Gellnhaar, Großh. Landgerichts Ortenberg, erſterer weil er wegen Völlerei ſeines Dienſtes entlaſſen worden war, letzterer weil es ihm ſchlecht ging und ſein Dienſtherr ihm nicht ſo viel Geld geben wollte, als er öfter verlangte, alſo aus Rache,
das Feuer angelegt haben.. Zur Strafe für ihre Schandthaten wurde Dietz, der
nur bei einem Verſuche zur Brandſtiftung, der des Abends vor dem Ausbruche des erſten Feuers gemacht worden iſt, mitwirkte, von dem Großh. Hofgerichte zu Gießen in eine geſchärfte Zuchthausſtrafe von drei Jahren, Mickel dagegen, weil ihm zwei vollendete Brandſtiftungen zur Laſt fielen, in
) Siehe Int.⸗Bl. Nr. 102 de 1844.
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