Ausgabe 
12.3.1845
 
Einzelbild herunterladen

Intelligenz Olatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Mittwoch, den 1

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſammtliche Bürgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Nach eee Schreiben Großh. Kreisraths des Kreiſes Alsfeld iſt der auf den 26. 1 l. J. gefallene ſ. g. Alsfelder Faſtenmarkt mit welchem auch ein Viehmarkt verbunden, wegen der auf dieſen Tag eingetretenen ſchlechten Witterung auf Mittwoch den 19. März l. J. verlegt wor

Die Abhaltung des ſ. g. Faſtenmarktes zu Alsfeld.

den, was Sie alsbald in Ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntniß zu bringen haben. Grünberg den 7.

e Sleckaadel. Eine wirkliche Begebenheit, von F. Rollberg. (Schluß.)

Wir überſpringen einen Zeitraum von ſechs Jahre von denen Chriſtoph vier auf Schulen zubrachte, und von Fleiß und Anlagen begünſtigt, ſich treffliche Kenntniſſe er⸗ warb. Die Hälfte des kleinen Taſchengeldes, das ihm ſein Pglegrvater ſchon ſeit einigen Jahren wöchentlich zu geben flegte, halte er regel mäßig ſeiner Mutter geſendet, die durch des würdigen Pfarrers Fürſorge und mit Richters Hülfe in eine beſſere Lage verſetzt worden war, und ſich durch Arbeit und Thätigkeit zwar mühſam, aber doch rechtſchaffen ernährte. Seit zwei Jahren hatte Richter den Knaben zur Handlung angeleitet, und Treue, Fleiß, Eifer und Ordnungs liebe zeichneten auch hier den ſechzehnjährigen heranreifenden Jüngling vor vielen ſeines Gleichen vortheilhaft aus. Mit der andern 7 ſeines erſparten Taſchengeldes hatte Chri ſtoph in der letzten Zeit Federkiele aufgekauft von einem Nachbar, einem gebornen Hamburger, die Art und Weiſe, wie man dort das Ziehen bewerkſtelligt, erlernt, und ſo die zubereiteten Federn um einen mäßigen Preis, aber doch mit Vortheil, wieder verkauft, und dadurch ſein kleines Kapital bis auf 120 Thaler geſteigert. Richter, dem dieſe Betrieb ſamkeit gefiel, munterte ihn durch vermehrtes Taſchengeld und kleine V Vorſch üſſe, die Chriſtoph immer zur Verfallzeit richtig zurück zahlte, noch mehr auf, und als dieſer, bei

einem Beſuche bei ſeiner Mutter, in ſeinem Dorfe eine große Partie Hanf und Flachs vorgefunden hatte, der von beſon derer Gute war, und billig zu verkaufen ſtand, ſo bat er ſeinen Pflegevater um einen Vorſchuß von 200 Thalern zur Unternehmung dieſes Gäſchäftes. Richter freute ſich über den richtigen Speculationsgeiſt des Jünglings, und erfüllte ſeine Bitte. Das Geſchäft gelang, über Erwarten, und Chriſtoph war im dritten Lehrjahre ſchon Herr eines Kapitals von 500 Thalern, das ſein Pflegevater bei ſeinem Nebenhandel mit Sackleinwand anlegte, und innerhalb drei Jahren um das Dreifache vermehrte.

Nach überſtandener Lehrzeit fuhr Chriſtoph als Hand lungsdiener mit Fleiß, Treue und Thätigkeit fünf Jahre lang fort, die Geſchäfte ſeines Pflegevaters zu verſehen, er hielt darauf die Stelle des unter dieſer Zeit verſtorbenen Buchhalters, und wurde drei Jahre ſpäter von Richtern zum wirklichen Kompagnon der ganzen Handlung, mit einem Drittel des Gewinnſtes, aufgenommen.

Reichlich hatte er bisher ſeine Mutter und Brüder unterſtützt, von denen zwei in dieſer Zeit verſtorben waren, welchen bald die gute Mutter folgte. Doch kaum waren Chriſtophs Thränen über dieſen ſchmerzlichen Todesfall eini germaßen verſiegt, als ein neuer, eben ſo harter Verluſt ihn bedrohte. Ein chroniſches Uebel warf ſeinen theuern Pflegevater auf ein zweijähriges Krankenlager.

Was Liebe, Treue, Sorgfalt, Eifer, Fleiß und Dank barkeit nur vermögen, das wandte er jetzt an, dem Schöpfer ſeines Glücks zu beweiſen, daß er ſeine Güte an keinen Un würdigen verſchwendet habe. Unermüdet in ſeinem Berufe, die Seele der ganzen Handlung, überall ſchaffend, wirkend und unverdroſſen, theilte er ganze Nächte jang mit Richters troſtloſer Gattin die Sorge für den geliebten Kranken, und als dieſer endlich im 65ſten Lebensjahre der Natur ihren Tribut entrichten mußte, legte er auf dem Sterbebette die Hand ſeiner vier und zwanzigjährigen Tochter, Henriette, in die ſeines Pflegeſohns, und mit Thränen der Liebe, Weh muth und Dankbarkeit drückte der trauernde Eidam dem theuern Wohlthäter die gebrochenen Augen zu.

Zehn Jahre nach Richters eds e, 1798, war die Fir ma: Chriſtoph Gottlieb B.. en, ſel. Samuel Richters Erben, eine der geachtetſten in. D... Drei eigne Schiffe führten Chriſtophs Handlungsartikel den engliſchen und ruſſiſchen Ha 1 5 zu, und unwandelbar blieb die Göttin des Glücks, die dem gutmüthigen zehnjährigen Knaben ge lächelt hatte, dem wackern vierzigjährigen Manne treu,