Von da an wurde die Gefahr mit jedem Tage drohender, die Mahnung zur Beſchleunigung möglicher Rettungsanſtal⸗ ten immer dringender. Genauere Beobachtungen der Zer⸗ klüftungen in den Felsköpfen ließen über die fortſchreitende Bewegung in denſelben keinen Zweifel übrig. Angeſtellte Meſſungen ergaben, daß die in Bewegung befindliche Maſſe nicht weniger, als 30 Millionen Kubikfuß betrage. Am 11. Okt. d. J. löſten ſich wieder Blöcke ab, an Umfang kleinen Häuſern gleich, der größte darunter 50“ lang und 20307 hoch. Seither ſind neue Maſſen, und zwar bis inzdie Nähe des Dorfes heruntergeſtürzt.
Inzwiſchen haben ſowohl die Landesregierung, als die Stadt Chur ſchon von dem Augenblick an, da die Gefahr drohender zu werden begann, Hülfscommiſſionen aufgeſtellt, welche in gegenſeitigem Einverſtändniß die zweckdienlichſten Maßregeln anordneten, um den armen Felsbergern wenig⸗ ſtens proviſoriſch eine ſichere Unterkunft zu verſchaffen. Fluß aufwärts wurden nämlich an einem ſteilen, vor dem Nordwind ſchützenden Abhang hölzerne Hütten gebaut und auch für den Winter dadurch bewohnbar eingerichtet, daß man doppelte Wetterwände machte, dieſelben inwendig mit dickem Papier ausklebte und mit gutgemauerten Oefen ver⸗ ſah, ſo daß die Felsberger kein Bedenken tragen, den Win⸗ ter über in dieſen Hütten zu wohnen.
Noch bleibt aber das Schwerſte zu thun übrig, näm⸗ lich eine bleibende Ueberſiedelung. Das Dorf muß verlaſſen werden, und doch iſt die Anlegung eines neuen Wohnplatzes theils wegen der Gemeindeverhältniſſe, theils aber und ganz beſonders rückſichtlich der Beſchaffenheit des Bodens und der Lage für die ueue Anſiedelung, mit ſo unendlich vielen Schwierigkeiten verknüpft, daß deren Hebung kaum möglich ſcheint. Auf fremdem Gebiete ſtehen die zu große Ent⸗ fernung von den Gütern und von Wald und Weide der Felsberger, oder aber zu tiefe und von Ueberſchwemmungen dedrohte Lage des Bodens entgegen. Auf eigenem Gebiete, flußaufwärts: Gefahr vor möglichen Felsablöſungen; fluß⸗ abwärts: eine zu niedrige, der Verſumpfung ausgeſetzte Fläche. Zu allen dieſen natürlichen Schwierigkeiten kom⸗ men noch beinahe unüuberwindliche Bedenklichkeiten, Beſorg⸗ niſſe und die verſchiedenartigſten Wünſche der Felsberger ſelbſt, wodurch die Löſung der Aufgabe noch mehr erſchwert wird. Und doch muß dieſelbe gelößt werden. Eine viel⸗ fach empfohlene Auskunft wäre noch eine Correktion des Rheinſtromes, wodurch die vor Felsſtürzen vollkommen ſichere, dagegen aber der Verſumpfung ausgeſetzte Flache des Fels⸗ bergergebietes, nordöſtlich vom jetzigen Dorf, trocken gelegt und zur Aufnahme der neuen Anſiedelung geeignet gemacht würde. Genaue Vermeſſungen haben die Ausführbarkeit dieſes Planes dargethan; die Stadt Chur und die Felsberg gegenüber liegende Gemeinde Ems ſind bereit, die zwar mit großen Koſten verbundenen, aber auch für ſie nützlichen Ar⸗ beiten auf ihrem Gebiete auszuführen. Nur bei den Fels— bergern ſelbſt walten noch große Bedenklichkeiten ob, theils wegen der großen Koſten der erſten Waſſerbauten, theils wegen der künftigen Unterhaltung derſelben, und wohl auch wegen der vorausſichtlichen Schwierigkeiten, auf dieſen Bo⸗ den trockene Keller zu graben. Die Entſcheidung ſteht nun bei den Behörden.
So iſt die in ihrer Art einzige Lage der armen Ge— meinde, welche überdieß auch noch durch eine ſeit mehr als einem Jahr ſchon andauernde Viehſeuche, durch Verluſt von Vieh und ſtrenge Abſperrung noch mehr verkümmert wird. — Die zur Rettung des Dorfs nothwendigen Opfer ſind roß, zumal wenn das Entſumpfungsprojekt zur Ausführung emmen ſollte. Die Felsberger vertrauen jedoch, nächſt Gott, auf die allgemeine Theilnahme, welche ihre Lage im In⸗ und Auslande in ſo hohem Maße weckt, und ihr Vertrauen
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wird gewiß nicht getaͤuſcht werden, ſobald der Ruf zur Ret⸗ tung an alle Menſchenfreunde ergeht.
Allfällige Unterſtützungen fur die Bedrängten können durch das Handlungshaus Gebhardt u. Hauk in Frank⸗ furt an das Haus Joh. B. Bavier in Chur uͤbermacht
werden.— Zu fernerer Auskunft, die etwa gewünſcht werden möchte, jeder Zeit bereit, zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung
Chur, 30. Dezember 1844. Ew. Wohlgeb. ergeb. Diener Vinc. v. Planta.
Fur die armen Felsberger
ſind eingegangen: v. einer Geſellſchaft am Sylveſterabend auf dem Schloß⸗ hofe zu Büdesheim 4 fl. 14 kr.; v. ſieben Kindern 1 fl.; v. Ph. E. 36 kr v. J. H. 36 kr.; v. P. P. 1 fl.; v. einem Ungenannten 1 fl.; v. H. Hahn 1 fl.; durch die Redaction des Int. Blatts zu Büdingen v. W. M. Fr. R 9
6 kr.; v
in D. 3 fl. 30 kr.; v. R. in B. 1 fl. 45 kr.; durch Dr. Renner v.
v. L. 2 fl. 45 kr; v. Fr. H. 2 fl; v. Fr. St. 1 fl. 45 b..
G. in A. 3 fl.; v. Fr. J. K. 36 kr.; durch Dr. Curtman v. Chr. H⸗ 1 fl. 10 kr.; durch Dr. Fertſch von einer Ungenannten 24 kr.; durch die Redaction dieſes Blattes v. Revierförſter W. 1 fl.; v. St. 30 kr., zuſam⸗ men 27 fl. 51 kr., deren Empfang ich den freundlichen Gebern mit herz⸗ lichem Danke beſcheinige. Zugleich bringe ich zur vorläufigen Kenntniß eines verehrl. Publikums, daß Herr Seminarlehrer Thurn zum Beſten der armen Felsberger vielleicht noch im Laufe dieſes Monats ein Concert zu geben entſchloſſen iſt. Die demnächſt herumzuſchickende Subſcriptions⸗ liſte wird das Weitere berichten.
Friedberg am 8. Januar 1845. L. Matthias, Caſſier.
Kirchenbuchs⸗Auszug vom November 1844.
Butzbach. Getraute:
12.(Zu Aſſenheim) Friedrich Löhr Bürger und Baͤckermei⸗ ſter zu Butzvach, des daſigen Bürgers und Bäckermei⸗ ſters Heinrich Chriſtian Löhr, ehelich lediger Sohn und Maria Margaretha Schott, des Bürgers und Metzgers zu Aſſenheim Balthaſer Arnold Schott, ehe⸗ lich ledige Tochter.
Getaufte:
2. Dem Bürger und Metzgermeiſter Anton Winter eine Tochter, Maria Katharina, geb. den 17. Oct.
7. Dem Königl. Preußiſchen Poſtconducteur Conrad Görg ein Sohn, Friedrich Emil Philipp, geb. den 21. Oct.
14. Dem Bürger und Kaufmann Jacob Küchel III. eine Tochter, Auguſte Theodora Sophie, geb. den 29. Oct.
23. Dem Bürger, Zinngießer und Spenglermeiſter Johan⸗ nes Wenzel ein Sohn, Wilhelm, geb. den 20.
24. Dem Bürger und Wagnermeiſter Martin Ludwig Bruck⸗ hof ein Sohn, Georg Wilhelm, geb. den 6. Nov.
25. Dem Bürger und Schreinermeiſter Karl Konrad Diehl ein Sohn, Johann Philipp, geb. den 16.
26. Dem Bürger und Schneidermeiſter Chriſtoph Schmidt ein Sohn, Chriſtoph, geb. den 26.
Beerdigte:
1. Konrad Stephan, Bürger und Schneidermeiſter, alt 63 Jahre. 4 Monate und 29 Tage, J den 29.
5. Die am 2. getaufte Maria Katharina Winter, 7 den 3.
24. Katharina Eliſabeth, des Bürgers und Rothgerbermei⸗ ſters Johannes Steitz Ehefrau, geb. Kuhl, alt 58 Jahre, 1 Monat, 1 Tage, k den 23.
29. Anna Eliſabeth, des Bürgers Johannes Buß Ehefrau, geb. Borſch, alt 56 Jahre, 22 Tage, f den 27.
29. Der am 26. getaufte Chriſtoph Schmidt, 7 den 27.
Sonntag durch ell Briefe u. Bote geht um 9 Ut vetg vor Eilwage um 175 gens bol zurück, ſe blochene päckereie Friedberg ſeits und anderſeit⸗ geſtellt i Darn
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