Ausgabe 
12.3.1845
 
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Mit kindlicher Liebe und Sorgfalt pflegte EChriſtoph ſeine verehrte Schwiegermutter bis in ihr 72ſtes Jahr, und als ſie, die dankbaren Kinder ſegnend, verſchied, trauerte der Betrübte gleich dem eignen Sohne um die verlorne Mutter.

Immer blühender wurde ſeine Handlung, und ſichtbar ſegnete der Himmel auch wohl die zweifelhafteſten ſeiner Unternehmungen. Allein nicht ohne Maß durfte das Glück ſein Füllhorn über ihn leeren, etwas mußte das Geſchick ihm verſagen, um den Sterblichen an ſeine ſtaubgeborne Abkunft zu mahnen, ſeine Ehe blieb kinderlos. Seine beiden noch lebenden Brüder waren gute Landwirthe gewor⸗ den, und da der Himmel die Vaterfreuden ihm nicht ge währen zu wollen ſchien, da nahm er die beiden älteſten Kinder ſeiner Brüder, die er aus der Taufe gehoben hatte, und die einſt ſeine Erben werden ſollten, zu ſich in ſein Haus. Hunderte nothleidender Mitbürger hatten in der furchtbar theuern Zeit an ihm ihren rettenden Engel gefun⸗ den, und zahlloſe Gebete ſtiegen für ihn aus dem hieſigen Verſorgungs⸗ und Waiſenhauſe auf, das er alljährlich reich mit Korn, Wein und Geld beſchenkte. Aber ſtets blieb er ſeiner frühern Niedrigkeit und ſeines wunderbaren Schick ſals eingedenk. Die ſegenbringende Stecknadel prangte, ein immerwährendes Erinnerungszeichen der Vergangenheit, jetzt am feinholländiſchen Tuchrocke, wie damals am Aermel ſei

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in ſeinem Hauſe ſich befand, war häufig Ohrenzeuge der eigenen Erzählung ſeines Lebenslaufes.Seht Kinder pflegte er oft am Schluſſe wohl zu ſagen, wenn er vom Mahle mit den Seinen aufſtand, und dem Gott dankte, der ihn ſo wunderbar geführt,ſeht Kinder, der Herr thut Großes oft an denen, die ihn lieben. Fügt euch in Demuth ſeinem allmächtigen Willen, und betet an im Stau⸗ be ſeinen unerforſchlichen Rathſchluß. Und wollt ihr wür⸗ diglich ihn ehren, ſo liebt eure Brüder, ſeid thätig in der Erfüllung eures Berufs, thut wohl den Armen und Düurf⸗ tigen, und der Segen des Allmächtigen wird ſein mit euch und euern Kindes kindern für und für.,

Zur Wetterauer Chronik. Obererlenbach am 8. März 1845.

Am 7. März, Abends um 10 Uhr, war in den hieſi⸗ gen Straßen ein außergewöhnliches Treiben und wenige Minuten darauf hörte man ſchon die fürchterliche Nachricht, daß der hieſige Ortsbürger Adam Ohlenſchläger, früher Weißbinder und ſeither Mäkler, ſeine Ehefrau ermordet habe.

Der angebliche Mörder wurde augenblicklich verhaftet und heute Morgen dem Gerichte überliefert, das heute mit der erforderlichen Unterſuchung begann.

Der gerechten Strafen wird er nicht entgehen!

nes zerriſſenen Leinwandwams, und war von ihm zum ewi⸗ gen Erbſtücke für ſeine Verwandten beſtimmt, das jedesmal

der Aelteſte in der Familie tragen ſollte.

Schreiber dieſes, der als ſechzehnjähriger Jüngling oft

Zu bemerken iſt hierbei noch, daß unter den unerzo⸗ genen Kindern des angeblichen Mörders oder der gemorde⸗ ten Frau ſich ein Knabe von 12 Jahren befindet, der ohne Arme geboren wurde.

Bekanntmachungev non Be⸗ hoͤrden.

N Edictalladung.

(2800 Nachdem über den geringen Nachlaß des im 2. Bataillon Großh. 4. Jufanterie⸗ Regiments als Feldwebel geſtandenen Mar⸗ tin Stieber von Wölfersheim der Concurs erkannt worden, werden diejenigen Gläubiger, die etwa noch nicht ſich angemeldet, bedeutet, ſogewiß binnen 2 Monaten ihre Forderungen anzuzeigen, als ſie ſonſt ohne weitere Bekannt⸗ machung ſich als ausgeſchloſſen zu betrachten haben. Hungen den 22. Februar 1845. i Gr. Heſſ. Fürſtl. Solmſ. Landgericht Hofmann.

Verſteigerung von Bauarbeiten.

(309) Die bei Erbauung einer neuen Sy⸗ nagoge für die israelitiſche Religionsgemeinde zu Niederurſel erforderlichen Bauarbeiten und

Material⸗Lieferungen, nämlich: E Maurerarbeit, verüberſchlagt zu 239 40 Steinhauerarbeit, 178 Zimmerarbeit, 570 12 Dachdeckerarbeit, 158 36 Schreinerarbeit, 375 Glaſerarbeit, 290 Schloſſerarbeit, 133 Spenglerarbeit, 53 Weißbinderarbeit, 308

Lieferung von 2 Kbklftr. rauhen Mauerſteinen, 2 Kbklftr. ſaubern Schichtemau⸗

erſteinen,

50 Tauſend gut gebrannten Ruſ⸗ ſenſteinen,

* 100 Bütten Kalk,

3 Köklftr. reinen Mauerſand,

ſollen Freitag den 14. d. M., Vormittags 9 Uhr, auf dem Rathhauſe daſelbſt wenigſtneh⸗ mend in Accord gegeben werden. Friedberg den 3. März 1845. Der Gemeindebaumeiſter Ruths.

Edictalladung.

(310) Nach dem gerichtlichen Pfandbuche der Gemeinde Weitershain errichteten die Konrad Friedrich's Cheleute von da am 8. März 1838 eine Schuld- und Pfandver⸗ ſchreibung über ein bei dem Veitsberger Kir⸗ chenkaſten aufzunehmendes Kapital von 50 fl., welcher auch an dem fr. Tage die gerichtliche Beſtätigung ertheilt wurde.

Dieſes Kapital ſoll inzwiſchen nach den vor⸗ liegenden Beſcheinigungen des früheren Rech⸗ ners Zökler und des nunmehrigen Rechners Jung dahier nicht zur Auszahlung gekommen und die deßhalb errichtete Obligation abhanden gekommen ſeyn. Auf Antrag der Konrad Friedrich's Cheleute werden daher alle dieje⸗ nigen, welche irgend Anſprüche an die fr. Obligation bilden, hiermit aufgefordert, ſolche binnen 8 Wochen von heute an ſogewiß da⸗ hier anzumelden und zu begründen, widrigen⸗ falls die fragliche Obligation für ungiltig er achtet und der deßfallſige Eintrag im Pfand⸗ buche gelöſcht wird.

Gruͤnberg den 20. Februar 1845.

Großh. Heſſ. zum LGericht daſ. geh. Patr.

Gericht der Freih. v. Nordeck zur Rabenau Welcker.

Lohrinde-Verſteigerung. (318) Da die unterm 27. Februar iii Oberrosbach abgehaltene Lohrinde-Verſteige⸗ rung, namentlich das Ergebniß aus dem Co- munalwalde der Gemeinde Obermörlen, nicht genehmigt werden kann, ſo ſoll das Ergebniß aus bemerktem Walde geſchätzt zu 146 Cent⸗ ner, Montag den 17. l. M., des Vormittags um 10 Uhr, auf der Gemeindeſtube zu Ober mörlen, einer nochmaligen Verſteigerung aus⸗ geſetzt werden.

Obermoͤrlen am 8. März 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Nicolai. Edietal ladung.

(319) ueber den von den Erbintereſſenten ausgeſchlagenen überſchuldeten Nachlaß der dahier verſtorbenen Wittwe des Quartiermei⸗

ſters Nicolai von Offenbach iſt der förmliche Concursprozeß erkannt worden. Es werden daher alle diejenigen, welche Forderungen an die Maſſe bilden zu können glauben, hiermit aufgefordert, ſolche, bei Strafe ſtillſchweigen⸗ den Ausſchluſſes, Donnerſtag den 17. April, Vormittags bei der unterzeichneten mit Leitung des Con⸗ curſes beauftragten Gerichtsbebörde entweder in Selbſtperſon oder durch einen gehörig legi⸗ timirten Bevollmächtigten zur Anzeige zu bringen, und zu begründen. In dieſem Ter⸗ mine ſoll zugleich die Güte verſucht und we⸗ gen der Beſtellung eines Contradictors und Maſſepflegers Beſchluß gefaßt werden. Friedberg am 26, Februar 1845. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. F. A. G. Hofgerichts Hofmann. Dr. Gilmer. Holzverſteigerung in dem Münſterer Gemeindewald, Reviers Hochweiſel. (220) Donnerſtag den 13. März l. J., von Morgens 9 uhr an, ſoll in dem Diſtrict Lams⸗ hart das nachſtehende Holz, nämlich: A. Brennholz. 80¼ Stecken buchen Scheitholz, 5 eichen Scheitholz,

9

1277 buchen Prügelbolz,

5 eichen Prügelholz,

42 buchen Stockholz, friſches, 24¼ eichen Stockbolz, friſches, 975 Stück buchen Aſtwellen, 350 5 eichen Aſtwellen,

B. Bau: Werk⸗ und Nutzholz. 33 eichen Bauſtämme und 9 Stück eichen Stangen, öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Münſter den 5. März 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Theis.

Verſteigerung. (321) Montag den 17. l. M., Morgens 9 Ührſanfangend, ſoll der Nachlaß der dahier ver⸗ ſtorbenen Unterquatiermeiſters Nikolai Wittwe in der Wohnung des Gerbermeiſters Karl Müller in der Wilhelminenſtraße, beſtehend

Versteigerung e

G20) Fels übe an,

Schloß arten da Wett und.

J Eſchen unge 2) Worm

3) Hlmen

4) Obſtbaum

Immobilien;

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