Ausgabe 
11.1.1845
 
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Intelligenz-Olatt

fur die

Provinz Oherheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen

und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Zur Wetterauer Chronik.

An manchen Orten unſerer mit Recht geprieſenen Wet terau hat das alte Jahr einen recht ſchlimmen Ausgang und das neue einen recht ſchlimmen Anfang genommen und wollen wir darüber mittheilen, was uns erzählt worden iſt.

1. Altenſtadt. In dieſer Gemeinde hatte in der Syl veſternacht ein Sohn das Unglück, ſeinen Vater um's Leben zu bringen. Den uns zugekommenen Berichten von denen zwei ſchriftliche vor uns liegen zu Folge war ſo wohl Vater als Sohn in einem, durch übermäßigen Genuß geiſtiger Getränke, ſehr aufgeregten, ziemlich beſinnungsloſen Zuſtande und konnte auf dieſe Weiſe ein vom Vater begon nener Wortwechſel das angedeutete traurige Ende nehmen. Welch fürchterliches Erwachen aus dem Rauſche für den Sohn, als er das Verbrechen des Vatermordes begangen hatte, das Verbrechen, das ſchon den alten heidniſchen Römern ſo un⸗ natürlich und unmöglich erſchien, daß ſie in ihrer Geſetzge bung ſeiner gar nicht gedachten. Gott und ſein Gewiſſen mögen dem jungen, ein und zwanzig jährigen Uebelthäter gnädig ſein, die weltliche Strafe, die er vorausſichtlich wird zu erdulden haben, wird ſo groß nicht ſein, da mildernde Umſtände genug das Vergehen in einem minder ſtrafbaren Lichte ſollen erſcheinen laſſen.

2. Holzhauſen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Jan. d. J. iſt hier ein Wohnhaus und eine Scheuer der Raub der Flammen geworden.

3. Daſſelbe Unglück hatte in der Nacht vom 31. Dez. v. J. auf den 1. Jan. d. J. die Gemeinde Langenberg heim betroffen, wo zwei Scheunen von dem Feuer zerſtört wurden. Ueber die Veranlaſſung des Brandunglückes iſt uns nichts Näheres zugekommen.

Wollte Gott, wir hätten derartige Dinge im Laufe des Jahres nicht weiter zu berichten!

Die armen Felsberger.

Das Comité zur Unterſtützung der armen Felsberger hat ſich unter dem 20. Dezember 1844 an den Canzleidirektor Freiherrn Vincenz von Planta in Chur gewendet und demſelben um gef. Mittheilungen über die Felsberger erſucht. Auf das betreffende Schreiben des Caſ ſiers iſt ſo eben die vom 30. Dezember 1844 datirte Ant⸗ wort des genannten hochverehrten Beamten eingelaufen und wir verfehlen nicht, dieſelbe den geneigten Leſern des Intelli genzblattes mitzutheilen, wünſchend, daß damit wieder eine

neue Anregung in der Sache der armen Felsberger gege ben werde und mit der Bitte an die Verehrl. Redactionen der übrigen Intelligenzblätter unſerer Provinz, auch in ihren Kreiſen das Schreiben des Herrn v. Planta gef. veröffent⸗ lichen zu wollen.

Hochgeehrteſter Herr!

Mit den Gefuͤhlen der aufrichtigſten Anerkennung be eilt ſich der Unterzeichnete, das verehrliche Schreiben Ew. Wohlgeb. vom 20. d., worin Wohlſelbe um nähere Aus kunft über Lage und Verhältniſſe der Felsberger erſuchen, zu beantworten. Er hofft dem Wunſche Ew. Wohlgeb. und der übrigen Menſchenfreunde, in deren Namen Sie ſich an ihn, den Unterzeichneten, gewandt haben, mit folgender kur zer Darſtellung zu entſprechen.

Das Dörfchen Felsberg liegt auf einer ſonnigen und fruchtbaren Stelle, etwa Dreiviertelſtunden in ſuͤdweſtlicher Richtung von der Stadt Chur, 100 Schritte vom Fuße des Berges Galanda und etwa 200 vom linken Ufer des Rheinſtromes, welcher hier in ziemlich unregelmäßigem Laufe die Thalfläche durchſchneidet. Das Dörfchen zählt ungefähr 500 Einw., ein fleißiges Völkchen, welches, unter der Lei tung eines trefflichen, mit aufopfernder Liebe ſeiner Gemeinde ſich hingebenden Seelſorgers, in gedeihlichem Fortſchreiten nach dem Beſſern, in ſittlicher ſowohl, als in okonomiſcher Beziehung, begriffen war, als vor wenigen Jahren die bis dahin kaum beachteten Anzeichen eines drohenden Bergſtur zes und einer möglichen Verſchüttung des Dörfchens ernſt licher zu werden begannen und die Einwohner aus ihrer glücklichen Ruhe aufſchreckten. Unmittelbar ob dem Dorfe erhebt ſich nämlich, bis zu einer Höhe von 2000 Fuß, eine früher mit Wald bewachſene abhängige Flache, von etwa 30 Grad Steigung; von da ragt eine ſenkrechte Felswand von weiteren 500 Fuß in die Höhe, worauf das Gebirg in ſanftere Neigungen übergeht und ſo ſeine höchſte Spitze erreicht. Von erwähnter Felswand haben ſich nun, wie zahlreiche, auf den Felsberger Feldern vorfindliche ſchwarze Felsblöcke es beweiſen, ſchon ſeit Jahrhunderten einzelne Maſſen abgelöſt, die aber, da ſie das Dorf nicht erreichten, wenig beachtet wurden. Erſt vor einigen Jahren fand die erſte bedenkliche Ablöͤſung ſtatt, indem ein großer Felsblock bis unmittelbar hinter dem Dorfe herunterſtürzte. Seither wurden die Ablöſungen immer häufiger. Der früher dicht bewachſene Abhang entbloͤßte ſich allmaͤhlig völlig. Voye ges Jahr erreichte ein gewaltiger Felsblock vollends das

Dorf ſelbſt und zertrümmerte in ſeinem Sturze ein Haus,