Ausgabe 
12.2.1845
 
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Intelligenz⸗Olatt

für die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Amtlicher Theil.

Die Großherzoglich Heſſiſchen Kreisraͤthe der Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſer Kreiſe. Betreffend: Die Anſchaffung von Sämereien für 1845.

Wenn Angehörige Ihrer Gemeinden die Anſchaffung von Luzerne⸗ und Esparſettenſaamen durch Vermittelung des landwirthſchaftlichen Vereins für 1845 wünſchen ſollten, ſo werden Sie bis längſtens den 25. d. M. die erforderliche Beſtellung an uns gelangen laſſen.

Friedberg, Grünberg und Hungen

den 7. Februar 1845.

Küchler. Ouvrier. Follenius.

Fuͤr etwaige Auswanderungsluſtige nach Braſilien.

Vor 20 Jahren zogen auch aus unſerer Wetterau viele nach Braſilien in Südamerika, ältere und jüngere Leute, und der Einſender dieſes erinnert ſich noch recht lebhaft, wie ein Zug ſolcher Auswanderer aus Untermockſtadt ſingend und jubelnd durch ſeinen Geburtsort kam mit der freudigen Erwartung, in Braſilien ein gelobtes Land anzutreffen, wo man ſich nach Herzensluſt Gutes thun könne. Namentlich erinnert er ſich einer Frau, welche darum nach Braſilien gieng, weil ſie hoffte, dort die Fülle guten Kaffee's immer zu haben. Schwerlich aber werden die Leute dort gefunden haben, was ihnen ihre goldenen Träume vorgeſpiegelt hat⸗ ten. Sie werden dort ſauere Tage gefunden haben, wie auch mitunter hier, und die Sonne hat ſie gewiß viel mehr gebräunt, wie Einſender dieſes an einer Ausgewanderten aus dem ſogenannten Hinterlande, welche einmal ihre alte Heimath vor einigen Jahren wieder beſuchte, ſehen konnte. Was aber noch ſchlimmer iſt, als ſauere Tage, Sonnen⸗

Mittwoch, den 12. Februar

glut und andere Mühſeligkeit für den Ausgewanderten, das iſt dort die Bedrückung um ſeines Glaubens willen für den evangeliſch⸗proteſtantiſchen(den lutheriſchen und reformirten) Chriſten, worüber der Hamburger Correſpondent, eine weit⸗ verbreitete Hamburger Zeitung, aus dem Munde eines zu rückgekehrten Deutſchen Auskunft gibt. Da man jetzt wie⸗ der auffordert, nach dem Kaiſerthum Braſilien auszuwan⸗ dern, um dort eine deutſche Colonie zu begründen, ſo hält es Einſender dieſes für gut, für etwaige Auswanderungs⸗ luſtige auf die dortigen Religionsverhältniſſe aufmerkſam zu machen, um lutheriſchen und reformirten Chriſten zu beden⸗ ken zu geben, ob es ſich mit ihrem religiöbſen Gewiſſen ver⸗ trägt, nach einem Lande auszuwandern, wo ſlie in die ſchlimmſte Gefahr kommen, in die Gefahr von ihrem Glau ben abzufallen. Das Kaiſerreich Braſilien iſt nämlich ganz katholiſch und zwar ſtreng katholiſch. Kommt es nun zum Beiſpiel vor, daß ſich, was jedem Ein wandernden leicht be⸗ gegnen kann, ein ſolcher Einwanderer mit einer Braſilia⸗ nerin oder eine Eingewanderte mit einem Braſilianer ver heirathen will, ſo geht das dort nicht, wie bei uns, wo man jeden bei ſeinem Glauben läßt, nein! kein katholiſcher Geiſt licher copulirt die Brautleute, wenn nicht durch zwei Zeugen mit einen Eide beſchworen wird, daß die Braut und der Bräutigam katholiſch ſind. Copulirt ſie ein anderer, pro teſtantiſcher Pfarrer, deren in dem ungeheuer großen Reiche nur äußerſt wenige ſind, ſo zweifelt die Hamburger Zeitung, ob dann die Ehe dort als geſetzlich giltig angeſehen wird und die Kinder geſetzlich erben können. Nicht einmal den lutheri⸗ ſchen und reformirten Todten gibt man ein ehrliches Begraͤb⸗ niß. In einer der größten Städte Braſiliens ſtarb einem evangeliſch-proteſtantiſchen(lutheriſchen) Manne, der noch dazu von bedeutendem Anſehen und wohlhabend iſt, ſeine Ehefrau, welche, wie er ſelbſt, aus Deutſchland gebürtig war. Er wollte ſie auf den ordentlichen, chriſtlichen Kirch⸗ hof feierlich begraben laſſen, allein die katholiſche Geiſtlich keit ließ dieß durchaus nicht zu, weil die Frau eine Ketzerin ſei. Nach 3 Tagen trat in der heißen Gegend au der